Signoria

Dieser Artikel behandelt die allgemeine Form der Stadtregierung im Italien des Mittelalters. Spezielle Formen der Signoria finden sich in der historischen Republik Venedig, siehe dort, sowie der historischen Stadtregierung von Florenz, siehe Gonfaloniere.


Der Begriff Signoria bezeichnet die faktische Regierungsform in vielen Städten Italiens zur Zeit des späten Mittelalters und der Renaissance, bei der ein "starker Mann" (signore) an der Spitze stand.

Geschichte

Die Kommunen im mittelalterlichen Italien unterstanden zunächst de jure dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Da jedoch einzelne Familien aus dem Volk durch Handel immer einflussreicher wurden, kam es in vielen Gemeinden zu offenen Machtkämpfen um die Regierungshoheit. Häufig unterlag der vom Kaiser eingesetzte Magnat dem popolo, der organisierten Bürgerschaft.

Zur Befriedung der Gemeinden richtete man im 12. Jahrhundert die ersten Signorie ein, die einen einzelnen Mann (signore) an der Spitze hatten. Diese Form der Stadtregierung war nicht verfassungsrechtlich vorgesehen. In den meisten Städten Oberitaliens war sie um 1300, nach den schweren Kämpfen, in die Friedrich II. ganz Italien verwickelt hatte, jedoch die faktische Regierungsform.

Der signore stammte häufig aus den Reihen städtischer Amtsinhaber oder reicher Bürger. Seine Amtszeit war oft unbegrenzt, daher sein Beiname dominus perpetuus (lat.: "immerwährender Herr"). Er hatte weite Ausnahmevollmachten. Viele waren ausgesprochene Despoten, die skrupellos die Interessen ihrer eigenen Partei vertraten. Viele versuchten, durch Eroberungszüge Nachbarstädte unter ihre Kontrolle zu bringen. Sehr erfolgreich war darin z.B. die Familie Visconti in Mailand, die Scaliger in Verona, die Este in Ferrara und Modena, die Gonzaga in Mantua.

Bis ins 15. Jahrhundert wurden eine Reihe von Städten so mächtig, dass sie zu autonomen Regionalstaaten wurden. Weder dem Reich noch dem Papst gelang es, diese Entwicklung durch Gewalt zurückzudrängen. Stattdessen verteilten sie Privilegien und Adelstitel, um die Signorie an sich zu binden. Mit großem Erfolg gelang das jedoch erst Cesare Borgia.

Viele Städte wurden so zu Prinzipaten, also erblichen Fürstentümern. Andere wurden von den großen Territorialstaaten geschluckt, die sich im 15. Jahrhundert erfolgreich ausdehnten (Mailand, die Republik Venedig, Florenz, Neapel und der Kirchenstaat).

Siehe auch: Geschichte Italiens | Gonfaloniere

See also: Signoria, 12. Jahrhundert, 1300, 15. Jahrhundert, Adelstitel, Cesare Borgia, Despot, Este (Familie), Ferrara, Florenz