Singstimme
Die menschliche Singstimme gehört zu den Zungenpfeifen (vgl. Blasinstrumente und Schall); die Stelle der Zungen, von denen es wie bei der Oboe zwei gibt) vertreten die Stimmlippen, welche zwischen den beweglichen zwei Schildplatten und zwei Gießbeckenknorpeln, die zusammen den Kehlkopf bilden, einander gegenüberstehend, leicht nach oben gegeneinander geneigt ausgespannt sind.
Zahlreiche Muskeln bewirken sowohl eine straffere Spannung als ein Nachlassen der Spannung der Stimmlippen, sei es in der ganzen Ausdehnung oder nur teilweise; auch eine Verdickung der Stimmlippen wie anderseits eine Verdünnung besonders der Ränder ist möglich, da die Knorpelpaare sich auseinander zu und voneinander weg bewegen können, wodurch entweder die Tiefe oder die Breite des Kehlkopfes verändert wird.
Ein bewußtes Infunktionsetzen dieser oder jener Muskeln ist nicht möglich; die physiologischen Experimente zur Erforschung der Bedingungen, unter denen diese oder jene Modifikation des Klanges der Menschenstimme entsteht, sind daher für die Praxis des Singens unfruchtbar und nur für die Wissenschaft von Interesse. Bemerkenswert ist allerdings, dass manche Frauen begabt sind, deutlich höher zu singen als selbst manche Koloratur-Sopranstimme. Bei besonders hoher Anspannung der Stimmlippen kommt es nämlich beim Singen zur Bildung einer kleinen kreisrunden Öffnung inmitten der ansonsten aneinander anliegenden Stimmlippen. Die dadurch ermöglichte Hochtonsingfähigkeit nennt man auch Pfeifstimme. Sie wird oft als eine alternative Art zu Pfeifen präsentiert. Womöglich beruht aber auch das Talent von Sängerinnen wie Yma Sumac auf einer perfekten Beherrschung dieser Art zu singen.
Literatur
- Merkel: Anthropophonik. Leipzig 1857
Siehe auch: Stimmbildung, Gesang
Kategorie:Sachlexikon Klassische Musik
