Skalpieren

Skalpieren ist das Entfernen des Skalps, üblicherweise mit dem Kopfhaar, als Kriegstrophäe. Skalpieren wird normalerweise mit den Grenzkonflikten in Nordamerika assoziiert, bei denen es von den Indianern und den europäisch-stämmigen Grenzlandsiedlern praktiziert wurde.

thumb|Der Indianer Big Mouth Spring, geschmückt mit einer Skalp-Schnalle auf seiner rechten Schulter. [[Bild:Robert McGee, scalped as a child by Sioux Chief Little Turtle in 1864.jpg|thumb|Robert McGee, der 1864 als Kind von dem Sioux-Häuptling Little Turtle skalpiert wurde. Foto von zirka 1890.]]

Das Skalpieren wurde jedoch bereits von den antiken Skythen in Eurasien angewandt. Der griechische Historiker Herodot schrieb 440 v. Chr. über die Skythen:„Die skythischen Soldaten schaben das Fleisch vom Skalp und machen ihn durch Reiben zwischen den Händen weich und benutzen ihn danach als Mundtuch. Der Skythe ist stolz auf diese Skalps und hängt sie an seinen Zügel; je mehr solcher Mundtücher ein Mann vorweisen kann, umso besser ist er angesehen. Viele fertigen sich Tarnmäntel an, indem sie mehrere dieser Skalps zusammennähen.“

Laut dem Historiker James Axtell gibt es keinen Beweis dafür, dass frühe europäische Entdecker und Siedler in Amerika die Praktiken der Skythen kannten oder dass sie den Indianer das Skalpieren beigebracht hätten. Axtell sagt weiterhin, dass es klare Beweise gäbe, dass das Skalpieren in Amerika praktiziert wurde, lange bevor die Europäer eintrafen, insbesondere in Nordamerika. Die Theorie, dass die Indianer das Skalpieren von den Europäern übernommen hätten, kam in den 1960er Jahren auf und wird immer noch von einigen Autoren und Aktivisten vertreten, wird aber von meisten Akademikern abgelehnt.

Man meint, dass der Kontakt mit den Europäern zu einer Verbreitung der Praxis des Skalpierens unter den Indianern führte, seit einige europäisch-stämmige amerikanische Regierungen ihre indianischen Alliierten in Kriegszeiten dazu ermutigten. Zum Beispiel wurde während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges der britische Gouverneurleutnant von Kanada, Henry Hamilton unter den amerikanischen Patrioten als „Haarkaufender General“ bekannt, weil angenommen wurde, dass er seine indianischen Alliierten dazu ermutigte und dafür bezahlte, amerikanische Siedler zu skalpieren. Als Hamilton während des Krieges von Amerikanern gefangengenommen wurde, wurde er deswegen wie ein Kriegsverbrecher und nicht wie ein Kriegsgefangener behandelt. Sicher ist, dass Indianer wie auch amerikanische Grenzsiedler ihre Opfer während dieser Zeit oft skalpierten.

Europäisch-stämmige amerikanische Regierungen setzten außerdem manchmal Skalpprämien aus, um Weiße für das Skalpieren von Indianern zu bezahlen. Beispielsweise bot 1706 der Gouverneur von Pennsylvania 130 Achtel für den Skalp jedes männlichen Indianers über zwölf Jahren und 50 Achtel für jeden Frauenskalp. Weil es für die, die Prämie auszahlten unmöglich war, das Geschlecht und manchmal auch das Alter zu bestimmen, wurde das Töten von friedlichen Indianern, einschließlich Frauen und Kindern eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ein anderes Beispiel: im Franzosen- und Indianerkrieg setzte Pennsylvania eine Skalpprämie für Shingas, den Anführer der Lenni Lenape aus.

Andere Bedeutungen

Skalpieren wird im englischsprachigen Raum auch als umgangssprachliche Begriff für das Kaufen von Karten für öffentliche Ereignisse wie ein Musikkonzert, eine Show und ein Sportereignis und das anschließende Wiederverkaufen mit der Absicht der Erzielung von Profit verwendet. Der Wiederverkäufer der Karten wird als „Skalpierer“ bezeichnet. In britischem Englisch wird so eine Person „ticket tout“ genannt.

Weblink

Quellen

Dieser Artikel beruht auf einer Übersetzung des Artikels (Scalping) aus der englischsprachigen Wikipedia in der Version vom 21. April 2005. Eine Liste der Hauptautoren (History) gemäß GNU FDL ist hier zu finden.

See also: Skalpieren, 1706, 1864, 1890, 440 v. Chr., Amerika (Kontinent), Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Antikes Griechenland, Britisches Englisch