Slawische Sprachen

thumb|350px|Karte der slawischen Sprachen Die slawischen Sprachen sind ein Zweig der indogermanischen Sprachen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Nach der geltenden wissenschaftlichen Auffassung sind sie aus dem sog. Urslawischen entstanden, dem die älteste slawische Schriftsprache, das Altkirchenslawische (ab dem 9. Jahrhundert), noch sehr nahe stand. Aus dem Altkirchenslawischen entwickelten sich etwa dem 11. Jahrhundert verschiedene Varianten, die man traditionell als Kirchenslawisch bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen Bulgarisch-Kirchenslawisch (oft auch Mittelbulgarisch genannt), Russisch-Kirchenslawisch, Serbisch-Kirchenslawisch, Kroatisch-Kirchenslawisch und Tschechisch-Kirchenslawisch. Auch in Rumänien war bis in 19. Jahrhundert eine spezielle Variante des Kirchenslawischen als Kirchensprache in Gebrauch.

Am nächsten steht den slawischen Sprachen der baltische Sprachzweig, was auf die lange Nachbarschaft zurückzuführen ist und darauf, dass sich beide Sprachgruppen aus ähnlichen indogermanischen Dialekten entwickelt haben. Einige Sprachwissenschafter gehen sogar von einer baltisch-slawischen Spracheinheit aus, diese Meinung gilt jedoch als umstritten.

Die folgende Übersicht enthält, gegliedert nach den drei geografischen Untergruppen Ostslawisch, Westslawisch und Südslawisch zunächst die slawischen Standardsprachen und danach die sog. Mikroliteratursprachen -- dieser Ausdruck ist in der Slawistik für Sprachformen üblich, in denen schriftliche Texte verfasst werden, die aber nicht alle Eigenschaften vollgültiger Standardsprachen aufweisen. Innerhalb jedes Abschnitts sind die Sprachen alphabetisch angeordnet.

Überblick über die slawischen Sprachen

KURZÜBERBLICK:

Westslawische Sprachen:

ostslawische Sprachen:

südslawische Sprachen:

Tabelle

In der Spalte Verbreitung sind Gebiete, in denen die betreffende Sprache Amtssprache ist, fett und Gebiete, in die die betreffende Sprache erst durch Auswanderungen in jüngerer Zeit gekommen ist, kursiv hervorgehoben.

Sprache Verbreitung Sprecher
ostslawische Standardsprachen
Russisch (русский язык) Russland, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisien, Krim (Ukraine); weitere Länder der ehemaligen Sowjetunion (vor allem Ukraine, Lettland, Estland); USA, Israel, Deutschland, weitere westeuropäische Länder  180.000.000
Ukrainisch (українська мова) Ukraine, Russland, Kasachstan, Moldawien, Polen, Weißrussland, Slowakei, Rumänien, Nordamerika, Argentinien, Kirgisien, Lettland, Westeuropa, Tschechien  47.000.000
Weißrussisch (беларуская мова) Weißrussland, Russland, Ukraine, Polen (in der Umgebung von Białystok), Lettland, Litauen, Kasachstan, USA  8.000.000
ostslawische Mikroliteratursprachen
Ruthenisch/Russinisch (руски язик) Karpato-Ukraine (Ukraine, dort aber nicht offiziell anerkannt, sondern als ukrainischer Dialekt betrachtet), nordöstliche Slowakei und angrenzende Gebiete Polens, Emigranten v.a. in Nordamerika  830.000
Batschka-Russinisch (бачвански руски язик) Vojvodina (Serbien) und Slawonien (Kroatien) (ursprüngliche Herkunft: Karpato-Ukraine)  23.000
Westpolessisch im Grenzbereich zwischen der Ukraine und Weißrussland  ?
westslawische Standardsprachen
Niedersorbisch (dolnoserbska rěc) Niederlausitz (Deutschland) in der Umgebung von Cottbus  12.000
Obersorbisch (hornjoserbska rěč) Oberlausitz (Deutschland) in der Umgebung von Bautzen  55.000
Polnisch (język polski) Polen, Weißrussland, Ukraine, Tschechien, Litauen, Nordamerika, Westeuropa, Brasilien, Australien  50.000.000
Slowakisch (slovenský jazyk) Slowakei, Vojvodina (Serbien), Ungarn, Rumänien, Tschechien, Ukraine, Kroatien, Nordamerika, Australien, Westeuropa  6.000.000
Tschechisch (český jazyk) Tschechien, angrenzende Länder (v.a. Slowakei), Nordamerika, Westeuropa, Australien  12.000.000
westslawische Mikroliteratursprachen
Kaschubisch (kaszëbsczi jãzëk) in Polen westlich und südlich von Danzig  50.000
südslawische Standardsprachen
Bosnisch (bosanski jezik) Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro, Nordamerika Westeuropa  2.000.000
Bulgarisch (български език) Bulgarien, Ukraine, Moldawien, angrenzende Länder, USA, Westeuropa  9.000.000
Kroatisch (hrvatski jezik) Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Westeuropa  4.800.000
Mazedonisch (македонски јазик) Mazedonien, angrenzende Länder (v.a. Griechenland, Bulgarien), Westeuropa  2.000.000
Serbisch (српски језик) Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Westeuropa  10.000.000
Slowenisch (slovenski jezik) Slowenien, südliches Kärnten, Provinzen Triest und Görz (Italien), westliches Ungarn  2.000.000
südslawische Mikroliteratursprachen
Banater Bulgarisch (bâlgarsći jazič) Banat (Rumänien)  18.000
Burgenlandkroatisch (gradišćansko-hrvatski jezik) Burgenland (Österreich)  19.000
Molisekroatisch Molise (Italien)  2.500
Resianisch (rozojanski lengač) Resia-Tal in der Provinz Udine (Italien)  19.000

Ausgestorbene slawische Sprachen

Im Zuge der deutschen Ostkolonisation wurde eine größere Zahl von westslawischen Völker assimiliert oder verdrängt, ihre Sprachen sind ausgestorben. Dies betrifft zunächst die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder und der Insel Rügen, die bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts ausgestorben sind, dann das sog. Polabische (auch Drawänopolabisch) im sog. Wendland bei Lüchow-Dannenberg, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestorben ist, und schließlich das bis kurz nach 1900 in Pommern gesprochene Slowinzische. Auch die Sprecherzahl der beiden sorbischen Sprachen geht seit Jahrhunderten stetig zurück, das Niedersorbische kann heute als akut bedroht gelten.

Andere slawische Sprachen und Dialekte

Auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel wird auf eine Liste von weiteren slawischen Sprachen verwiesen ([1]), die sich unter im Internet findet. Zu diesen sei, soweit sie nicht oben schon aufgeführt sind, folgendes gesagt:

Charakteristika der slawischen Sprachen

Die slawischen Sprachen gelten als für Westeuropäer und insbesondere Deutsche schwer erlernbar. Diese Meinung beruht nicht nur auf Erfahrungen von Ausländern, die eine slawische Sprache lernen wollten, sondern auch auf dem Widerstand gegen das (z.B. nach 1945 in der DDR) oktroyierte Russische und auf Meinungen von Slawen über die schwere Erlernbarkeit ihrer Sprachen (auf die sie ausdrücklich stolz sind). Objektiv zu beschreiben sind die folgenden Faktoren, die sich jedoch nicht bei allen slawischen Sprachen in gleicher Weise auswirken:

Maschinelle Übersetzung zwischen slawischen Sprachen

Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Prager Karlsuniversität, der Universität des Saarlandes und der Universität in Kaunas (Litauen) ist ein System für maschinelle Übersetzung zwischen den slawischen Sprachen entwickelt worden, bisher gibt es sprachliche Ressourcen (Tagger, Grammatik, Wörterbuch) für die Sprachpaare Tschechisch-Slowakisch und Tschechisch-Polnisch. Die im Rahmen des Projektes entwickelte Technologie basiert auf der Verwandtschaft der slawischen Sprachen auf allen sprachlichen Beschreibungsebenen. Darüber hinaus ist kürzlich das Sprachpaar Tschechisch-Litauisch hinzugekommen, womit das System über die slawische Sprachfamilie hinaus erweitert wurde.

Literatur

See also: Slawische Sprachen, 11. Jahrhundert, 15. Jahrhundert, 17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 1948, 1993, 1998, 9. Jahrhundert