Soldatensprache

Unter Soldaten üblicher Jargon zeichnet sich durch eine große Zahl von Ersatzbegriffen für offizielle Bezeichnungen berufsspezifischer Gegenstände und Handlungen aus, die nicht nur im historischen Gebrauch und regionaler Verbreitung stark variabel sind, sondern bereits zwischen Teilstreitkräften derselben Armee stark differieren.

Soldatensprache in der Bundeswehr

Die für den Sprachgebrauch in der Bundeswehr typischen Begriffe enthalten häufig vulgäre oder derbe Komponenten oder lassen eine kritische bis zynische Wertung des Bezeichneten erkennen. Die in Deutschland bestehende Wehrpflicht und der daraus resultierende hohe Anteil von Wehrpflichtigen an den Streitkräften, die gegen ihren Willen als Soldaten tätig sind, macht eine solche Ausformung des Soziolekts erklärlich.

Beispiele für Begriffe der Soldatensprache in der Bundeswehr sind:

Abgänger 
Wehrpflichtiger, der das letzte Quartal seines Grundwehrdienstes ableistet. Gruppendynamische Prozesse sorgen regelmäßig dafür, dass Abgänger gegenüber Personen, die ihren Wehrdienst später antraten, herablassend auftreten und die Tatsache ihres baldigen Dienstzeitendes zum Anlass schadenfrohen Spotts machen, was sich in lautstark intonierten Versen wie "Abgänger saufen, Abgänger saufen, wenn die Füchse Streife laufen" widerspiegelt.
abseilen 
Vermeidung unwillkommener Tätigkeitsausübung durch Entziehung. Synonym zu verpissen
Abseiler 
Person, der wiederholt die Vermeidung unwillkommener Tätigkeitsausübung gelingt. Synonym zu Verpisser
Ackerschnacker 
Feldtelefon
Bagger 
Panzer
Barras 
Bundeswehr oder Wehrpflicht (Ausdruck vor allem in Bayern gebräuchlich)
Cafe Viereck 
Arrestzelle im Wachgebäude einer Kaserne
Dackelgarage 
Durch Verknüpfung zweier bundeswehrtypischer Zeltbahnen gefertigtes "Zweimannzelt", das sich durch außerordentlich geringen Schlafkomfort auszeichnet
ficken 
anders als in der allgemeinen Umgangssprache, in der ficken i.d.R. die Ausübung des Geschlechtsakts bezeichnet, in der Soldatensprache auch im Sinne von schikanieren oder schinden gebraucht
Frontschwein
Fuchs 
Wehrpflichtiger, der (je nach lokalem Gebrauch) das zweite bis vorletzte Quartal seines Grundwehrdienstes ableistet
gelber Urlaubsschein 
ärztliches Dienstunfähigkeitsattest
goldenes Seil
Soldat, der sich oft und gerne "abseilt"
Gummifut (Bayerisch: Gummifotze)
auf die Ähnlichkeit zu als Vaginaimitaten ausgeführten Masturbationshilfen anspielender Ersatzbegriff für die offiziell euphemistisch als ABC-Schutzmaske bezeichnete Gasmaske
Gummisau 
Ersatzbegriff für den offiziell Overgarment genannten Schutzanzug.
Himmelfahrtskommando
Kameradenschwein 
Mit dem Schimpfwort "Kameradenschwein" wird eine Person belegt, die zu einer bestimmten Gruppe gehört und es darauf anlegt, sich auf Kosten der anderen Gruppenmitglieder einen Vorteil zu verschaffen. Beispiel: Eine Person kann als "Kameradenschwein" angesehen werden, wenn sie Fehlverhalten von Gruppenmitgliedern bei einer übergeordneten Instanz meldet.
Koffer 
spöttische Bezeichnung für einen Wehrpflichtigen, der das erste Quartal seines Grundwehrdienstes ableistet; spielt auf eine bis in die 1990er Jahre hinein gebräuchliche Praxis an, Rekruten vor der Fertigstellung ihrer auf die Uniform aufzunähenden Namensschilder zum Tragen eines auch an Reisegepäck gebräuchlichen, mit dem Familiennamen versehenen Anhängers an der rechten Brusttasche zu verpflichten
Lametta 
Rangabzeichen und Orden an Uniformen
nasse Aktion 
unerfreuliche Tätigkeit
NATO-Matratze 
abfällige Bezeichnung für eine Frau, die in Freizeiteinrichtungen (z.B. Diskotheken) in der Nähe von Bundeswehrstandorten die Bekanntschaft von Soldaten sucht
NATO-Pause 
NATO-einheitliche zweite Frühstückspause
NATO-Rally 
möglichst rasante Heimfahrt in's Wochenende mit dem eigenen Auto
NATO-Ratte 
große Staubfluse
NATO-Zebra 
(in Anspielung auf das Streifenmuster des Rangabzeichens): Stabsgefreiter
Negerpfeil 
Übungsmunition für Panzerfäuste, die keinen Sprengkopf enthält
Neuer 
Abwertend gebrauchter Begriff für Soldaten im ersten Quartal ihrer Dienstzeit
plockern 
putzen (von u.U. nicht signifikant verschmutzten Gegenständen oder Böden)
rödeln 
Robben oder Fortbewegen durch schwieriges Gelände. Verallgemeinernd auch als Tätigkeitswort für die Durchführung nasser Aktionen gebraucht.
Rödelbahn 
Hindernisparcours, der der Ausbildung zur Fortbewegung durch schwieriges Gelände dienen soll
Schnüffeltüte 
siehe Gummifut
Spieß 
Kompaniefeldwebel
Spindfick 
Kontrollsichtung einer vorgegebenen Ausgestaltung der persönlichen Gegenstände des Soldaten in und auf dem Spind durch Vorgesetzte.
Spindwürfeln 
drehen eines geschlossenen, gefüllten Spinds um eine Raumachse, wobei durch die Einwirkung der Gravitation der Inhalt des Spinds durcheinandergebracht und eventuell auch beschädigt wird. Diese (im allgemeinen von mehreren Personen gemeinsam) durchgeführte Maßnahme gilt als Ausdruck der Antipathie jener Person gegenüber, die Besitzer des Spindinhalts ist - insbesondere, wenn sich diese Person im Spind befindet.
Stubenfick 
Kontrollsichtung einer vorgegebenen Ausgestaltung der Stubeneinrichtung und Stubensauberkeit durch Vorgesetzte
Tarnen, Täuschen, Verpissen
scherzhafte Kampftaktik
verpissen 
siehe abseilen
Verpisser 
siehe Abseiler

Siehe auch: Killed In Action

Literatur

Weblinks

See also: Soldatensprache, Antipathie, Armee, Barras, Bundeswehr, Dienstgrade in der Bundeswehr, Euphemismus, Frontschwein, Gasmaske, Geschlechtsverkehr