Schloss Solitude
Schloss Solitude (französisch: Einsamkeit) wurde als Jagd- und Repräsentationsschloss 1764 - 1769 unter Herzog Karl Eugen von Württemberg erbaut. Seit 1956 gehört das Gebiet zum Stadtbezirk Stuttgart-West. Das Schloss liegt auf einem langgezogenen Höhenrücken zwischen den Städten Leonberg, Gerlingen und dem Stuttgarter Stadtteil Botnang. Direkt am Rande von dessen nördlichen Abhang erbaut, bietet es einen herrlichen Blick nach Norden ins württembergische Unterland Richtung Ludwigsburg. thumb|250px|Schloss Solitude, Südfassade des Hauptgebäudes
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Das Schloss Solitude
Geschichte
Die Bauzeit war gekennzeichnet von politischen und finanziellen Widrigkeiten. Eben durch diesen Bau wurden diese mit verursacht und verstärkt:
- Karl Eugen hatte sich im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen und damit letztlich auf Seiten der Verlierer gestellt.
- Karl Eugen war ein überaus bau- und repräsentationsfreudiger Fürst. Von Giacomo Casanova ist beispielsweise eine begeisterte Schilderung der prunkvollen Hofhaltung, der Bauten, und der technisch raffinierten Theater-Vorstellungen überliefert.
Objektiv überstieg der Bau die finanziellen Möglichkeiten des Herzogtums Württemberg. Über die Finanzprobleme des Staates kam es zu politischen Konflikten des Herzogs mit den einflussreichen württembergischen Landständen in Stuttgart, in deren Folge der Herzog seine Residenz von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegte. Letztlich waren die aufwendige Repräsentation und der Unterhalt des Schlosses wohl weder finanziell noch politisch tragbar. Bereits 1775 wurde die Hofhaltung dort eingestellt und nach Hohenheim verlagert.
1770 wurde die Hohe Karlsschule von Herzog Karl Eugen (Württemberg) gegründet und befand sich anfangs im herzoglichen Lustschloss Solitude. Sie diente als Militärakademie, Kunstakademie und später als Allgemeine Hochschule und war als Eliteschule für Söhne aus angesehenen württembergischen Familien gedacht. 1775 wurde die Schule nach Stuttgart verlegt.
Das Schloss verwaiste und verfiel. Mitte des 20. Jahrhunderts war die Bausubstanz angegriffen, die Dächer verrottet und im Inneren die herrlichen Deckengemälde von Nikolas Guibal und die Deckenfresken durch Wasserschaden weitgehend verfallen. 1972 - 1983 renovierte dann die Bundesrepublik Deutschland die Gebäude samt der Innenräume, inklusive der Fresken und Deckengemälde.
Heutige Nutzung
Seit 1990 ist in den Nebengebäuden des Schlosses, den beiden Officen- und Kavaliersgebäuden, die Akademie Schloss Solitude untergebracht, die sich die Förderung des künstlerischen Nachwuches zur Aufgabe gemacht hat. Die Kavaliersgebäude dienen unter anderem als Wohnhäuser für Stipendiaten.
Baustil
Schloss Solitude wurde von einer Art Arbeitsgruppe am Hofe entworfen, unter Anleitung des Hofbaumeisters Philippe de La Guêpière und unter tatkräftiger Mitwirkung des Fürsten selbst und einiger anderer Baumeister. Äußerlich ist es ein typisches Rokoko-Schloss. Im Inneren jedoch macht sich schon die beginnende klassizistische Epoche bemerkbar: Statt der unregelmäßigen, lebhaften Formen des Rokoko findet man bei der Raum- und Wandaufteilung ebenmäßige, ruhige klassische Proportionen.
Die Solitudeallee
thumb|Solitudeallee, Blick nach Norden Am nördlichen Haupttor des Schlosses beginnt die schnurgerade Solitudeallee. Herzog Karl Eugen ließ sie 1764-1768 als Verbindungsachse zum Residenzschloss in Ludwigsburg bauen.
Sie führt durch Stuttgart-Weilimdorf und vorbei an S-Zuffenhausen, S-Stammheim und Kornwestheim. Sie ist auch heute noch fast vollständig erhalten, zum Teil als asphaltierter Feldweg. Lediglich in Weilimdorf, wo sie mit der der Hauptstraße zusammenfällt, und in Ludwigsburg, wo das Bahngelände in die Quere kommt, gibt es jeweils einen kleinen Versatz.
Sie diente als Basislinie für die württembergische Landvermessung von 1820 und ist laut Gedenktafel im Inneren des Schlosses genau 40.118,718 Pariser Fuß oder 13.032,14 Meter lang.
Die Grand-Prix-Rennstrecke Solitude
Schon im Jahre 1903 war das Schloss Solitude Ziel eines Bergrennens. In späteren Jahren diente die Umgebung des Schlosses gar als Fahrerlager bei Rundstreckenrennen mit verschiedenen anspruchsvollen Streckenvarianten im hügeligen Gelände. 1935 - 1965 wurde der 11,3 km lange Grand-Prix-Rundkurs Solitude südlich des Schlosses für Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe und Formel 1-Rennen genutzt. Diese Rennen fanden im Schnitt vor 288 000 Zuschauern statt, wurden aber nach 1966 nicht mehr fortgesetzt. Im Jahre 2003 fand eine Revival-Veranstaltung in und um das Schloss statt, bei dem Fahrzeuge und Fahrer der früheren Rennen teilnahmen, unter anderem mehrere Weltmeister. 2004 wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums eine Rallye-Gedenkveranstaltung abgehalten.
Stadtteil Solitude
Nachdem das Gebiet des Schlosses Solitude mit seinem gesamten Wohnplatz bis 1942 zur Gemeinde (heute Stadt) Gerlingen gehörte, wurde es am 1. April 1942 nach Stuttgart eingegliedert und dem Stadtteil Botnang zugeordnet, doch wurde das zum Wohnplatz Solitude gehörige Gebiet des Sanatoriums auf der Schillerhöhe 1951 wieder an die Gemeinde Gerlingen zurückgegeben.
Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahre 1956 wurde der Wohnplatz Solitude dem neu gegründeten Stadtbezirk Stuttgart-West zugeordnet und als eigenständiger Stadtteil erklärt, der auch bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 nicht verändert wurde. Der Stadtteil Solitude hat jedoch keine Einwohner, zumindest keine Bewohner mit Hauptwohnsitz.
Weblinks
- Schlösser-Magazin: Schloss Solitude
- Stuttgart-Marketing: Schloss Solitude
- Die Solitude - Rennstrecke
- Die Solitude - Rennveranstaltung 2003
- Solitude - Rennstrecke mit Geschichte
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