Solmisation
Mit Solmisation bezeichnet man das Benennen der Töne nach dem Verfahren des Guido von Arezzo und das dementsprechende Singen der Noten. Guido von Arezzo (11. Jahrhundert) legte eine sechsstufige Tonleiter mit den Silben ut, re mi, fa, sol, la fest (Hexachordsilben). Das sind die Anfangssilben der jedesmal um einen Ton höher beginnenden Zeilen der ersten Strophe vom Vesperhymnus am Tage Johannes des Täufers.
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Der Johanneshymnus
Ut queant laxis ist der Anfang des lateinischen "Hymnus in Ioannem" von Paolo Diacono (ca 720 - 799) auf den Heiligen Johannes, mit dem Guido von Arezzo seinen Gesangsschülern das Memorieren der Töne lehren wollte. Das Lied erschien deshalb so passend, weil die sechs Verse nacheinander mit den sechs Tönen der Skala von c bis a anfangen. Aus den Anfangsbuchstaben der Zeilen wurden die Solmisationssilben Ut, Re, Mi, Fa, So, La. Die siebte Note, Si, die Note ohne Namen, wurde dann aus den Anfangsbuchstaben Sancte Iohannes (Heiliger Johannes) gebildet. Im 17. Jahrhundert ersetzte Otto Gibelius "ut "durch "do" und "si" (in Europa seit John Curwen häufig "ti") wurde für die 7. Stufe ergänzt:
- Ut queant laxis
- resonare fibris
- mira gestorum
- famuli tuorum
- solve polluti
- labii reatum
- Sancte Iohannes.
In einer alten deutschen Übersetzung werden die Töne der Skala auf G verwendet: Gib, dass mit lockerem Ansatz singen können, Hehr, was du tatest, Chöre deiner Schüler, Dass dich ohne Fehl Ehren unsere Lippen, Heiliger Johannes
Die Guidonische Hand
[[Bild:Doremi.png|thumb|die Silben der absoluten Solmisation neben den entsprechenden Tönen der C-Dur-]] Die mittelalterliche Musiktheorie kannte drei Hexachorde (durum, naturale, molle), die, über drei Oktaven verteilt, ineinandergreifen. Der Wechsel von einem Hexachord in den anderen wurde Mutation genannt. Entscheidend dafür war die Lage des Halbtons, der immer auf die Silben mi, fa fallen musste. Mit diesen Hexachorden konnte der Gregorianische Gesang, der sich auf der diatonischen Skala aufbaut, leicht auch den Schülern beigebracht werden, die die Tonarten nicht kannten.
Ausserdem entwickelte Guido ein Modell, auf dem die Ganz- und Halbtonschritte abzulesen waren, und der Wechsel von einer Tonart in die andere zu verstehen war. Um dieses Modell ständig parat zu haben, übertrug er es als Modell in die geöffnete linke Hand.
Solmisation heute
In späterer Zeit wurde überhaupt das Singen solcher oder ähnlicher Notenbezeichnungen als Solmisieren bezeichnet. Die einsetzende stärkere Verwendung chromatischer Tonstufen führte zu Erweiterungen dieses Grundschemas. Heute unterscheidet man zwischen absoluter und relativer Solmisation:
Absolute Solmisation
In der absoluten Methode, die vor allem in romanischen Ländern in gebrauch ist, werden die Tonsilben Do, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si als Äquivalent zu ces/c/cis, des/d/dis, es/e/eis, etc. verwendet. Die Tonfolge as - c - es wird also mit La - Do - Mi gesungen.
Relative Solmisation
Die von John Curwen entwickelte Tonika-Do-Methode, die von Zoltán Kodály aufgenommen wurde, verwendet die Tonsilben Do, Re, Mi, Fa, So, La, Ti für die erste, zweite, dritte und die weiteren Stufen der aktuellen Tonart. As - c - es wird also in As-Dur als Tonikadreiklang Do - Mi - So, aber in Des-Dur (Als Dominante) So - Ti - Re. Diese Methode hat den Vorteil, dass eine Melodie auch in verschiedenen Tonarten mit dem gleichen Text gesungen werden kann. Für Dur-Tonleitern sind auch die Tonsilben Ja, Le, Mi, Ni, Ro, Su, Wa, Ja in Gebrauch. Bei diesen Silben „erhöht“ sich der Vokal bei einem Ganztonschritt, bleibt bei einem Halbtonschritt aber derselbe.
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Kategorie:Musiktheorie
