Sowjetische Zwangsarbeitslager
Sowjetische Zwangsarbeitslager waren die von der Gulag (Hauptverwaltung der Sowjetischen Zwangsarbeitslager) betriebenen Arbeitslager in der Sowjetunion, in denen unter oft menschenunwürdigen Bedingungen Millionen von Menschen interniert waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Sie bestanden - über das ganze Land verteilt - von den 1920er bis zum Ende der 1950er-Jahre und bildeten ein Hauptinstrument der Verfolgung innerhalb der Zeit des Stalinismus.
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Dokumentation
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lagen die ersten Dokumentationen vor, in welchem Ausmaß in der Sowjetunion Zwangsarbeitslager eingerichtet waren. Die umfangreichste Dokumentation war die von David J. Dallin und Boris Nicolaevsky. Sie geben für die Sowjetunion in den Jahren 1945 bis 1947 125 Zwangsarbeitslager an, von denen etwa die Hälfte in den asiatischen Bereichen lagen. Dabei gab es fünf wichtigste Lagergruppen:
Lagersysteme
1. Das Lager des Dalstroi im fernen Osten, zu denen auch zahlreiche Goldgräberlager am Fluss Kolyma gehörten.
2. Eine Gruppe von Lagern in Ostsibirien nördlich und östlich des Baikalsees, wobei die Insassen mit dem Bau der neuen Baikal-Amur-Magistrale (Eisenbahnlinie; auch als Taischet-Kosomolsk-Eisenbahnlinie bezeichnet) und mit dem Bergbau beschäftigt waren. Die Zahl der dort Inhaftierten wurde auf 500 000 Menschen geschätzt.
3. Die Petschora-Lager mit 900 000 bis 1 Million Gefangenen. Dieses Lagersystem war mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Kotlas nach Workuta beauftragt. Nach Fertigstellung wurden die Gefangenen im Kohlen- und Bergbau sowie mit Ölbohrungen und Holzfällarbeiten beschäftigt.
4. Die Lager in und um Jagai im Gebiet von Archangelsk mit etwa 500 000 Männern und Frauen. Diese Lager hatten während des Krieges eine besondere Bedeutung, da ihre Gefangenen die Häfen am Weißen Meer sowie Flugplätze und Eisenbahnzweiglinien ausbauten.
Eine neue Stadt, Molotowsk, wurde bei diesen Arbeiten errichtet. Das Frauenlager von Jagai wurde wegen der dort besonders harten Bedingungen bekannt.
5. Die Lager von Karaganda mit etwa 150 000 Insassen, die im Kupfer-, Silber-, Eisen- und besonders im Kohlenbergbau beschäftigt waren. Diese Lager hatten zur Selbstversorgung eigene Landwirtschaftsbetriebe. Die Besonderheit dieser Lager resultierte aus der Tatsache, dass dort eine größere Gruppe von Frauen und Witwen von ehemaligen Kommunistenführern inhaftiert waren, die den Säuberungen der KPdSU Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zum Opfer fielen. Deshalb wurden diese Lager auch "Ehefrauenlager" genannt.
Bestand und Maßnahmen
Die Gesamtzahl der Zwangsarbeiter der sowjetischen Lager wurde in diesem Zeitraum auf 7 bis 12 Millionen geschätzt; das waren abzüglich der Frauen etwa 16 Prozent aller erwachsenen sowjetischen Männer. Selbst amtliche Erlasse der UdSSR sprachen von einem 'besonderen Bevölkerungsteil'.
So erließ der Leiter des NKWD, Berija, vor Ausbruch des Winters 1943/1944 den Befehl Nr. 40 "über die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit der Lagerbevölkerung (Lagernoje-Naselenje) und geeignete Vorkehrungen in den Lagern gegen das kalte Wetter".
Literatur
- Forced Labour in Soviet Russia, New Haven, 1947
- Forced Labour in the Soviet Union, Department of State Publication 4716, Washington, 1952
- Report of the Ad Hoc Committee of Forced Labour, Department of State, Washington, 1952 (Material of the de facto situation)
- J. Dallin, Das wirkliche Sowjetrußland, 2. Auflage, Hamburg, 1948
- Der Archipel Gulag, Alexander Solschenizyn
