Sozialistische Arbeiterpartei
Sozialistische Arbeiterpartei, abgekürzt SAP, war der Name zweier deutscher Parteien, die beide der Sozialdemokratie zuzuordnen sind sowie einer kommunistischen Partei in der Schweiz.
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Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (1875-1890)
Im Jahre 1875 entstand die SAP durch den Zusammenschluss der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) Bebels und Liebknechts mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der von Lassalle gegündet worden war. Der Vereinigungsparteitag der marxistischen "Eisenacher" mit gemäßigteren "Lassallanern" fand vom 22. bis zum 27. Juni 1875 in Gotha statt. Hier wurde auch das Gothaer Programm verabschiedet. Drei Jahre später wurde die Partei durch das Sozialistengesetz in den Untergrund gedrängt.
1877 erhielt die SAP bei den Reichstagswahlen knapp 500.000 Stimmen. 1890, noch vor der Aufhebung des Sozialistengesetzes, war sie mit gut 1,4 Millionen zur stärksten Partei in Deutschland geworden.
Unmittelbar nach dem Außerkrafttreten des Sozialistengesetzes im Herbst 1890 hat sich die SAP in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt.
Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (1931-1945)
Die Sozialistische Arbeiterpartei (SAPD) war eine linke Abspaltung der SPD im Herbst 1931, sie entstand, als einige Mitglieder der SPD-Reichstagsfraktion um Kurt Rosenfeld, Max Seydewitz und Anna Siemsen wegen des Bruches der Fraktionsdisziplin ausgeschlossen wurden. Der neugegründeten Partei schloss sich eine Minderheit des linken SPD-Flügels und des Jugendverbandes SAJ, ein Teil der KPO um Paul Fröhlich, Jakob Walcher, August Ziehle und Heinrich Galm, einige Gruppen aus der Versöhnler-Fraktion der KPD, die Rest-USPD um Theodor Liebknecht, der Sozialistische Bund von Paul Ledebour, die Arbeitsgemeinschaft für linkssozialistische Politik um Fritz Küster sowie bekannte unabhängige marxistische Intellektuelle wie Fritz Sternberg an.
Ein Durchbruch auf Wahlebene blieb der SAPD grösstenteils versagt (Landtagsmandate in Hessen und Stadt-/Gemeinderatssitze in ihren kommunalen Hochburgen (Offenbach, Geesthacht, Breslau, Dresden, Zwickau), auch gelang es ihr nicht, im zu einem Attraktionspol für parteilose Linke oder kritische SPD- und KPD-Mitglieder zu werden.
Die SAPD setzte sich vehement für eine Einheitsfront von SPD, KPD, Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen der ArbeiterInnenbewegung gegen den Faschismus ein; was auf grund der Ablehnung dieser Strategie durch die leitenden Bürokratien wenig erfolgreich war. Gemeinsam mit der KPO und dem Leninbund führte die SAPD eine Reihe von antifaschistischen Kundgebungen und Diskussionsveranstaltungen durch, auf welchen der Einheitsfrontgedanke propagiert wurde.
Anfang 1933 spitzten sich innerhalb der SAPD fraktionelle Auseinadersetzungen zu, als die Mehrheit des Vorstandes um Rosenfeld und Seydewitz eine Auflösung der Partei zugunsten von SPD und KPD propagierten, der linke Flügel widersetzte sich dem und führte, schon unter den Bedingungen der Illegalität einen Parteitag durch, auf welchem ein neuer Vorstand gewählt wurde. Hintergrund für diese Auseinandersetzung war die Unzufriedenheit einer Mehrheit der Mitglieder mit dem gemässigten - linkssozialdemokratischen und pazifistischen - Kurs der Parteiführung und ehemaligen Reichstagsabgeordneten, die SAPD-Linke (um die ehemaligen KPO-Mitglieder Fröhlich und Walcher, die Intellektuellen Sternberg und Klaus Zweiling und die Leitung des SJVD) strebte den Aufbau einer neuen revolutionären Partei und einer neuen kommunistischen Internationalen an. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die SAPD dem Londoner Büro, einem Zusammenschluss linkssozialistischer und unabhängiger kommunistischer Parteien wie der POUM, der britischen ILP und der niederländischen RSP und OSP angehörte und 1934 mit der Internationalen Kommunistischen Liga Leo Trotzkis Fusionsverhandlungen führte.
Die SAPD gab die Tageszeitung Sozialistische Arbeiter Zeitung, die Wochenzeitung Die Fackel, mehrere regionale Zeitungen wie das Kampfsignal (Berlin) heraus, das bisherige theoretische Organ der SPD-Linken, der Klassenkampf erschien nun unter HerausgeberInnenschaft der SAPD. Junge Mitglieder und SympathisantInnen der SAPD schlossen sich zum Sozialistischen Jugendverband (SJVD) zusammen, der ca. 15.000 Mitglieder (die SAPD ca. 25.000) zählte. Einen gewissen Einfluss entfaltete die SAPD auf die pazifistische Deutsche Friedensgesellschaft (DFG), zumal deren geschäftsführender Vorsitzender Fritz Küster auch dem SAPD-Vorstand angehörte und in verschiedenen Kulturorganisationen der ArbeiterInnenbewegung (Freidenker, Arbeitersportbewegung). In den Gewerkschaften blieb der Einfluss der SAPD eher mässig.
Ab 1933 arbeiteten ihre Mitglieder in der Illegalität gegen den Nationalsozialismus, dabei gelang es der SAPD in den Jahren bis 1936 relativ gut, ihre Strukturen vor der Gestapo zu verbergen. Über die Hälfte der Mitgliedschaft nahm am antifaschistischen widerstand Teil, ein sehr viel höherer Prozentsatz als bei den Massenparteien SPD und KPD. Viele SAPD-Mitglieder, v.a. die in der Öffentlichkeit bekannten, emigrierten, von den in Deutschland gebliebenen wurden viele in Zuchthäuser oder Konzentrationslager gesperrt, einige, wie Dr. Ernst Eckstein und Franz Bobzien ermordet. Im Exil beteiligte sich die SAPD an den Versuchen, eine deutsche Volksfront zu gründen, Mitglieder der Partei kämpften während des spanischen Bürgerkrieges in den Arbeitermilizen der POUM. Zur Unterstützung notleidender oder gefangener GenossInnen wurde eine Unterstützungskasse, der Ernst Eckstein-Fonds ins Leben gerufen.
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur schlossen sich die Mitglieder mehrheitlich der SPD an, einige auch der SED bzw. KPD. Versuche der Wiedergründung einer dezidiert linkssozialistischen Partei auf lokaler Ebene wie unter Heinrich Galm in Offenbach (Arbeiterpartei - AP) scheiterten. Einige ehemalige SAPD-Mitglieder wie Fritz Lamm spielten in der unabhängigen radikalen Linken der 1950er und 1960er Jahre eine wichtige Rolle.
In der Autobiographie von Willy Brandt (Mein Weg nach Berlin) heißt es dazu: "Im Herbst 1931 schlossen sich Nazis und Deutschnationale, SA und Stahlhelm in der "Harzburger Front" zusammen. ... Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kam es auch als Ergebnis organisatorisch-disziplinarischer Maßnahmen der Parteiführung, zur Abspaltung des linken Flügels der Sozialdemokratie. Einige wenige Reichstagsabgeordnete, eine Reihe aktiver Parteigruppen - vor allem in Sachsen -, nicht zuletzt aber ein großer Teil der sozialistischen Jugend folgte denen, die zur Gründung einer Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) aufriefen."
Willy Brandt trat in seiner Heimatstadt Lübeck gegen den Rat seines Mentors Julius Leber der SAP bei und spielte später im SJVD und in den skandinavischen Exilstrukturen der SAPD eine gewisse Rolle.
Bibliographie (1931-45)
- Bremer, Jörg: Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP). Untergrund und Exil 1933-1945, Frankfurt am Main-New York 1978.
- Drechsler, Hanno: Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik, Meisenheim am Glan 1965.
- Niemann, Heinz (Hrsg.): Auf verlorenem Posten? Zur Geschichte der Sozialistischen Arbeiterpartei. Zwei Beiträge zum Linkssozialismus in Deutschland, von Helmut Arndt und Heinz Niemann. Berlin 1991.
Sozialistische Arbeiterpartei der Schweiz
Die Sozialistische Arbeiterpartei der Schweiz (SAP) entstand 1980 auf Grund eines Namenswechsel der RML (Revolutionäre Marxistische Liga), die ihrerseits 1969 nach den Jugendunruhen von der Partei der Arbeit abspaltete. 1990 wurde die Partei aufgelöst.
