Armada

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Gemälde von Philippe-Jacques de Loutherbourg

Als Armada (spanisch: die Bewaffnete) bezeichnete man allgemein eine Streitmacht. Im späten 16. Jahrhundert wurde die Bezeichnung zum Eigennamen der spanischen Kriegsflotte, die von König Philipp II. gegen England eingesetzt wurde. Heutzutage wird die Bezeichnung Armada für eine große Seestreitmacht verwendet.

Die Armada segelte 1588 unter dem Herzog von Medina Sidonia zum Sturz Elisabeths I. gegen England. Ihr gegenüber stand die englische Flotte unter Charles Howard und den Vizeadmiralen Drake, Hawkins und Frobisher, bekannten Kaperkapitänen.

Spanische Armada
Konflikt Seeherrschaft
Datum 1588
Ort Ärmelkanal und südenglische Küste
Ausgang Englischer Sieg
Beteiligte
Spanien England
Kommandanten
Herzog von Medina Sidonia Charles Howard
Stärke
130 Schiffe 197 Schiffe
Verluste
64 Schiffe
15.000 Tote
6000-8000 Tote
Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Auseinandersetzung zwischen England und Spanien hatte mehrere Dimensionen und Ursachen.

Da war die wirtschaftliche Konkurrenz auf den Weltmeeren: Hier sind z.B. die Angriffe und der Schmuggel englischer Freibeuter wie Drake und Hawkins in der Karibik oder die Weltumseglung des Francis Drake (1577-80) zu nennen, was die Spanier in ihren Kolonien herausforderte und den lebenswichtigen Strom amerikanischen Silbers nach Spanien zum Stocken brachte. Ärgerlich für Philipp II. war dabei, dass die englische Königin Drake auch noch adelte, statt ihn auszuliefern.

Ein anderer Grund war die religiöse Komponente, die dem streng katholischen Philipp II. schwer am Herzen lag: Elisabeth unterstützte die Protestanten in Frankreich und den Niederlanden. So stand sie hinter Heinrich von Navarra, dem "König ohne Krone, der ohne Geld Krieg führt" und stützte ihn gegen die katholische Gegenpartei des Herzogs von Guise und Spaniens. In den Niederlanden unterstützte sie die Aufständischen (Geusen) bzw. Wilhelm von Oranien gegen die spanische Besatzung.

Auf spanischer Seite stand z. B. Don Juan de Austria, Philipps Halbbruder und Sieger von Lepanto. Der Held beabsichtigte, mit einem Truppenverband den Kanal zu überqueren, in England zu landen, Elisabeth zu enthronen und die Katholikin Maria Stuart zu heiraten. Aber Philipps vorläufiger Einspruch und der Tod setzten ihm 1578 ein Ziel. Weiterhin war Philipp II. von Spanien selbst mit Maria Tudor (die Blutige) verheiratet gewesen, auch wenn ihm als englischem König kaum Rechte zugestanden wurden. Danach ließ er Elisabeth Heiratsanträge machen, welche jedoch von ihr als "unschicklich" abgelehnt wurden.

Zusammengefasst verzeichnete Spaniens Politik also Herausforderungen, in ihren wirtschaftlichen Interessen, in ihrer von religiösen Erwägungen geprägten Aussenpolitik, sowie nicht zuletzt im persönlichen Bereich.

Vorbereitungen

Ausgangssituation und Spionage

Zugute kam den Spaniern bei diesem militärischen Vorhaben die Tatsache, dass die englische Küste größtenteils schwach gesichert war. Der englische König Heinrich VIII. hatte zwar während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Errichtung mehrerer Küstenfestungen veranlasst, doch waren diese bereits damals veraltet. Zudem vergrößerte sich die spanische Kriegsflotte durch die Eroberung und Angliederung Portugals im Jahre 1580.

Allerdings war die englische Spionage trotz großen Geldmangels nicht untätig. Walsinghams Standpunkt war hier, dass Elisabeth I. niemals ihres Lebens und Throns sicher sein konnte, solange die Katholiken mit Philipp II. an der Spitze Maria Stuart gegen sie einsetzen konnten. Seine Suche nach den Beweisen für ein Verfahren gegen die schottische Ex-Königin verlief parallel zu den ersten Informationen über die Bildung der Armada. Im Juli 1586 schrieb z.B. der englische Botschafter (und Doppelspion) E. Stafford aus Paris: "Die spanischen Kreise prahlen hier, dass das Reich ihrer Majestät innerhalb von drei Monaten angegriffen würde und eine große Armee sich bereits darauf vorbereite."

Anfang des Jahres 1587 schleuste Walsingham einen Spion bei dem damaligen spanischen Großadmiral Santa Cruz, dem Vorgänger von Medina Sidonia ein, der ihm weitere Details mitteilte. So beschäftige sich Santa Cruz mit dem Verlauf der Themse und ob sie für eine große Flotte befahrbar sei. Auch der weitere Umfang der spanischen Planungen ist überliefert: Ein Agent "B" sollte erforschen, welche Parteien (Puritaner, Protestanten usw.) es im englischen Regierungsrat gab, welche Führer sie hatten und ob sie einem Friedensvertrag mit Spanien zustimmen würden, ob die Engländer die bevorstehende Invasion eventuell bezweifeln würden und wo man sie konkret erwartete. Weiterhin ging es um die Verteidigungseinheiten, ihre Reserven, Befehlshaber, eventuell neugebaute Befestigungen und nicht zuletzt neuanzuwerbende Spione.

Erste Fehlschläge

Dazu trat jenes Mordkomplott gegen Elisabeth, welches das "Babington Plot" genannt wird. Auch wenn man beachtet, dass Walsingham die Vorbereitungen seiner Feinde durch sein Wohlverhalten gefördert hat, so war es doch Maria Stuart, die unterschrieben und die Gegenpartei, die es eingefädelt hat. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass die Ermordung Elisabeths der Invasion vorausgehen sollte. Aber - ein Kopf fällt und ein Hafen wird überfallen - die Engländer gingen ersteinmal in die Offensive: Maria Stuart wurde im Februar 1587 hingerichtet. Ein erfolgreicher Überfall Francis Drakes auf die spanische Hafenstadt Cádiz im April des gleichen Jahres verzögerte das Auslaufen der Armada um mehrere Monate. Die englische Flotte verbrannte dabei 37 vor Anker liegende Kriegsschiffe.

Die Armada

Die Armada läuft aus

Zu allem Überfluss starb auch noch der spanische Großadmiral Santa Cruz und ein Nachfolger musste gefunden werden. Im Februar 1588 ernannte der König den bereits erwähnten Herzog von Medina Sidonia, einen erfahrenen Logistiker, nur eben keinen Seemann, der sich auch nicht um das Amt gerissen hatte.

Schließlich lief die Armada Ende Mai 1588 mit 130 Schiffen aus Lissabon aus. Die Schiffe waren mit etwa 27.000 Soldaten bemannt und mit über 2600 Kanonen bestückt. Die Armada sollte in den Niederlanden eine spanische Invasionsarmee unter Alexander Farnese, dem Herzog von Parma an Bord nehmen und nach England übersetzen. Konkret lauteten Philipps Anweisungen an den Herzog von Medina Sidonia, datiert auf den 1. April 1588: "Wenn ihr meine Befehle erhaltet, werdet Ihr mit der ganzen Armada auslaufen und gerade nach dem englischen Kanal segeln, durch diesen werdet ihr weiter bis zum Kap Marget fahren, um dort dem Herzog von Parma, meinem Neffen, die Hand zu reichen und ihm den Weg für seine Überfahrt freizumachen und zu sichern..."

Die beiden Seekriegsstrategien

In der Straße von Dover kam es dann zur Seeschlacht zwischen Engländern und Spaniern.

Die Spanier hatten eine halbmondförmige Schlachtordnung, dazu große, schwerfällige Schiffe und waren hauptsächlich auf das Entern der gegnerischen Schiffe mit ihren an Bord befindlichen Soldaten fixiert. Zu ihrer Flotte zählten sogar noch Galeeren, wie sie im Mittelmeer verwendet wurden. Kurz, es war eine Seekriegsführung, wie sie im wesentlichen auch in der Seeschlacht von Lepanto 1571 umgesetzt worden war, nur dass der dort gebräuchliche Schiffstyp ein anderer war.

Die Engländer ließen es nicht auf den Enterkampf ankommen, denn sie hatten kleinere Schiffe (auch viele umgebaute Handelschiffe) und wesentlich weniger Soldaten an Bord. Dafür waren ihre Schiffe schneller. Sie hatten zudem wesentlich weiter tragende Kanonen als die Spanier, eine Weiterentwicklung der deutschen Feldschlange, schlank und von geringem Kaliber. Sie konnten spanische Schiffe so fast gefahrlos voneinander isolieren und aus der Distanz unter Beschuss nehmen. Allerdings trugen die Spanier so auch keinen schweren Schaden davon.

Der taktische Nachteil war den spanischen Seeleuten und zumindest einem Teil ihrer Führung durchaus bewusst: "Es ist allgemein bekannt, dass wir Gottes Sache vertreten. Wenn wir also auf die Engländer treffen, wird Gott die Dinge so lenken, dass wir in den Nahkampf gehen und entern können ... Doch wenn uns Gott nicht durch ein Wunder hilft, werden die Engländer, die schnellere und wendigere Schiffe als wir und mehr weittragende Geschütze haben und sich dieses Vorteils wohl bewußt sind, uns nie aufschließen lassen, sondern Abstand halten und uns mit ihren Geschützen zu Stücken schlagen, ohne dass wir sie in nennenswerter Weise beschädigen können. So segeln wir nach England in festem Vertrauen auf ein Wunder."

Die Armada in den Niederlanden

Trotzdem erreichte die Armada die Niederlande, wo allerdings die Koordination mit der Invasionsarmee Alexander Farneses, des Herzogs von Parma nicht klappte. Die beiden spanischen Befehlshaber wechselten Depeschen, aber der Herzog konnte seine Leute wegen der feindlichen Blockade noch nicht einschiffen lassen.

Als die Armada im Hafen von Calais ankerte, griff die englische Flotte mit Brandern (brennende, führerlose Schiffe) an. Die Spanier mussten den Hafen fluchtartig verlassen und kämpften in der anschließenden Seeschlacht von Gravelines ohne Schlachtordnung. Die Engländer konnten sich so zu mehreren auf je ein spanisches Schiff konzentrieren, versenkten aber dennoch weniger als eine Handvoll, hatten zudem nicht genug Munition. Etwa 2000 Spanier und einige hundert Engländer verloren in diesem Kampf ihr Leben. Im großen und ganzen war die Schlacht unentschieden, aber die Engländer hatten letztlich ihre Strategie durchgesetzt und der Herzog von Medina Sidonia verlor die Nerven.

Die Stürme und die Umseglung Englands

Beide Kontrahenten gerieten unmittelbar nach der Seeschlacht von Gravelines in einen Sturm. Durch die Schäden an den spanischen Schiffen und widrige Winde, die es der Armada nicht erlaubten, wieder in den Kanal zurückzusegeln, musste die Invasion schließlich abgebrochen werden.

Die Spanier bzw. ihr Großadmiral entschieden sich für eine Umseglung Englands und Schottlands und verloren in weiteren Stürmen den Großteil ihrer Flotte. Die Engländer brachen die Verfolgung am Firth of Forth ab. Etwa 3000 Spanier strandeten an der schottischen und vor allem irischen Küste. Viele wurden von den Engländern umgebracht, aber einige verschwanden unter der irischen Bevölkerung in den Dörfern. Rund 2/3 der spanischen Schiffe erreichten ihre Heimat, etwa 10 000 Spanier verloren insgesamt ihr Leben. Philipp II. kommentierte das wie folgt: "Ich habe meine Armada zum Kampf gegen die Engländer ausgesandt, nicht gegen Naturgewalten."

Die Engländer erlitten allerdings selbst schwere Verluste, denn in der englischen Flotte starben 6000-8000 Seeleute, aber hauptsächlich an Krankheiten wie Dysenterie und Flecktyphus.

Nachwirkungen oder: Der andauernde Krieg

Die Auswirkungen der spanischen Niederlage waren jedoch nicht so entscheidend wie es immer behauptet wird. Die Spanier waren in der Lage, die meisten ihrer hochseetauglichen Schiffe wieder in spanische Häfen zu bugsieren. 1589 versuchten die Engländer im Gegenzug die Spanier anzugreifen, was jedoch vollständig misslang. Der ursprüngliche englische Plan war es, die spanische Flotte in Santander und San Sebastián anzugreifen, sie griffen jedoch La Coruña an, wo sie mit schweren Verlusten wieder abziehen mussten. Auch waren sie nicht in der Lage, die spanische Silberflotte abzufangen. Ebenso misslang der Versuch, mit Hilfe der portugiesischen Aufständischen die Spanier aus Portugal zu vertreiben.

Die spanische Flottenrüstung ging unverändert weiter, und in den Jahren darauf war die spanische Flotte wesentlich stärker als noch vor der Niederlage. Die Spanier verdreifachten ihre Silberausfuhren aus den Überseekolonien und besiegten die Engänder auf See 1591, 1595, 1597. Besonders starben Drake und Hawkins 1595 am Fieber als sie versuchten, spanische Kolonien in Mittelamerika anzugreifen, während gleichzeitig die Spanier unter Don Carlos de Amesquita bei Penzance in Westengland landeten und englische Städte verwüsteten.

Resultate und Zusammenfassung

Die schwere Niederlage der Armada leitete entgegen der üblichen Auffassung nicht den Übergang der Vormacht zu See von Spanien auf England ein. Wie oben beschrieben war das hauptsächlich ein Resultat des spanischen Marinewiederaufbaus nach 1588. Das hatte zur Folge, dass die Engländer bis zur Herrschaft von Jakob I. warten mussten, um den Krieg gegen Spanien 1604 durch den Vertrag von London beenden und ihre erste Kolonie 1607 bei Jamestown gründen zu können.

Trotzdem setzte sie der ehrgeizigen Politik Philipps II. von Spanien ein Ziel und machte England zur führenden protestantischen Macht in Europa, die man nicht mehr beseitigen konnte. Sie illustriert in gewisser Art auch den Sieg des fortschrittlicheren Staates, denn wichtige Fehlentscheidungen der Spanier (die Wahl des Admirals und der Seekriegstaktik) hätten höchstwahrscheinlich vermieden werden können, wenn die spanische Bürokratie im Escorial nicht so wirklichkeitsfremd und die königlichen Befehle nicht so bindend gewesen wären.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts ging die Seemacht in den drei englisch-niederländischen Kriegen endgültig auf England über. Die Vormachtstellung Spaniens als stärkste Landmacht Europas wurde nach dem Ende des Pyrenäenkriegs im Jahre 1659 durch Frankreich beseitigt.

Weblinks

Literatur

See also: Armada, 1571, 1577, 1578, 1580, 1586, 1587, 1588, 1589, 1595