Spannungsrisskorrosion

Spannungsrisskorrosion ist die transkristalline oder interkristalline Rissbildung in Werkstoffen unter dem gleichzeitigen Einfluss einer rein statischen Zugspannung oder mit überlagerter niederfrequenter Zugschwellspannung und eines spezifischen Angriffsmittels. Auch Zugspannungen in Form von Eigenspannungen sind hier wirksam.

Inhaltsverzeichnis

Werkstoffe und Mechanismus

Bei der Spannungsrisskorrosion (SpRK) treten im allgemeinen keine sichtbaren Korrosionsprodukte auf. Die Trennung ist verformungsarm.

Gegen Spannungsrisskorrosion sind bestimmte Werkstoffgruppen empfindlich; zu diesen Werkstoffen gehören Kupfer-Zink-Legierungen (Messing), manche Aluminium-Knetlegierungen, rost- und säurebeständige Stähle (teilweise) und martensitaushärtbare Stähle. Auch hochfeste Stähle (z. B. für Spannbeton) können unter bestimmten Umständen anfällig gegen wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion sein, un- und niedriglegierte Stähle gegen Spannungsrisskorrosion durch Nitrate.

Für das Auftreten von Spannungsrisskorrosion müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

Als spezifische Angriffsmittel wirken bei rost- und säurebeständigen austenitischen Stählen Chloride, bei Kupfer-Zink-Legierungen sind es Ammoniak, Amine, Ammoniumsalze, Schwefeldioxid, Stickoxide, Nitrit, Nitrat, Quecksilbersalze etc., bei Aluminium ebenfalls Chloride (Meerwasser).

Diese Angriffsmittel wirken schon in sehr geringen Konzentrationen, teils im ppm-Bereich.

Die Rissinitiierungszeit und die Rissfortschrittsgeschwindigkeit hängen von der Höhe der Zugspannungen, der Konzentration des Angriffsmittels und dem Grad der Kaltverfestigung ab. Als Schwellwert wird bei Messing die sehr niedrige Zugspannung von 10 MPa angegeben [3].

Die Zeit bis zum vollständigen Durchreißen des Bauteils, also bis zum Versagen, kann zwischen Minuten und mehreren Jahren liegen [1].

Durch Spannungsrisskorrosion hat es einige spektakuläre Unfälle gegeben:

Abhilfe

Um Spannungsrisskorrosion zu vermeiden, muss mindestens eine der drei Bedingungen vermieden werden. Man kann also entweder das Angriffsmittel fernhalten, die Zugspannungen vermeiden oder einen unempfindlichen Werkstoff wählen.

Das Fernhalten des Angriffsmittels ist oft nicht möglich. Bei Kupfer-Zink-Legierungen genügt oft schon die allgemeine Luftverschmutzung [1], ein Bauernhof in der Nähe (Ammoniak aus dem Misthaufen!) oder die Aufbewahrung eines ammoniakhaltigen Haushaltsreinigers in der Nähe des Bauteils. Auch im Fall "Hallenbad Uster" war die Chloridbelastung kaum zu vermeiden. Auch die Zugspannungen können oft nicht vermieden werden, wie die Aufhängung der Hallenbaddecke zeigt. Oft bleibt nur die Wahl eines Werkstoffs, der nicht gegen Spannungsrisskorrosion empfindlich ist.

Literatur

Weblinks

Normen

See also: Spannungsrisskorrosion, 1980, 1985, 21. Mai, 9. Mai, Aluminium, Amin, Ammoniak, Austenit, Chlorid