Spiegelsaal
thumb|Schloss Herrenchiemsee - Spiegelsaal Als Spiegelsaal oder Spiegelkabinett wird ein Raum in Schlössern bezeichnet, dessen primäre Dekoration aus der geschickten Anordnung von Spiegeln besteht. Diese Spiegel sollen den Raum optisch größer wirken lassen und das vorhandene Tageslicht zur perfekten Ausleuchtung der Raumes nutzen.
Der berühmteste Spiegelsaal ist der große Spiegelsaal im Schloss von Versailles, Paris, in dem 1871 das Deutsche Reich ausgerufen und der Deutsche Kaiser gekrönt wurde sowie 1919 mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages das Ende des Ersten Weltkriegs besiegelt wurde.
Der große Spiegelsaal von Herrenchiemsee hat, mit seinen beiden Eckräumen, dem Friedenssaal und dem Kriegssaal, eine Länge von 98 Metern und belegt damit die gesamte Westseite des Schlosses. Er ist damit der größte Raum eines Schlosses in Deutschland. Den 17 großen Spiegeln stehen 17 Rundbogenfenster gegenüber. Durch diese Anordnung wird das Sonnenlicht im gesamten Spiegelsaal reflektiert und bricht sich in den Kristallelementen der 33 Deckenlüster und 44 Standkandelaber. Die Dekoration des Saales besteht neben den Spiegeln, Lüstern und Kandelabern aus vergoldeten Gips- und Holzelementen sowie aus Marmorbüsten römischer Kaiser, Statuen römischer Götter und Sitzgruppen mit blauer Samtbespannung, die die französische fleur de lys in Gold tragen. Die Deckengemälde sind, abgesehen von einigen Besonderheiten, Kopien der Gemälde aus der Spiegelgalerie von Versailles. Sie zeigen die wichtigsten Kriegszüge von König Ludwig XIV. von Frankreich. Ein Besonderheit der Deckengemälde im Gegensatz zu Versailles besteht im sogenannten bayerischen Barock. Das ist eine in Bayern übliche Technik, die Figuren der Gemälde mit Hilfe von Skulpturen plastisch aus dem Gemälde heraus treten lässt.
Bis zum Jahre 1982 wurden die 1848 Kerzen des Saales regelmäßig zum Anlaß von Konzerten oder für die sogenannte Schlossbeleuchtung entzündet. Um die Gemälde zu schützen und aus Brandschutzgründen wird heute darauf verzichtet. In der heutigen Zeit wird der Spiegelsaal, neben Führungen, vor allem für Konzerte oder Staatsempfänge benutzt.
Der Spiegelsaal ist der letzte Raum, der im Verlaufe einer Führung durch Herrenchiemsee im Rahmen der sogenannten Staatsräume gezeigt wird. Von dort aus betritt der Besucher die Privaträume von Ludwig II. von Bayern.
