Spiegelstrafe

Das Prinzip der Spiegelstrafe ist ein uraltes Instrument der Strafgerichtsbarkeit, das kulturunabhängig nahezu in jeder Volksgruppe vorzufinden ist. Selbst in der Bibel wurde bereits das Prinzip der Spiegelstrafe erwähnt "Gleiches soll mit Gleichem vergolten werden", an dem sich auch das israelitische Recht zu orientieren hatte. Dabei geht es darum, denjenigen der eine Straftat begangen hat, durch eine ähnliche Tat zu bestrafen, im Sinne von "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (2. Mose 21, 24). Das Prinzip der Spiegelstrafe wird auch im berühmten Codex Hammurabi, einem der ältesten Gesetzesentwürfe der Welt, um etwa 1700 v. Chr. explizit beschrieben.

In der Antike oder im Mittelalter wurde daher Dieben beispielsweise die Hand abgeschlagen, mit der gestohlen wurde. Tätern, die einen Meineid schworen, wurde entweder die Zunge abgeschnitten oder die Schwurfinger abgeschlagen, und Vergewaltiger von Jungfrauen wurden entmannt.

In vielen Ländern ist heute das Prinzip der Spiegelstrafe abgeschafft worden, aber in einigen arabischen Ländern wird es nach wie vor angewendet.

Beispielhafte Auszüge aus dem Codex Hammurabi (CH)

CH 1: Wenn ein Bürger einen Bürger bezichtigt und Mord(-schuld) auf ihn geworfen hat, (es) ihm aber nicht beweist, so wird, der ihn bezichtigt hat, getötet.
CH 192: Wenn ein Mann einem Manne einen Zahn ausgeschlagen hat, wird sein Zahn ausgeschlagen.
CH 230: Wenn ein Baumeister ein Haus nachlässig errichtet hatte, es eingestürzt war und beim Einsturz den Sohn des Hauseigentümers erschlagen hat, wird der Sohn des Baumeisters getötet.

See also: Spiegelstrafe, 1700 v. Chr., Antike, Arabien, Bibel, Codex Hammurabi, Israeliten, Jungfrau, Meineid, Mittelalter