Spielkarte

Spielkarten sind bedruckte rechteckige Kartonstücke in handlichem Format, oft etwa 6×10 cm, die auf der Vorderseite mit Bildern, Wertangaben und Symbolen bedruckt sind und auf der Rückseite ein einheitliches Motiv aufweisen, so dass der Wert der umgedrehten Karte nicht erkennbar ist. Das Motiv der Vorderseite ist häufig punktsymmetrisch, damit die Karten im Spiel einfacher lesbar sind.

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UNO-Spielkarten mit leicht verständlichen Symbolen (Vorderseite;rechts unten :Rückseite)
Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die frühesten Spielkarten sind in Korea und China des 12. Jahrhunderts nachweisbar. In Indien sind sie ab dem 16. Jahrhundert bezeugt. In Europa werden sie erstmals in der Chronik des Sandro di Pipozzo von Venedig erwähnt. Der Bischof von Würzburg verbot im Jahre 1329 allen Klerikern seiner Diözese das Spiel mit Spielkarten und ertsmals belegt ist ein vollständiges Verbot des Gebetbuch des Teufels, wie das Kartenspielset genannt wurde aus der Stadt Bern von 1367.

Die Produktion von Spielkarten ist wahrscheinlich der Beginn der Entwicklung des Holzschnittes. Nachweislich wurde in Italien bereits in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts mit Karten gespielt, die zu jener Zeit handbemalt waren. Das so genannte "Ambräser Hofämterspiel", das um 1450 entstand, ist das älteste, gedruckte und nachträglich kolorierte Kartenspiel, das bis heute erhalten geblieben ist. Aufgrund seiner Symbolik geht man davon aus, dass es aus dem Höfischen Umfeld entstanden ist. Kartenmacher-Innungen sind aus dieser Zeit im deutschsprachigen Raum aus Nürnberg, Augsburg, Ulm und Straßburg bekannt.

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Italienisches und Spanisches Kartendeck

Heute übliche Spielkarten dürften sich von Tarot-Karten ableiten, wobei das Blatt auf die Zahlkarten und Hofkarten reduziert ist. In diesem System hat jede Karte einen Zahlenwert und eine von 4 Farben. Somit ergeben sich im vollstängen Blatt die Zahlenwerte 1 (= As), 2, ..., 10 und den drei Hofkarten 13 Karten pro Farbe, also insgesamt 52 Karten pro Spielsatz, auch Blatt genannt. Der Name "As" leitet sich vermutlich von sumerisch as = eins her.

Im 20. Jahrhundert wurden hauptsächlich in Altenburg und Stralsund, und nach dem 2. Weltkrieg in Unteraichen bei Böblingen Spielkarten hergestellt. Das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen hat eine umfangreiche Sammlung historischer Spielkarten. Diese Sammlung wurde von der ehemals dort ansässigen traditionellen Spielkartenfabrik ASS erworben.

Eine weitere umfangreiche Sammlung befindet sich im Schloß- und Spielkartenmuseum in Altenburg.

Kartenblätter

In Deutschland und Österreich sind zwei verschiedene Typen in Gebrauch, das deutsche und das französische Blatt; in Österreich kommt dazu noch das Tarockblatt.

Französisches Blatt

Es hat die Farbwerte

Kreuz
Treff
Pik Herz Karo
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Bild:Pik1.gif
Bild:Herz1.gif
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Die Kartenwerte reichen von Eins (Ass) bis zehn und setzen sich dann mit den Hofkarten Bube/Page, Dame und König fort. Das ergibt insgesamt 52 Blatt. Für manche Spiele (Rommé, Canasta) werden diese noch durch ein bis drei Joker ergänzt.

Französisches Blatt mit deutschen Farben

Das französische Blatt mit deutschen Farben ist das offizielle Turnierblatt der Internationalen Skatordnung für Skat. Es handelt sich hierbei um ein Blatt, das die französische Symbolik verwendet. Die Symbole sind jedoch nicht, wie üblich Schwarz und Rot sondern Schwarz, Grün, Rot und Gelb.

Kreuz Pik Herz Karo
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Deutsches Blatt

Das deutsche Blatt kennt die Farben Eichel, Gras (Grün, Laub), Herz und Schellen. In den meisten heute gebräuchlichen Varianten reichen die Kartenwerte von 7 bis 10 sowie Unter, Ober, König und Sau (aufgrund des Schweines auf den Karten; auch Daus von lat. duo, irrtümlicherweise auch als Ass (frz.) bezeichnet). In manchen Spielen kommt dazu der "Weli" als Joker. Der Ober leitet sich vermutlich vom Ritter des Tarot-Blattes ab.

Das deutsche Blatt zerfällt in viele regionale Ausführungen, die sich in unterschiedlichen Details der Farbsymbole und speziell in den Zeichnungen der Hofkarten und des As unterscheiden. Es gibt z.B. altdeutsches, schweizerdeutsches, bayrisches, fränkisches oder badisches Blatt.

Das Schweizer Nationalspiel Jass bedient sich östlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie einer Variante der deutschen Karten mit 36 Karten, die schweizerdeutschen Karten. Sie bestehen aus den Farben Eichel, Schilde, Schelle und Rose. Die Werte sind Sechser bis Neuner, Banner, Under, Ober, König und As.

Viele populäre Kartenspiele verwenden ein weiter reduziertes Blatt, wobei die kleinen Zahlenkarten (im Jargon der Kartenspieler Luschen, Schwanzal oder Spatzen genannt) entfallen. Im Extremfall verbleiben damit beim kurzen Schafkopf nur noch die Kartenwerte 9, 10, Unter, Ober, König und As, beim sehr kurzen entfallen auch noch die Neuner, ähnlich wie beim Schnapsen, das Blatt reduziert sich damit auf 20 Karten. Auch die Reihenfolge in der Wertigkeit der Karten kann sehr verschieden sein. Andere Spiele verdoppeln ein evtl. reduziertes Blatt.

Die Farbzuordnung zwischen Deutschem und Französischem Blatt erfolgt meist in folgender Form:

Eichel Gras
Grün
Herz
Rot
Schellen
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Tarockblatt

Das heute gebräuchliche Tarockblatt kennt dieselben Farben wie das Französische Blatt: Herz, Karo, Pik und Kreuz. Als Kartenwerte werden verwendet: 7 bis 10, Bube/Page, Ritter/Reiter, Dame, König. In manchen Varianten werden bei den roten Farben Herz und Karo als Zahlenkarten auch die Werte 4, 3, 2 und 1 verwendet. Dazu kommen die "Tarock", das sind Bildkarten mit fortlaufender Nummerierung von I bis XXI und der Sküs(s). Insgesamt ergibt das ein Blatt von 54 Karten. Bei den meisten Spielvarianten haben diese Tarock-Karten die Funktion der Trumpffarbe; der Sküs(s) übersticht auch alle anderen Tarock.

Auch beim Tarockblatt gibt es viele regionale Ausführungen, die sich in der Gestaltung der Hofkarten und den Abbildungen auf den Tarockkarten unterscheiden.

Andere Spielkarten

Neben den hier beschriebenen klassischen Spielkarten gibt es zahlreiche Kinder-Spielkarten, mit besonderen Motiven wie Autos, Motorrädern oder Flugzeugen, Frage/Antwort-Spiele oder Karten, die als Ereignis- und Wertkarte Bestandteil eines komplexeren Brett- oder Kartenspiels sind. Weiterhin existieren Kartenspiele wie beispielsweise das weit verbreitete UNO, die zwar an "herkömmliche" Kartenspiele wie Mau-Mau angelehnt sind, jedoch mit speziellen Karten gespielt werden.

Spielkartensteuer

In verschiedenen Ländern wurden Spielkarten schon bald nach der Einführung steuerpflichtig und wurden daher von dem Landesherrn, der die Steuer einzog, bzw. seinen Beauftragten gestempelt. In Frankreich beispielsweise wurde diese Steuer seit 1583 erhoben. Der Spielkartenhersteller druckte auf einer festgelegten Karte auf die Vorderseite einen kleinen weißen Kreis, auf der dann der Steuerbeamte seinen Stempel setzte. Danach durften die Karten verkauft werden. Die Steuer war ein wesentlicher Anteil des Verkaufspreises. In Deutschland wurde die Spielkartensteuer erst zum 1. Januar 1981 wegen des geringen Ertrages abgeschafft.

Siehe auch

Weblink

See also: Spielkarte, 1. Januar, 1450, 1583, 1981, ASS, Altenburg, Augsburg, Bern, Brünig-Napf-Reuss-Linie