Sprachgesellschaft
Der Begriff Sprachgesellschaften wurde erst im frühen 19. Jahrhundert geprägt und spiegelt einen Teil der Bestrebungen der im 17. Jahrhundert entstandenen deutschen Gesellschaften wider, nämlich den der "Spracharbeit".
Darunter ist keineswegs ausschließlich das zu Beginn des 17. Jahrhunderts deutlich hervortretende Bemühen um die Reinheit der mit Fremdwörtern vielerlei Herkunft durchsetzten deutschen Sprache zu verstehen, wenn auch der Purismus in Programm und Praxis der Gesellschaften eine nicht geringe Rolle spielte. "Spracharbeit" bedeutete vor allem die in gemeinsamer Anstrengung realisierbare Erforschung und Förderung der eigenen Sprache und Literatur mit dem Ziel, sie innerhalb der europäischen Literatur zur Geltung zu bringen und neu zu beleben. Dazu dienten Übersetzungen wichtiger fremdsprachiger Werke ins Deutsche ebenso wie eine grundsätzliche Besinnung auf Fragen des Wortschatzes, der Grammatik oder der Poetik. In meist brieflichem Gedankenaustausch gab man sich Anregungen und Hinweise, übte Kritik, erwog gemeinsame literarische und wissenschaftliche Unternehmungen und verständigte sich etwa auch über Verlags- und Druckkostenfragen. Das Resultat solcher Bemühungen liegt vor in Form von Poetiken, Grammatiken, Übersetzungen sowie dem ersten deutschen Wörterbuch. Gegründet wurden diese Gesellschaften von Männern aus dem Kreise des Adels und der Gelehrten.
Einfluss und Wirkung
Die Sprachgesellschaften fanden zu ihrer Zeit und später eine zwiespältige Aufnahme:
Man anerkannte die Pflege der Reinheit der Sprache im Reden und Schreiben (also Freiheit von Fremdwörtern, Mundartausdrücken und grammatischen Fehlern) wie auch in Reimen (also der Dichtkunst).
Auf der anderen Seite erschien, wie schon bei den Meistersingern, die Dichtung als etwas Lehr- und Lernbares (normative Poetik), diesmal aber noch verstärkt dadurch, dass man die Poesie nach fremden Vorbildern glaubte erlernen zu können, nämlich nach antiken, aber auch nach französischen, italienischen und niederländischen.
Zudem übertrieb man gelegentlich die Ausmerzung und Verdeutschung von Fremdwörtern und wurde dafür von Kritikern wie z.B. Grimmelshausen mit beißendem Spott überzogen. Vorgeschlagen wurden so z.B. Tageleuchter für Fenster, Zitterweh für Fieber, Löschhorn oder Gesichtserker für Nase, Reitpuffer für Pistole. Andere Eindeutschungen setzten sich jedoch auch erfolgreich durch, wie z.B. Tagebuch für Diarium, Nachwort für Epilog, Augenblick für Moment, Jahrhundert für Säculum, Schaubühne für Theater oder Letzter Wille für Testament.
Die kulturpatriotischen, nicht selten ans Chauvinistische grenzenden Bestrebungen der Sprachgesellschaften fanden immer dann besonderen Anklang, wenn die Germanistik als eine "deutsche Wissenschaft" selbst sich ähnlichen Zielen zu verschreiben bereit war. So galten die Sprachgesellschaften etwa lange Zeit als hehre Ahnen des 1885 gegründeten Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, der sich in seinem Kampf gegen "Verwelschung und Ausländerei" dankbar auf sie berief.
Die bekanntesten deutschen Sprachgesellschaften waren: Die Fruchtbringende Gesellschaft, gegründet 1617, die Deutschgesinnte Genossenschaft, gegründet 1643 durch Philipp von Zesen und der Elbschwanenorden, gegründet 1660 von Johann Rist.
