Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD

Die Einsatzgruppen waren ein Bestandteil der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD) der Schutzstaffel (SS) im Dritten Reich.

Die Einsatzgruppen dienten Adolf Hitler als Handlanger seiner Ausrottungspolitik im Osten. Schon im Polenfeldzug, der am 1. September 1939 den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert hatte, folgten die Einsatzgruppen der Wehrmacht nach Polen, wo sie vor allem den Auftrag hatten, die polnische Intelligenz zu vernichten.

Am 23. Juni 1941, ein Tag, nachdem das Unternehmen Barbarossa, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion, angelaufen war, folgten die Einsatzgruppen der Wehrmacht nach Russland. Ihr Auftrag lautete:

"Die Beseitigung der jüdisch-bolschewistischen Intelligenz, die Vernichtung von Bolschewistenhäuptlingen und Kommissaren, sowie aller Juden, die die Sicherheit der kämpfenden Truppe gefährden."

Auf diesen Befehl waren die Einsatzgruppenführer und die ihnen untergebenen Einsatzkommandoführer von Reinhard Heydrich im März oder April 1941 in einer Besprechung in Pretzsch an der Elbe eingeschworen worden.

Die Kommandos legten diesen Befehl zumeist so aus, dass sie die gesamte jüdische Bevölkerung, einschließlich Kindern, Frauen und Greise ganzer Gemeinden, in Massen erschossen. Erleichtert wurden ihre Verbrechen dadurch, dass die Wehrmacht anfangs von Teilen der nichtrussischen, nichtjüdischen Bevölkerung als Befreier begrüßt wurden.

Die Einsatzgruppen versuchten, sich gegenseitig mit ihren Liquidationen zu übertrumpfen und meldeten immer neue und höhere Zahlen an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Ereignismeldungen UdSSR

Die mit Abstand bedeutendste historische Quelle über die Einsatzgruppen in der Sowjetunion sind die ihre Einzelberichte zusammenfassenden Ereignismeldungen UdSSR mit dem Briefkopf des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich. Für den Zeitraum vom 23. Juni 1941 bis zum 24. April 1942 erschienen insgesamt 195 Ereignismeldungen, von denen 194 erhalten sind, welche insgesamt über 2.900 Schreibmaschinenseiten umfassen. Sie können im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde im Bestand R 58/214 bis 221 eingesehen werden. Die Authentizität der Originale ist unbestritten und von zahlreichen Beschuldigten und deren Verteidigern in Strafprozessen vor bundesdeutschen Gerichten nicht angezweifelt worden.

Die Ereignismeldungen umfassen, entsprechend den Aufgliederungen der Einsatzgruppen und -kommandos, inhaltlich den gesamten Tätigkeitsbereich der jeweiligen Abteilungen Gestapo, Kriminalpolizei und SD. Die Meldungen über den Massenmord an den sowjetischen Juden nehmen infolgedessen nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Berichterstattung ein.

Aus dem überaus reichlichen Material werden hier zur Illustration einige Abschnitte aus den Ereignismeldungen zitiert, die die exekutive Tätigkeit des Sonderkommandos 4a betreffen, das von allen Kommandos der Einsatzgruppe C die mit Abstand höchste Exekutionsrate aufzuweisen hatte.


Ereignismeldung UdSSR Nr. 97 vom 28. September 1941 über den Einmarsch des Sonderkommando 4a in Kiew:

Bei den ersten Aktionen 1.600 Festnahmen. Angeblich 150.000 Juden vorhanden. Maßnahmen eingeleitet zur Erfassung des gesamten Judentums. Exekution von mindestens 50.000 Juden vorgesehen. Wehrmacht begrüßt Maßnahmen und erbittet radikales Vorgehen. Stadtkommandant (Anm.: Generalmajor Kurt Eberhard) öffentliche Hinrichtung von 20 Juden befürwortet.


Ereignismeldung UdSSR Nr. 101 vom 2. Oktober 1941:

Das Sonderkommando 4a hat in Zusammenarbeit mit Gruppenstab und zwei Kommandos des Polizei-Regiments Süd am 29. und 30. September 1941 in Kiew 33.771 Juden exekutiert.


Ereignismeldung UdSSR Nr. 111 vom 12. Oktober 1941, Abschnitt des Gruppenstabs der Einsatzgruppe C:

Den von den Kommandos durchgeführten Exekutionen liegen folgende Motive zugrunde: Politische Funktionäre, Plünderer und Saboteure, aktive Kommunisten und politische Ideenträger, Juden die unter falschen Angaben die Entlassung aus dem Gefangenenlager erschlichen haben, Agenten und Zuträger des NKWD, Personen, die durch Falschaussagen und Zeugenbeeinflussung maßgeblich an der Verschickung von Volksdeutschen beteiligt waren, jüdischer Sadismus und Rachgier, unerwünschte Elemente, Asoziale, Partisanen, Politruks (Anm.: politische Kommissare), Pest– und Seuchengefahr, Angehörige russ. Banden, Freischärler, Versorgung russ. Banden mit Lebensmitteln, Aufrührer und Hetzer, verwahrloste Jugendliche, Juden allgemein.


Ereignismeldung UdSSR Nr. 128 vom 3. November 1941 der Einsatzgruppe C:

Was die eigentliche Exekutive anbelangt, so sind von den Kommandos der Einsatzgruppe bisher etwa 80.000 Personen liquidiert worden. Darunter befinden sich etwa 8.000 Personen, denen aufgrund von Ermittlungen eine deutsch-feindliche oder bolschewistische Tätigkeit nachgewiesen werden konnte. Der verbleibende Rest ist aufgrund von Vergeltungsmaßnahmen erledigt worden. Mehrere Vergeltungsmaßnahmen wurden im Rahmen von Großaktionen durchgeführt. Die größte dieser Aktionen fand unmittelbar nach der Einnahme Kiews statt; es wurden hierzu ausschließlich Juden mit ihrer gesamten Familie verwandt. Die sich bei der Durchführung einer solchen Großaktion ergebenden Schwierigkeiten – vor allem hinsichtlich der Erfassung – wurden in Kiew dadurch überwunden, daß durch Maueranschlag die jüdische Bevölkerung zur Umsiedlung aufgefordert worden war. Obwohl man zunächst nur mit einer Beteiligung von etwa 5.000 bis 6.000 Juden gerechnet hatte, fanden sich über 30.000 Juden ein, die infolge einer überaus geschickten Organisation bis unmittelbar vor der Exekution noch an ihre Umsiedlung glaubten. Wenn auch bis jetzt auf diese Weise insgesamt etwa 75.000 Juden liquidiert worden sind, so besteht doch schon heute Klarheit darüber, daß damit eine Lösung des Judenproblems nicht möglich sein wird. Es ist zwar gelungen, vor allem in kleineren Städten und auch in Dörfern eine restlose Bereinigung des Judenproblems herbeizuführen; in größeren Städten dagegen wird immer die Beobachtung gemacht, daß nach einer solchen Exekution zwar sämtliche Juden verschwunden sind, kehrt aber alsdann nach einer bestimmten Frist ein Kommando nochmals zurück, so wird immer wieder eine Anzahl Juden festgestellt, die ganz erheblich die Zahl der exekutierten Juden übersteigt.


Ereignismeldung UdSSR Nr. 132 vom 12. November 1941:

Die Zahl der durch das Sonderkommando 4a durchgeführten Exekutionen hat sich inzwischen auf 55.432 erhöht. In der Summe der in der zweiten Hälfte des Monats Oktober 1941 bis zum Berichtstage durch das Sonderkommando 4a Exekutierten sind wiederum neben einer relativ geringen Anzahl von politischen Funktionären, aktiven Kommunisten, Saboteuren usw. in erster Linie Juden, und hier wieder ein großer Teil von durch die Wehrmacht überstellten jüdischen Kriegsgefangenen enthalten. In Borispol wurden auf Anforderung des Kommandanten des dortigen Kriegsgefangenenlagers durch einen Zug des Sonderkommandos 4a am 14. Oktober 1941 752 und am 18. Oktober 1941 357 jüdische Kriegsgefangene, darunter einige Kommissare und 78 vom Lagerarzt übergebene jüdische Verwundete erschossen. Gleichzeitig exekutierte derselbe Zug 24 Partisanen und Kommunisten, die vom Ortskommandanten in Borispol festgenommen worden waren. Hierzu ist zu bemerken, daß die reibungslose Durchführung der Aktion in Borispol nicht zuletzt auf die tatkräftige Unterstützung durch die dortigen Wehrmachtsdienststellen zurückzuführen war. (...) Im Bereich des Sonderkommandos 4b wurde seitens der Wehrmacht der sicherheitspolizeilichen Tätigkeit des Sonderkommandos überall volles Verständnis entgegengebracht.

Man kann sich kaum vorstellen, welch namenloses Grauen und Entsetzen sich hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt. Nach vorsichtigen Schätzungen beträgt die Gesamtzahl der Opfer 560.000.

Aufstellung der Einsatzgruppen

Einsatzgruppenführer

Einsatz-/Sonderkommandoführer

(Im Mai 1943 bestanden noch die EK 10a, 11b und 12) (Quelle: Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen, Ludwigsburg)

Beispiel der Personalstärke einer Einsatzgruppe (hier EG A):
 Waffen SS:           340
 Kradfahrer:          172
 Verwaltung:           18
 Sicherheitsdienst:    35
 Kripo:                41
 Staatspolizei:        89
 Hilfspolizei:         87
 Ordnungspolizei:     133
 Weibl. Beschäftigte:  13
 Dolmetscher:          51
 Fernschreibkräfte:     3
 Funker:                8
 Insgesamt:           990
 

Die Einsatzgruppe A war die größte und Einsatzgruppe D die kleinste der EG. Siehe auch: SS-Dienstränge. Bei Bedarf wurden die Kommandos durch Personal der Wehrmacht, Ordnungspolizei und Waffen-SS verstärkt.

Verwandte Themen

Literatur

Weblinks

See also: Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, 1. September, 1939, 1941, 1942, 23. Juni, 23. März, Adolf Hitler, Adolf Ott (SS), Arthur Nebe