SS-Totenkopf-Verbände
Die SS-Totenkopf-Verbände (SSTV) waren ein Teil der SS. Ihre Hauptaufgabe lag in der Bewachung und Verwaltung der Konzentrationslager. Die SS-Totenkopf-Verbände waren in der Zeit des Nationalsozialismus eine der zentralen Exekutivinstitutionen zur Unterdrückung Andersdenkender und aus ideologischen Gründen „unerwünschter“ Personen. Ihr Erkennungsmerkmal war seit 1935/36 der Totenkopf am rechten Kragenspiegel, mit dem Theodor Eicke beabsichtigte, die Totenkopf-Verbände gegenüber den anderen SS-Verbänden als Spezialeinheit hervorzuheben.
Vorgeschichte
Die Totenkopf-Verbände entstanden Anfang 1935 aus den „Politischen Bereitschaften“ und wurden dort zu SS-Wachverbänden und später zun SS-Totenkochwachsturmbannen zusammengefasst. Sie waren als kasernierte Einheiten von Anfang an bewaffnet und unterstanden dem damaligen SS-Gruppenführer Theodor Eicke. Der erste SS-Wachverband wurde Anfang 1933 im KZ Dachau durch den damaligen SS-Sturmführer Hilmar Wäckerle gegründet, der dieses Lager bis 1934 führte. Wäckerle war 1929 auch Gründer und erster Kommandant der SS-Standarte „Dachau“, wo er 1930 durch Theodor Eicke abgelöst wurde.
Im Gegensatz zu den anderen bewaffneten Verbänden der SS waren die Totenkopf-Verbände anfangs keine kämpfende Truppe, sondern sie waren überwiegend für „Polizei-Dienste“ vorgesehen.
Am 30. Juni 1934 wirkten die Totenkopf-Verbände aktiv bei der Ermordung der gesamten SA-Spitze Ernst Röhms mit. Eicke selbst erschoss Röhm in seiner Stadelheimer Zelle und wurde zur Belohnung zum „Inspekteur des Konzentrationslagerwesen“ ernannt. Damit war er formal oberster „Dienstherr“ aller „SS-Wachverbände“ und nur noch dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt.
Mit der späteren Waffen-SS hatten sie die Abstammung aus den Politischen Bereitschaften gemeinsam, aber sie unterschieden sich vor allem durch ihre Aufgabenfelder von ihr.
1935 wurde im Reich die Allgemeine Wehrpflicht wiedereingeführt. Dabei wurde der Dienst in der SS-VT von der Wehrmachtsführung als Ableistung dieser Wehrpflicht angesehen, aber bezüglich der Totenkopf-Verbände weigerten sie sich, den Dienst in diesen Verbänden anzuerkennen. Die SS-Totenkopf-Verbände unterstanden nun dem neugeschaffenen „Kommandoamt der SS-Wachverbände“ in Berlin zum einen und der „Inspektion Konzentrationslager und der Verstärkten Totenkopf-Standarten“ in Oranienburg zum anderen.
Entstehung der Totenkopf-Standarten
Im Juli 1937 fasste Eicke die Totenkopfsturmbanne der Konzentrationslager zu 4 von der Allgemeinen-SS unterschiedenen und eigenständigen SS-Totenkopf-Standarten zusammen.
Eicke betonte stets, „dass die Totenkopf-Verbände weder zur Wehrmacht noch zur SS-Verfügungstruppe oder zur Polizei gehören; vielmehr haben sich ihre Mitglieder weiterhin als Teil der Allgemeinen-SS zu sehen“. Sie übernahmen nun die militärische Vorausbildung aktiver Mitglieder der Allgemeinen-SS.
Ebenso wurden die SS-Reservestandarten der Allgemeinen-SS (nicht aktive Mitglieder der SS zwischen 35-45 Jahren) von ihnen militärisch ausgebildet. Die Ausbildung fand jeweils in einem der Konzentrationslager statt und wurden von ehemaligen Offizieren der kaiserlichen Armee geleitet. Für das „Muster- und Ausbildungslager Dachau“ war der ehemalige U-Boot-Kapitän und nunmehrige SS-Obersturmbannführer Cassius Freiherr von Montigny zuständig. Dieser gehörte bis 1920 einem der Freikorps und im Anschluß daran der Reichskriegsmarine an. Im Januar 1935 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen und trat der SS bei. Bereits im März wurde er durch den SS-Oberabschnittsführer „Süd“ zur SS-Standarte „Dachau“ überstellt, wo er rasch zum militärischen Ausbildungsleiter des SS-Wachsturmbanns „Oberbayern“ aufstieg. Von Montigny geriet im Konzentrationslager Dachau immer wieder mit dem Lagerführer Eicke zusammen, der bekannterweise alte „Berufmilitärs“ ablehnte. So trat von Montigny bereits 1936 seinen Dienst in der von Standartenführer Felix Steiner übernommenen Junkerschule Bad Tölz an, wo er neben diesem zum Ausbilder des zukünftigen Offiziernachwuches der späteren Waffen-SS wurde.
Die Totenkopf-Verbände und der Zweite Weltkrieg (1939-45)
thumb|Angehöriger der SS-Totenkopf-Verbände 1939 umfassten die Totenkopf-Verbände 1 Reiterstandarte und 4 Fuß-Standarten. Die Fußstandarten umfassten ca. 9.000 Mann. Sie wurden für den KZ-Wachdienst eingesetzt. Diese Verbände unterstützen die Bildung der Waffen-SS und waren auch an der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ maßgeblich beteiligt.
Vor ihrer Eingliederung in die Waffen-SS waren alle Angehörigen der Totenkopf-Verbände Reservisten der Wehrmacht. Das hieß, daß sie ihrer Wehrpflicht in den Reihen des Heeres, der Luftwaffe und der Marine genügten.
Man machte später der Waffen-SS zum Vorwurf, dass sie sich nicht gegen die Eingliederung der Totenkopf-SS wehrte und diese stillschweigend hinnahm. Aber: Auch die Wehrmachtsführung hätte wohl ihrer Eingliederung in das aktive Feldheer niemals widerspochen, wenn die Angehörigen 1940 zur Wehrmacht gezogen worden wären. Immerhin widersprach die oberste Wehrmachtsführung auch nicht, als die Angehörigen der Totenkopf-Verbänden in Friedenszeiten ihre allgemeine Wehrpflicht in den Reihen der Wehrmacht erfüllte, da der Dienst in den Konzentrationslagern nicht als „Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht“ anerkannt wurde und erst durch den „Kuhhandel“ zwischen Gottlob Berger, Theodor Eicke und Heinrich Himmler der Waffen-SS zugeschlagen wurden.
| Standartenname | Stammlager/Gründungssitz | Standartenname | Stammlager/Gründungssitz |
|---|---|---|---|
| SS-Totenkopf-Standarte I "Oberbayern" | Dachau | SS-Totenkopf-Standarte X | Weimar-Buchenwald |
| SS-Totenkopf-Standarte II "Brandenburg" | Sachsenhausen | SS-Totenkopf-Standarte XI | Radom |
| SS-Totenkopf-Standarte III "Thüringen" | Weimar-Buchenwald | SS-Totenkopf-Standarte XII | Posen |
| SS-Totenkopf-Standarte IV "Ostmark" | Mauthausen | SS-Totenkopf-Standarte XIII | Wien |
| SS-Totenkopf-Standarte V "Dietrich Eckhardt" | Oranienburg | SS-Totenkopf-Standarte XIV | Weimar-Buchenwald |
| SS-Totenkopf-Standarte VI | Prag | SS-Totenkopf-Standarte XV | Plock |
| SS-Totenkopf-Standarte VII | Brünn | SS-Totenkopf-Standarte XVI | Dachau |
| SS-Totenkopf-Standarte VIII | Krakau | SS-Totenkopf-Standarte "Kirkenes" | Kirkenes |
| SS-Totenkopf-Standarte IX | Danzig | SS-Totenkopf-Reseve-Standarte "Oberbayern" | Dachau |
Anfang Juni 1939 stellte SS-Sturmbannführer Kurt Eimann in Danzig den berüchtigten SS-Wachsturmbann „Eimann“ auf und in Berlin ließ Heinrich Himmler durch den SS-Obersturmbannführer Hans-Friedrich Goetze den III. Sturmbann der Totenkopfstandarte IV aufstellen. Doch dieser Verband sollte nie nach Österreich versetzt werden...er war allein für die „Heimholung Danzigs“ gegründet worden. Auf Schiffen versteckt gelangte dieser Sturmbann nach Danzig, genauer auf die Westerplatte. Dort gelang es Goetze, sich mit dem Wachsturmbann „Eimann“ zu vereinen. So wurde am 18. August 1939 auf Danziger Staatsgebiet die formal SS-Heimwehr "Danzig" aufgestellt. Nach dem 1. September konnten die Heimwehr die Westerplatte unter ihrer Kontrolle bringen und wurde im Einvernehmen der Obersten Wehrmachtsführung und der Reichsführung-SS für den Küstenschutz eingesetzt...nebenbei betrieben sie auch ein Danziger Konzentrationslager. Im Dezember 1940 oder Januar 1941 wurde die Heimwehr aufgelöst und ihre Angehörigen in Totenkopf-Division des Theodor Eicke übernommen.
In der Zeit zwischen 1. Oktober und 1. November 1939 schuf Eicke aus Teilen von Polizei und Totenkopf-Verbänden die SS-Division „Totenkopf“, die später zahlreiche Kriegsverbrechen verübte.
1940/41 wurden die Totenkopf-Verbände der Waffen-SS zugeschlagen, und 1942 erfolgte die Zusammenlegung der einstigen selbständigen Kommandoämter „Verfügungstruppe“ und „Wachverbände“ zum neuen „Kommandoamt der Waffen-SS“. Damit erhielten die Angehörigen der SS-Totenkopf-Division Soldbücher und aktuelle Uniformen der Waffen-SS, während ihre „SS-Wachsturmbanne“, d. h. das Wachpersonal der KZ, weiterhin dem SS-Führungshauptamt unterstanden. In den besetzten Gebieten stellten die höheren SS-Führer der Totenkopf-Verbände die Mehrzahl der „Höheren SS- und Polizeiführer“, während die Mannschaften und Unterführer der Totenkopf-Verbände dort als „Polizeikräfte“ eingesetzt waren.
Das Stammpersonal der Totenkopf-Verbände stellte zahlreiche Kader späterer Waffen-SS-Verbände: Die SS-Division „Nord“ und „8. SS-Kavalleriedivision Florian Geyer“ seien hier als Beispiel genannt. Letztere entstanden aus der Reiterstandarte der Totenkopf-Verbände, also aus Teilen der einstigen Reiter-SS. Ihr Kommandeur war der damalige SS-Brigadeführer Hermann Fegelein, der 1944 Gretel Braun, die Schwester Eva Brauns, heiratete und damit der Schwager Hitlers war.
In den Konzentrationslagern Osteuropas warben die Totenkopf-Verbände zahlreiche Angehörige sogenannter „Fremdvölker“ an, die dort als Wachmannschaften eingesetzt wurden. Als ausgesprochen grausam galten vor allem die Ukrainer und Litauer, die von den KZ-Insassen besonders gefürchtet waren.
1942 wurden auch die Totenkopf-Standarten aufgelöst und endgültig in die Waffen-SS überführt. Damit hatte diese nun den Makel, KZ-Knechte in ihren Reihen zu wissen. Die alten Kader der Totenkopf-Verbände protestierten bei Himmler gegen diese Zuordnung, aber er sah die Frontverbände der Totenkopf-Division weiterhin als Teil der KZ-Wachverbände.
Es war ursprünglich vorgesehen, die Waffen-SS und die Totenkopf-Verbände nach dem „Endsieg“ wieder zu trennen und als eigenständige Organisationen weiterleben zu lassen. Aber dazu kam es nicht mehr.
Siehe auch: Schutzstaffel
Totenkopf-Verbände
