Stammtischparole
Stammtischparole ist ein abwertender Ausdruck für eine rechthaberische, voreingenommene, verallgemeinernde oder unsachliche politische Meinungsäußerung.
Stammtischparolen werden als solche nicht durch den Ort des Gesprächs, sondern durch den Inhalt der Äußerung definiert.
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Kennzeichen von Stammtischparolen
Kennzeichen von Stammtischparolen sind: platte Sprüche, aggressive Rechthaberei, kategorisches Entweder-Oder oder Selbstgerechtigkeit.
Stammtischparolen leben davon, dass ohne Unterscheidungen (grobe Verallgemeinerungen) argumentiert wird. Es sind zum Beispiel alle Politiker, Ausländer, Frauen, Männer, etc. Das Schlüsselwort, um Stammtischparolen zu erkennen, lautet hier: "alle".
Stammtischparolen haben eine spezielle Form von Sprache und Meinungsäußerungen. Eine Stammtischparole äußert sich in einem uneingeschränkten Wahrheitsanspruch. Damit soll ein Widerspruch unmöglich gemacht werden.
Menschen die Stammtischparolen benutzen, können eine geringe Bereitschaft oder Fähigkeit sich an demokratische Regeln zuhalten haben, können eine negatives Bild von der "Natur des Menschen" haben, können den Nationalsozialismus verherrlichen oder relativieren, können ein mangelndes Einfühlungsvermögen in die Probleme anderer haben, können auf andere Lebensentwürfe herabschauen, demonstrieren Stärke und Härte, verweigern sich komplexe gesellschaftliche Verhältnisse zur Kenntnis zu nehmen und haben eine "männliche Sichtweise", die alles weibliche verachtet. (Vergleiche auch die F-Skala von Adorno und Mitarbeitern)
Funktion von Stammtischparolen
Eine Funktion von Stammtischparolen ist, dass diejenigen sich als höherwertige Menschen betrachten und sich somit auf Kosten andere sozial aufwerten (therapeutischer Effekt).
Was tun gegen Stammtischparolen?
- Sich der eigenen Situation klar werden
- Argumente gegen Stammtischparolen lassen sich kaum finden
- Aktives Zuhören (siehe auch Mediation) ist eine Gegenstrategie um logische oder sachliche Fehler aufzudecken? Nicht belehren!
- Humorvoll oder selbstironisch sein
- Lebensumstände des anderen beachten oder erfragen
- Keine Überheblichkeit
- Leise reden
- Freundliche Körpersprache
- Andere freundliche gesonnene Gesprächspartner mit einbeziehen
- Eher die noch nicht ganz Überzeugten, die Unentschlossenen, ansprechen
- Provokationen ignorieren
Volkshochschulen und Gewerkschaften bieten das Training dieser Punkte in entsprechenden Kursen an.
Siehe auch
F-Skala, Rassismus, Intoleranz, Egoismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, politische Bildung, Zivilcourage, Vorurteil, Klischee, Stammtisch, Othering, Alltagsrassismus
Literatur
Klaus-Peter Hufer: Argumentationstraining gegen Stammtischparolen, Schwalbach 2000, ISBN 3-87920-054-8
Weblinks
- Argumentationstraining gegen Stammtischparolen (PDF-Datei, Angebot des NRW-Bildungsservers)
