Standard notation
Standard notation (englisch) ist die klassische Schreibweise für Jazz-Standards, bei der über der Melodie des Stücks textuelle Abkürzungen stehen, die in einem bestimmten Code verfasst sind, der die Harmonisierung des Stücks anzeigt und damit Akkorde bezeichnet. Derartige Akkorde nennt man im Jazz Changes.
Die Standard notation ist nicht die einzige Form, Jazz oder Jazzvorlagen zu notieren. Werke, die auf Vamps basieren, oder Werke des Free Jazz benutzen eigene, besondere Notationssysteme.
Werke in Standard notation sind keine auskomponierten Jazzstücke oder gar Transkriptionen von Improvisationen. Sie bilden vielmehr die klassische Grundlage für das Zusammenspiel der Jazzmusiker, die sich insbesondere nach der harmonischen Struktur richten und ihre Soli darauf aufbauen.
Bei der Standard notation unterscheidet man hierbei grundlegend zwischen Dur-, Moll- und anderen Changes, wobei Dur-Akkorden (major changes) im Jazz (und nur im Jazz) statt der ionischen Skala definitionsgemäß die mixolydische Skala, und Moll-Akkorden (minor changes) statt der äolischen Skala definitionsgemäß die dorische Skala zugrundeliegt. Beide Skalen haben insbesondere kleine Septimen gemeinsam.
Die gebräuchlichen Abkürzungen für Changes werden anhand von Beispielen erläutert. Für alle folgenden Beispiele gilt ein Akkord auf F; Akkorde sind von unten nach oben gebrochen zu lesen:
- F = Durdreiklang: f,a,c
- Fm oder Fmin oder Fmi oder F– = Molldreiklang (min = minor): f,as,c
- F 0 oder F dim= Verminderter Akkord (dim = diminuished): f,as,ces oder f,as,h
Die Erweiterung dieser Akkorde findet über zugesetzte Symbole statt, die Zahlen sein können. Eine zugesetzte Zahl schließt hierbei, wenn nicht ausdrücklich anders gefordert, alle ungeraden Zahlen unter sich mit ein. Eine Ausnahme bildet die 7, die allerdings nur dann notiert wird, wenn höhere Töne alteriert sind. Diese Sonderbehandlung verbessert auch die Lesbarkeit.
- F 9 = Septnonenakkord der (mixolydischen) Basisskala = f,a,c,es,g
- F min 11 = Septnonenakkord der (dorischen) Basisskala = f,as,c,es,g,b
Den Ausschluss eines unter dem höchsten Ton liegenden Tons bezeichnet man mit "omit", das explizite Hinzunehmen mittels "add":
- F min 9 (omit 5) = f,as,es,g
- F 7 (sus 4) = f,b,c,es. Wenn der 4. Ton erklingt, muss der 3. Ton ausgelassen werden!
Ein Quartvorhalt wird durch
- sus = (add 4) (omit 3)
angezeigt.
Der Ersatz des Baßtons wird mit einem Schräg- oder Bruchstrich vor bzw. über dem neuen Ton angedeutet:
- F / F# = fis,f,a,c
Hierzu können sich alterierte Töne gesellen, die der einfacheren und vor allem schnellen Lesbarkeit halber meist nicht enharmonisch korrekt notiert werden:
- maj 7, gelegentlich auch als nach unten zeigendes Dreieck notiert = große Septime, ersetzt das notationstechnisch unübliche Erhöhen der in beiden Grundskalen kleinen Septime durch #7 = e
- b5 = Erniedrigung der Quinte = ces oder h
- + oder #5, selten auch aug = Erhöhung der Quinte (Übermäßiger Akkord, aug = augmented) = cis oder des
- b9 = Erniedrigung der None = ges
- #9 = Erhöhung der None = as oder gis
- 6/9 = eine Sonderbezeichnung, entspricht 9 (omit 5) (add 6)
Abschließend noch ein paar Beispiele für typische Jazz-Akkorde:
- F- maj 9 = Vermollter Septnonenakkord mit erhöhter Septe = f,as,c,e,g
- F7 #9 = Septnonenakkord mit übermäßiger None bzw. Septnonenakkord mit Doppelterz. Die Doppelterz bildet hierbei die Blue Note: f,a,c,es,as. Hier zeigt sich, dass der Einschub der 7 notationstechnisch sinnvoll ist, denn sonst wäre dieser Change leicht mit F# 9 = fis,ais,cis,e,gis zu verwechseln.
- F7 b5 b9 = Doppelt verminderter Septnonenakkord: f,a,ces,es,ges
- F7 #5 #9 = Übermäßiger Septnonenakkord mit blue note: f,a,des,es,as
Siehe auch
Akkord (Musik), Quintenzirkel, Stufentheorie, Funktionstheorie, Akkordsymbol
Tabulatur, Gnu LilyPond, Notenschlüssel, Sonderschrift
Akkordsymbol, Akkord, Powerchord, Akkordeon, Akkordanz
Musik, Harmonie, Abgeleiteter Akkord, Populäre Musik
