Staunen

Staunen oder Verwunderung ist ein Affekt bei etwas, das dem Erlebenden außergewöhnlich vorkommt. Dabei ist noch offen gelassen, ob dieses Verwunderliche eher ein "gläubiges" oder "ungläubiges" Staunen weckt. Der positive Fall löst Bewunderung (Respekt, Verehrung) aus, der negative Fall Befremden (Irritation, Argwohn).

Ein starker Akzent liegt auf der Verwunderung beim Philosophieren. Die Besonderheit ist hier, dass gerade das Gewöhnliche und selbstverständlich Scheinende zum Erstaunlichsten wird. In diesem Sinn haben die großen griechischen Denker - Sokrates, Platon und Aristoteles - das Staunen (thaumázein) als Anfang der Philosophie aufgefasst: "Alle nämlich beginnen mit der Verwunderung, dass die Dinge so sind, wie sie sind" (Aristoteles: Metaphysik).

Indem das philosophische Staunen die bisher am wenigsten bedachten Dinge hinterfragt, bringt es die Wissenschaft voran, der sich die Wirklichkeit so oft ganz anders darstellt als unserer natürlichen Einstellung. Auf diese Weise hält der Gegensatz von bloßer Meinung (dóxa) und Wahrheit (alétheia) das Streben nach Wissen fortwährend in Atem.

Literatur

See also: Staunen, 322 v. Chr., Affekt, Aristoteles, Haiku, Meinung, Philosophie, Philosophieren, Platon, Schein