Stimmführung
Stimmführung bezeichnet das Fortschreiten einer Stimme eines Musikstückes. Bedeutungsvoll wird diese jedoch erst, wenn es sich um ein mehrstimmiges Stück handelt.
In der klassischen Harmonielehre, die in ihren Ursprüngen auf die Klassische Vokalpolyphonie Palestrinas zurückgeht, werden unter anderem folgende Stimmführungsregeln aufgestellt.
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Gebot der Gegenbewegung
Von den drei Möglichkeiten des Fortschreitens
sollen in den zusammen erklingenden Stimmen bei wechselnder Harmonie immer mindestens zwei gleichzeitig verwendet werden.
Parallelenverbot
Das gleichzeitige Fortschreiten um dasselbe Intervall zweier Stimmen, die einen Abstand einer Quinte oder Oktave haben, soll vermieden werden, da es wegen der starken Verschmelzungstendenz dieser Intervalle die Unabhängigkeit der Stimmen gefährdet.
Verdeckte Parallelen
Bewegen sich zwei Stimmen gleichzeitig in derselben Bewegungsrichtung in den Abstand einer Quinte oder Oktave voneinander, so sollen nach Möglichkeit nicht beide einen Sprung (Intervall einer Terz oder größer) machen, sondern eine einen Schritt (Sekunde). Dies ist besonders wichtig, wenn es sich nur um wenige, drei oder nur zwei Stimmen handelt.
Dissonanzbehandlung
Dissonanzen, zum Beispiel Vorhalte, sollen eingeführt und aufgelöst werden.
Einführung von Dissonanzen
Die Einführung einer Dissonanz geschieht dadurch, dass der später dissonante Ton zunächst in einem konsonanten Zusammenklang steht, bei Fortschreiten der übrigen Stimmen unverändert liegenbleibt und erst durch dieses Fortschreiten der übrigen Stimmen in dem neu entstehenden Klang dissonant wird.
Auflösung von Dissonanzen
Die Auflösung von Dissonanzen erfolgt grundsätzlich stufenweise (das heißt mit Sekundschritt) abwärts.
Bestimmte Intervalle
- Der Leitton der Dominante steigt zum Grundton der Tonika.
- Die kleine Septime des Dominantseptakkords löst sich abwärts in die Terz der Tonika.
- Die kleine None des erweiterten Dominantseptakkords löst sich in die Quinte der Tonika, die große None ebenso oder in den Grundton.
- Die Sixte ajoutée der Subdominante bleibt liegen, wenn nach ihr die Dominante eintritt.
