Stoa

Die Stoa (griech. στοα) ist eine philosophisch-weltanschauliche Denkrichtung, deren antiker Ursprung in Athen um 300 v. Chr. liegt. Zenon von Kition hat sie begründet. Die Geisteshaltung im Sinne der Stoa nennt man Stoizismus, Anhänger der Denkrichtung Stoiker. Benannt wurde die Lehre nach dem Ort der ersten Schule, der Stoa poikile (griech. στοα ποικίλη – "bemalte Vorhalle"), einer Säulenhalle in Athen, in der Zenon seine Lehrtätigkeit aufnahm.

Das höchste Gut (summum bonum) der Stoiker ist die Tugend (virtus). Der Mensch soll seinen Geist (animus) nutzen, um Erkenntnis zu erlangen. Körperliche Begierden (voluptas) hingegen soll er beherrschen, weil diese den Menschen beherrschen und folglich zu Unfreiheit führen. Der Mensch, der den körperlichen Begierden nachstrebt, wird von Seneca als ein in Ketten gelegter Sklave beschrieben. Gegenüber den Anhängern des Epikureismus, die nach dem Lustprinzip leben, machen die Stoiker deutlich, dass auch sie Freude nicht ganz ablehnen. Vielmehr leben sie mit gelenktem Vergnügen (gaudium), das mit dem höchsten Gut der Tugend vereinbar ist. Je tugendhafter ein Stoiker lebt, umso mehr Freiheit erlangt er. Das Lebensideal der Stoiker ist die absolute Freiheit, die aber erst mit dem Tod und somit der Befreiung von jeglichem körperlichen Verlangen erreicht werden kann.

Der Mensch, der tugendhaft lebt, wird von Seneca als wackerer Soldat beschrieben, der alle Lasten gerne erträgt. Er hat sich die stoische Apathie (Leidenschaftslosigkeit im Sinne der Affektkontrolle) und die Ataraxie (vollkommene Seelenruhe, wörtlich: Unerschütterlichkeit) angeeignet. Der individuellen Natur unter Berücksichtigung ihrer Stärken und Schwächen zu folgen und der kosmischen Natur sich bereitwillig einzufügen, gehört auch zu den Grundsätzen der Stoiker (secundum naturam vivere). So kann man sich dem Ideal des stoischen Weisen nähern. Dieses besagt, dass ein Mensch durch Vernunft einem Gott, der die vollkommene Erkenntnis von Natur aus besitzt, gleich werden kann.

Anders als die zeitgleich und ebenfalls in Athen entstandene philosophische Schule Epikurs enthält die Stoa einen starken Akzent der Gemeinwohlorientierung und den Auftrag zu politischer Mitwirkung. Auf diese Weise hat sie das Bewusstsein führender Kreise der Römischen Republik erreichen und mitbestimmen können. Auch die kosmopolitische Ausrichtung der Stoa hat dem als antike Weltmacht sich etablierenden Römischen Reich einen passenden Orientierungsrahmen zu bieten vermocht.

Einflüsse der Stoa sind u.a. bei Immanuel Kant nachweisbar.

Neuerdings zeigen sich auch in dem politisch-philosophischen Diskurs, der die gegenwärtige Ausbildung der Weltgesellschaft reflektiert, Tendenzen, die die zeitgemäße Erschließung der stoischen Ethik favorisieren. Als deren vollkommenste Verkörperung für die späte Stoa ist der Kaiserphilosoph Marc Aurel (121-180 n. Chr.) anzusehen.

Inhaltsverzeichnis

1 Literatur
2 Weblinks

Ältere Stoa

Zenon von Kition, Kleanthes, Chrysippos

Mittlere Stoa

Polybios, Panaitios, Poseidonios

Späte Stoa

Marcus Tullius Cicero, Seneca, Epiktet, Marc Aurel

Siehe auch: Athenodorus

Literatur

Weblinks

See also: Stoa, Apathie, Ataraxie, Athen, Athenodorus, Chrysippos von Soli, Epiktet, Epikureismus, Griechisch, Immanuel Kant