Stochastischer Prozess
Stochastische Prozesse sind zeitliche Vorgänge, die in jedem Zeitpunkt durch zufällige Schwankungen beeinflusst werden.
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Definition
Die formale Definition lässt sich wie folgt formulieren. Ein stochastischer Prozess ist eine Familie von Zufallsvariablen Y(ω,t). Dabei ist
und
. Der stochastische Prozess ist dabei definiert für einen Wahrscheinlichkeitsraum
. Die Indexmenge bzw. der Parameterraum
ist beliebig, aber nicht zufällig. Er kann abzählbar viele Elemente enthalten (zeitdiskreter Prozess) oder überabzählbar viele Elemente (zeitstetiger Prozess). Die Realisationsmenge von Y bildet den Zustandsraum des Prozesses. Wenn der Zustandsraum abzählbar ist, spricht man von einem wertediskreten Prozess oder Punktprozess.
Eigenschaften
Über die Momente erster und zweiter Ordnung des Prozesses lassen sich Aussagen hinsichtlich der Stationaritätseigenschaften ableiten. Ein stochastischer Prozess ist
- mittelwert-stationär, wenn μt = μ,
- varianz-stationär, wenn
,
- kovarianz-stationär, wenn γ(t1,t2) = γl mit l = t2 − t1 (aus der Kovarianz-Stationarität folgt die Varianz-Stationarität),
- schwach-stationär, wenn Mittelwert- und Kovarianz-Stationarität gegeben sind,
- streng stationär, wenn für alle Zeitpunkte die Verteilungsfunktion der Zufallsvariablen invariant gegenüber einer zeitlichen Verschiebung um l ist.
Beispiele
Der stochastische Prozess ist dadurch gegekennzeichnet, dass an jeder Stelle t der Zeitreihe eine Zufallsvariable vorliegt. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Münzwurf. Es sei angenommen, dass ein Spieler im Zeitpunkt t=0 ein Startkapital von 10 Euro hat. Bei jedem Wurf einer Münze gewinnt er einen Euro, falls "Zahl" erscheint, oder er verliert einen Euro, falls "Kopf" erscheint. Handelt es sich bei der verwendeten Münze um eine "faire" Münze, so ist die Wahrscheinlichkeit für "Kopf" und "Zahl" gleich und zwar 0,5. Stellt man den jeweiligen "Kontostand" des Spielers nach jedem Münzwurf graphisch dar, so ergibt sich ein stochastischer Verlauf.
Der sogenannte reine Zufallsprozess, auch Weißes Rauschen genannt, ist eine Folge stochastisch unabhängiger und identisch verteilter Zufallsvariablen. Ist die Variable Bernoulli-verteilt spricht man von einem Bernoulli-Prozess, ist die Variable normalverteilt, von einem Gauss-Prozess. Ein weiterer stochastischer Prozess ist der Random Walk. Dieser ist ein diskreter Prozess mit stationär unabhängigen Zuwächsen.
Weitere Typen stochastischer Prozesse: Wiener-Prozess, Markow-Prozess, lineare stochastische Prozesse.
Weblinks
- http://www.et2.tu-harburg.de/lehre/Stochastik/Prozesse.pdf
- Skript bei GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit GmbH, 161 S.
- http://theory.gsi.de/~vanhees/faq/stat/node7.html
Siehe auch: Zeitreihenanalyse, Zählprozess, Stationärer Prozess (AR-, MA- und ARMA-Modelle), Erneuerungsprozess, Martingal, Ergodentheorie, stochastische Differentialgleichung, Kiyosi Itô
