Strategic Defense Initiative
Strategic Defense Initiative (SDI) ist ein von US-Präsident Ronald Reagan ins Leben gerufenes komplexes Forschungs-Projekt zur Errichtung eines Gürtels moderner, teils irdischer, teils satellitengestützter Waffen zur Verteidigung gegen einen denkbaren atomaren Erstschlag der Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges, oft scherzhaft "Star Wars- Programm" genannt.
SDI wurde 1993 eingestellt. Die Resultate aus dem Projekt gingen über in den Nachfolger "Ballistic Missile Defense" (BMD), der neuerdings auch unter dem Begriff "National Missile Defense" (NMD) firmiert.
Trotz aller Anstrengungen und Entwicklung neuer Waffen, die angeblich im Rahmen von SDI und BMD entwickelt wurden, gilt das Projekt heute in Kritikerkreisen als so gut wie gescheitert, da die bisherigen Raketenabwehrtests eher mäßig gut funktionierten. Einem Angriff mit hunderten von Raketen sind die USA nach wie vor schutzlos ausgeliefert. Das Projekt wird vom derzeitigen Präsidenten George W. Bush mit Hochdruck weiterentwickelt, der die Vereinigten Staaten von einem möglichen Raketenangriff u.a. aus Nordkorea bedroht sieht (bzw. bis zum Frühjahr 2003 aus dem Irak). Die Verteidigung gegen eine ganze Flotte angreifender Raketen – und somit der vielbeschworene "Schutzschild" – gilt jedoch vielen unabhängigen Wissenschaftlern bis heute (Stand: 2005) als technisch nicht möglich.
Bundesrepublik Deutschland und SDI 1986
Am 18. April 1985 gibt Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in einer Regierunsgserklärung die grundsätzliche Zustimmung zum US-amerikanischen Rüstungsforschungsprogramm SDI bekannt, macht aber eine bundesdeutsche Beteiligung von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte sich bereits am 2. April 1985 auf ein bedingungsloses "Nein" zu SDI festgelegt.
In einem offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl lehnen am 3. Juli 1985 über 350 bundesdeutsche Wissenschaftler ihre Mitarbeit am SDI-Programm ab, weil die Stationierung von Waffensystemen im Weltall die letzten Hoffnungen auf Abrüstung zunichte machen würde.
Am 11. Januar 1986 reiste Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) im Auftrag des Bundeskabinetts von Bundeskanzler Helmut Kohl in die USA, um dort Verhandlungen über einen Technologieaustausch sowie Bedingungen für eine Beteiligung deutscher Firmen und Institutionen an der SDI-Forschung aufzunehmen. Bangemann erklärte nach Abschluss der Verhandlungen, dass die Bundesregierung das SDI-Programm "politisch unterstütze" jedoch nicht die Absicht habe, sich daran zu beteiligen oder Geld dafür zur Verfügung zu stellen.
Am 19. März 1986 erzielen Bundeskanzler Helmut Kohl und der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger bei einem Treffen auf dem Stützpunkt Grafenwöhr grundsätzliche Übereinstimmung über die Abkommen zur strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) und zum Technologietransfer.
Am 28. März 1986 werden die beiden geheimen Abkommen zwischen den USA und der Bundesrepublik von Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann in Washington (D.C.) unterzeichnet.
Weblinks
- Air Force Seeks Bush's Approval for Space Weapons Programs ("New York Times", 18.05.2005 - Teil der Serie "Arsenal of the Future")
- Florian Rötzer, Das künftige Hightech-System der US-Armee gerät ins Trudeln (Telepolis, 30.03.2005)
- Rüstung: "Meads"-Kosten klettern auf eine Milliarde Euro (Spiegel Online, 21.03.2005)
- Mike Moore, Space cops ("Bulletin of the Atomic Scientists", November/Dezember 2003, Vol. 59, Nr. 06 -
Sehr ausführliche und kompetente Analyse) - Aussagen des Stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz zur Raketenabwehr
(Dokumentation der HSFK - siehe auch Arbeitskreis Raketenabwehr) - Sebastian Brandt, Bushs Raketenabwehr technisch nicht möglich (Freenet.de, Juli 2002)
- Strategic Defense Initiative News continually updated from thousands of sources around the net
- Strategic Defense Initiative - Nuclear Thermal Propulsion (Federation of American Scientists)
