Subjektivismus
Der Subjektivismus (lateinisch subiectum : das Zugrundeliegende, griechisch hypokeimon : das Subjekt) bezeichnet eine Tendenz zur Verabsolutierung der Erkenntnistätigkeit, der Bewertungstätigkeit sowie der sozialen Aktivitäten des Subjekts, wobei Gesetzmäßigkeiten der objektiven Realität ignoriert werden.
Der Subjektivismus trägt tendenziell idealistischen Charakter. In theoretisch ausgearbeiteter Form führt er notwendigerweise zum Idealismus. Es können verschiedene wesentliche Erscheinungsformen unterschieden werden:
- 1. im erkenntnistheoretischen Subjektivismus wird der Standpunkt vertreten, dass die menschliche Erkenntnis ausschließlich beziehungsweise vornehmlich durch das menschliche Subjekt bedingt ist. In philosophischer Konsequenz führt dieser Standpunkt zu einem Solipsismus, der die Existenz beziehungsweise die Erkennbarkeit objektiver Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten weitgehend negiert. In den naturwissenschaftlichen Denktraditionen spielt der Solipsismus keine wesentliche Rolle und wird zumeist als indiskutabel angesehen.
- 2. in ethischen und anderen Werttheorien, die das abstrakt gefasste menschliche Subjekt als Basis und Ziel des sozialen Handelns und als Kriterium aller Werte ansehen, werden beliebige Sachverhalte nach abstrakten Nützlichkeitsabwägungen beurteilt. Bei der Anwendung naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse kann er sich auch in Form eines vulgären Pragmatismus äußern.
- 3. der soziologische Subjektivismus enthält die Auffassung (oder auch die gesellschaftspolitische Haltung), dass gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen prizipiell subjektiv-willkürlich gestaltet werden können. Die Rolle des subjektiven Faktors wird überbetont und verabsolutiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass Individuen oder bestimmte Gruppen den Geschichtsprozess bestimmen. In dieser Erscheinungsform ist der Subjektivismus Wesensmerkmal von bestimmten idealistischen Gesellschaftstheorien, welche die historischen Prozesse und gesellschaftlichen Strukturen letztlich auf das Triebleben, auf die Rolle von Eliten, auf die absolute Bedeutung und Wirkung von Ideen, Idealen, Moralprinzipien und auf ideologisch-normative Wertgefüge (das heißt den Rollenbegriff, den Gruppenbegriff) zurückführen.
- 4. im politischen Subjektivismus sind Auffassungen oder Maßnahmen charakteristisch, die vornehmlich von Wunschdenken (Herrschaftsdenken, Dominanzdenken und anderem) beziehungsweise von Illusionen geprägt sind und ungenügend von der wirklichen Sachlage beziehungsweise den grundlegenden Gesetzmäßigkeiten historischer Entwicklungen ausgehen oder diese ignorieren.
siehe auch: Fatalismus
