Sukkulente

Inhaltsverzeichnis

Definition und Eigenschaften

Sukkulenten (von lateinisch succus = Saft) sind saftreiche Gewächse, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind. Es sind vier Typen zu unterscheiden.

thumb|Eine Blattsukkulente, Aeonium holochrysum, Kanarische Inseln, in Kultivation, Foto: Manuel Werner, Nürtingen. Man erkennt deutlich die sukkulenten, Wasser speichernden Blätter

Je nach dem Pflanzenorgan, das zur Wasserspeicherung umgebildet ist, wird zwischen Blatt-, Stamm- und Wurzelsukkulenten unterschieden, wobei alle Kombinationen möglich sind. Begleitend zum saftreichen Gewebe, das dicker und geschwollener wirkt als bei gewöhnlichen Pflanzen, zeigen Sukkulenten mehrere der folgenden Merkmale:

  1. CAM-Metabolismus zur Verringerung des Wasserverbrauchs.
  2. Fehlende, verkleinerte oder walzenförmig bis kugelig gerundete Blätter mit verkleinerten Spaltöffnungen zur Verringerung der verdunstenden Oberfläche.
  3. Verlagerung der Photosynthese von den Blättern auf den Stamm.
  4. Gedrungene, kissen- oder säulen- bis kugelförmige Wuchsform zur Verringerung der verdunstenden Oberfläche.
  5. Rippen oder Warzen zur Flexibilisierung des Körpervolumens, zur Stabilisierung der Körperform und zur Selbstbeschattung.
  6. Wachsschicht auf dem Pflanzenkörper zur Verringerung der Verdunstung.
  7. Korkige oder abschälende Rinde zur Wärmeisolierung und Verringerung der Verdunstung.
  8. Haare, Wolle oder Dornen zur Schaffung einer windstillen Pufferschicht um den Pflanzenkörper und damit zur Verringerung der Verdunstung, zur Selbstbeschattung und zur Abwehr von Fressfeinden.
  9. Ganz oder teilweise Verlagerung des Pflanzenkörpers unter die Erde zur Verringerung der Verdunstung und zur Abwehr von Fressfeinden.
  10. Tarnung (Mimese) zur Abwehr von Fressfeinden.
  11. Giftigkeit zur Abwehr von Fressfeinden.

Beispiele sind
Lophophora williamsii, Cactaceae, stammsukkulent, Merkmale: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11
Lithops fulleri, Aizoaceae, blattsukkulent, Merkmale: 1, 2, 4, 6, 9, 10
Euphorbia trichadenia, Euphorbiaceae, wurzelsukkulent, Merkmale: 1, 2, 4, 7, 9, 11


thumb|Sempervivum heuffelii, eine Blattsukkulente aus Rumänien, in Kultur. Man erkennt deutlich die sukkulenten, Wasser speichernden Blätter und den steinigen Lebensraum, Foto: Manuel Werner, Nürtingen, GNU-Lizenz

Familien und Gattungen

Sukkulenten finden sich in folgenden Pflanzenfamilien und -gattungen:

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Moringa


Obwohl Kakteen nur einen sehr kleinen Teil aller existierenden Sukkulenten ausmachen, sind diese hierzulande die bekanntesten Vertreter der sukkulenten Pflanzen. Im Sprachgebrauch wird deshalb zwischen Kakteen und „anderen“ Sukkulenten unterschieden.

Wegen der bei den einzelnen Arten sehr unterschiedlich ausgeprägten Sukkulenz ist eine genaue Trennung zwischen sukkulenten und nicht sukkulenten Arten manchmal sehr schwierig. Selbst innerhalb einer Art können sukkulente und nicht sukkulente Exemplare vorkommen. An der Grenzlinie liegen sowohl eher krautige oder holzige Pflanzen als auch solche, die in ihrer Rübenwurzel eher Zucker und Stärke als Wasser speichern.

Wuchsformen

Die oft gleichartigen Erscheinungsbilder nicht näher miteinander verwandter Sukkulenten sind Folgen paralleler Evolutionen. Ähnliche Bedingungen zwingen die Pflanzen ähnliche Gestalten anzunehmen. Einige typische Wuchsformen sind

Blätterkissen: Blattsukkulenten, niedrige Sträucher mit dichten Blattrosetten, meist Polster bildend, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Agavaceae, Aloaceae, Asteraceae, Commelinaceae, Crassulaceae, Portulacaceae.

Kugelblatt-Pflanzen: Blattsukkulenten, Blätter ei- bis kugelförmig, Pflanze im Extremfall auf ein Plattpaar reduziert, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Aizoaceae, Aloaceae, Asphodelaceae, Asteraceae, Crassulaceae.

Fensterblatt-Pflanzen: Blattsukkulenten, die Blätter weisen durchsichtige Fenster auf, Glaskörper im Blattinneren filtern das Licht, bevor es zur es zur Assimilation genutzt wird, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Aizoaceae, Aloaceae, Asphodelaceae, Asteraceae.

Korallensträucher: Stammsukkulenten, Sträucher mit kahlen Ästen, die Blätter stark reduziert oder fehlend, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Asclepiadaceae, Asteraceae, Cactaceae, Chenopodiaceae, Euphorbiaceae, Didieraceae, Lentibulariaceae, Passifloraceae.

Kaktusförmige: Stammsukkulenten, Säulen bis Kugeln, oft mit Warzen oder Rippen, die Blätter stark reduziert, dornig oder dornig erscheinend, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Asclepiadaceae, Asteraceae, Cactaceae, Didieraceae, Euphorbiaceae, Geraniaceae, Vitaceae

Flaschenbäume: Stammsukkulenten, Stämme stark flaschen- bis fassförmig angeschwollen, beispielsweise in den Pflanzenfamilien Agavaceae, Apocynaceae, Asteraceae, Bombaceae, Bursaceae, Cucurbitaceae, Dracaenaceae, Moraceae, Nolinaceae.

Caudex-Pflanzen: Wurzelsukkulenten (Geophyten), Wurzelverdickung halb oder ganz unterirdisch, rüben- bis diskusförmig; oberirdische Triebe einjährig, dünn und oft windend. beispielsweise in den Pflanzenfamilien Asclepiadaceae, Basellaceae, Bombaceae, Convolvulaceae, Cucurbitaceae, Dioscoreaceae, Euphorbiaceae, Fabaceae, Gesneriaceae. Hyacinthaceae, Piperaceae.

Sukkulenten können sehr unterschiedliche Größen erreichen. Das Spektrum reicht von 3 mm kleinen Kugeln bei Conophytum (Aizoaceae) bis zu 30 m großen Bäumen bei Euphorbia (Euphorbiaceae).

Literatur

Band 1 mit den Familien der Einkeimblätterigen Pflanzen umfaßt Sukkulenten aus 14 Familien und 52 Gattungen. Insgesamt werden rund 1000 Arten und über 400 infraspezifische Taxa behandelt. Die Familien Agavaceae und Aloaceae werden in ihrem gesamten Umfang vorgestellt. Die wichtigsten Gattungen im ersten Band des Lexikons sind Agave ("Jahrhundertpflanzen") mit mehr als 200 Arten, sowie Aloe mit ungefähr 450 Arten. Weitere wichtige Gattungen sind Haworthia, Bulbine und Sansevieria ("Bogenhanf") mit je etwa 60 Arten. Zusätzlich enthält der Band auch eine Auswahl an xerophytischen Zwiebelpflanzen aus verschiedenen Gattungen.

Band 2 umfasst die zweikeimblättrigen Pflanzen und beschreibt Sukkulenten aus 47 Familien und 161 Gattungen. 8 weitere Familien werden zusätzlich kurz erwähnt. Insgesamt sind mehr als 200 Arten und 500 infraspezifische Taxa enthalten. Die Familien Didieraceae, Fouquieraceae und Nolanaceae werden in ihrem gesamten Umfang behandelt. Die größte Gattung in diesem Band ist Euphorbia (Wolfsmilch) mit rund 700 sukkulenten Arten. Weitere wichtige Gattungen sind Othonna, Senecio, Jatropha, Monadenium, Pelargonium, Adenia, Peperomia, Cissus, Cyphostemma, Portulaca, Anacampseros, Avonia und Talinum.

In Band 3 werden insgesamt rund 1000 Arten und etwa 120 infraspezifischen Taxa aus 70 Gattungen besprochen. Die wichtigsten Gattungen sind Caralluma, Echidnopis, Huernia, Orbea und Stapelia (zusammen 250 Arten). Weitere wichtige Gattungen sind Brachystelma (etwa 120 Arten) sowie Ceropegia ("Leuchterblumen", rund 160 Arten).

Band 4 umfasst die Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) in ihrem ganzen Umfang. Es sind 33 Gattungen und 23 Hybridgattungen mit insgesamt 1410 Arten und 305 infraspezifischen Taxa behandelt. Die größte in diesem Band behandelte Gattung ist Sedum („Mauerpfeffer“, „Fetthenne“) mit 428 Arten. Weitere große Gattungen sind Aeonium (36 Arten), Crassula (195 Arten), Dudleya (47 Arten), Echeveria (139 Arten), Kalanchoe (144 Arten), Rhodiola (58 Arten), Sempervivum (63 Arten) und Tylecodon (46 Arten).

Sukkulenten-Sammlungen

Botanische Gärten mit sehenswerten Sammlungen sukkulenter Pflanzen im deutschsprachigen Bereich.

Weblinks

Internet-Knotenpunkt mit tausenden von weiteren Links zu sukkulenten Pflanzen:

Deutschsprachige Gesellschaften für Kakteen und andere Sukkulenten:


Im Bereich der Anatomie wird flüssigkeitsreiches Gewebe als sukkulent bezeichnet.

See also: Sukkulente, Aeonium, Agavaceae, Agave, Agavengewächse, Aizoaceae, Aloe, Amaranthaceae, Amaryllidaceae, Anacardiaceae