Sumer
Sumer bezeichnet eine der fünf autochthonen Hochkulturen in Mesopotamien. Sumer, Shumer oder Schumer kommt aus dem Akkadischen und bedeutet Kulturland – eine Anspielung auf die Leistung der Sumerer als Kulturbringer.
Aus der Vermischung der im Süden Mesopotamiens lebenden Ubaidier und aus der arabischen Wüste einwandernden Semiten entstand etwa 4000 v. Chr. die Bevölkerung, aus der in der Folgezeit die sumerischen Stadtstaaten hervorgehen sollten. Die sumerische Sprache steht isoliert da, sie ist mit den semitischen Sprachen nicht verwandt.
Am Anfang standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsam, Nippur und Ur), welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten.
Erster bekannter Herrscher von Sumer ist Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war.
Sein Nachfolger Meskiaggascher, König von Uruk (dem biblischen Erech), gründete weit südlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn Enmerkar (um 2750 v. Chr.) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde Enmebaragesi (um 2700 v. Chr.), ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer.
Die Akkadier aus dem Norden vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Gefördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer.
Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der 3. Dynastie von Ur endete unter dem Druck Elams aus dem Osten.
Kleinreiche um Assur, Babylon, Eschunna, Der und Susa entstanden in Folge.
Mesopotamien wurde in der Folgezeit von Assyrien und Babylonien dominiert.
Sumers kulturelle Bedeutung
Obwohl die Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (Ägypten, China, Maya), so ist für Europa die sumerische Keilschrift von zentraler Bedeutung. Entwickelt für das Sumerische, wurde die Keilschrift erfolgreich an das Akkadische und Hethitische (auch Hittitisch) angepasst, und gilt als Vorläufer vieler Schriften.
Die Entwicklung des Rades – ebenfalls erstmals in Sumer benutzt – steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungs- und Rohstoffquelle (z.B. Leder) sind, sondern auch als Zugtiere dienen können (Pflug, Karren).
Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen.
Im Bereich der Landwirtschaft hat Sumer wahrscheinlich keine neuen Nutzpflanzen oder Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der Bewässerung sowie der Einführung der Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstiche nur bedingt nutzbar.
Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des Gewölbes und gründeten mit Ur, Uruk und Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen Zikkurat.
Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Regionen. Die Herkunft der Sumerer ist bis heute ungeklärt. Die großartige Leistung der Sumerer besteht in der Schaffung der ersten autochthonen Hochkultur der Menschheit ab ungefähr 3500 v. Chr. in einem Gebiet, das keinesfalls ein landschaftlicher Gunstraum war, sondern mühevoll umgestaltet werden musste. Die gewaltige Leistung bei der Entwicklung zur Hochkultur im Gefolge der neolithischen Revolution bzw. Evolution kann keinesfalls überbewertet werden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der kleinen Anzahl von nur fünf authochtonen Hochkulturen. Anmerkung: Absolute Jahreszahlen innerhalb der sumerischen Datierung variieren je nach Lehrmeinung um etwa 100 Jahre. Zur genaueren Datierung sollte Fachliteratur herangezogen werden.
Literatur
- Edzard, Dietz Otto: Geschichte Mesopotamiens, Beck, München 2004. ISBN 3-406-51664-5
- Uhlig, Helmut: Die Sumerer, Lübbe, Bergisch-Gladbach 1992. ISBN 3-404-64117-5
Weblinks
- ancient-cultures.com - Der Untergang der Sumerer (dt.)
- - Eine elektronische Sammlung der sumerischen Texte (engl.)
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