Symbol
Das Wesen des Symbols
- a)Ein Symbol ist wohl ein Zeichen, aber mehr als ein Zeichen, mögen Zeichen ursprünglich mit einem Symbol sehr verwandt sein, so sind sie als Symbole ihres ursprünglichen symbolischen Wesens "beraubt" und zum bloßen Zeichen verflacht:
- Beispiele: die Buchstaben der Schriftsprache, niemand denkt bei ihrem Gebrauch an ihre Symbolkraft des Ursprungs.
Verkehrszeichen
- b) 'Ein Symbol hat über das Vordergründige hinaus eine tiefere hinweisende Bedeutung und partizipiert an ihrem Inhalt:'
- 1.Beispiel: der Geldschein- im Augenblick des Wechsels von der DM zum EURO wird das besonders deutlich:
Ein 10-EURO-Schein ist von seinem Materialwert her ein Stück bedrucktes Papier- Der Aufdruck zeigt, welchen Wert dieses Stück Papier repräsentieren soll. Bekannt ist es länger, aber die Kraft der Repräsentation hat das Stück Papier erst mit seiner Inkraftsetzung seit dem 1. Januar 2002. (Das (Vollmachts)Wort macht den Symbolwert aus- oder: setzt ihn in Kraft) : Jetzt repräsentiert dieser Schein nicht nur, sondern er präsentiert (vergegenwärtigt) ihn auch:
- c) Seit seiner Inkraftsetzung hat der 10 EURO-Schein den Wert von 10 EURO, ohne ihn in sich und aus sich heraus zu haben. Wir unterscheiden zwischen dem Materialwert und dem Symbolwert: Das Material wird zum Träger des Symbols:
d.h.: dieses Stück Papier symbolisiert wohl den Wert von 10 EURO, und ohne das Stück Papier kann ich auch keine 10 EURO nach Hause tragen. Das gilt so lange, wie diese Währung gültig ist, bis sie ihren Sinn verliert ( wie jetzt bei der DM). *2. Beispiel: die Fahne: ist von seinem Materialwert her nicht mehr als ein Stück bedrucktes Tuch, das wie die Verkehrszeichen etwas darstellt
- weist von seinem Inhalt her auf das hin, was es repräsentieren und dann präsentieren soll:
- die Gemeinschaft, für die es steht:
a. der Staat - die Fahne, die gehißt wird, die auf Halbmast steht - die Fahne, die vom Gegner der Feind verbrannt wird, vernichtet nicht nur ein Stück Stoff, sondern das Land, das die Fahne präsentiert.(wehe, wenn ich den Lappen von der Stange nähme, um, mir die Schuhe damit zu putzen!- ich müßte nicht nur den Stoff ersetzen!)-- ein Stück Stoff grüßt man nicht, und über ihm spricht man auch keinen "olympischen Eid" die Vereidigung der Soldaten geschieht über der Fahne +b. die Olympiaflagge ist Symbol des Olympischen Geschehens: Über ihr wird der olympische Eid gesprochen.
- Der Aufdruck der Fahne präsentiert auch den Wert das Wesen dieser Gemeinschaft:
Beispiel: die Hakenkreuzfahne im roten Blut - Schwarz-Rot-Gold als Farben der Burschenschaften der Freiheitsbewegung etc.
- 3.. die symbolische Handlung: mittels des Symbols wird in einer feierlichen Handlung
- a. das Symbol in Kraft gesetzt
- b. mittels des Symbols die Gemeinschaft präsentiert und repräsentiert: Beispiel: Fahnengruß (oder verachtet: s.o.)
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In der Philosophie
In der Ästhetik (als einer Sparte der Philosophie) ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ von Ludwig Uhland. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole "Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann." (Zur Logik der Theologie, München 1984, 22). Hiergegen steht die These der Psychoanalyse, besonders Sigmund Freud und Ernest Jones, daß sich Symbole hauptsächlich über Verdrängung strukturieren.
Der Philosoph Jacques Derrida nimmt Symbole als wirkend an und schuf für das wirkende Zeichen den Begriff der Differance.
Der Literaturtheoretiker Kenneth Burke versucht, Symbole als rhetorische Strategien zu begreifen, die dazu dienen, Konflikte der individuellen Psyche in die Gesellschaft zu entlassen.
Mit der Symbolik, der Erforschung des Wesens und der Arten der Symbole, hat sich bahnbrechend Ernst Cassirer befasst.
In der Religion
- Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus, z.B. das Rad (als Symbol der ewigen Wiederkehr), das leere Grab (als Symbol der Auferstehung), der Weg (als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung).
- Daneben gibt es in den christlichen Kirchen Glaubenssymbole, das sind Glaubensbekenntnisse. Dies leitet sich von einer Nebenform des griechischen Wortes sýmbolon, dem symbólaion (griechisch συμβόλαιο[ν]), ab: der Vertrag, die Übereinkunft. Diese Symbola sind als verbindliche Glaubensurkunden zu verstehen (z.B. das Apostolikum und die Confessio Augustana). Auch eine Zahlensymbolik durchzieht das theologische Denken, deren Grundlage die Drei als Zahl der Dreieinigkeit und der theologischen Tugenden, und die Vier als Zahl der Welt bilden. Es gibt vier Tages- und Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Elemente, Lebensalter, vier christliche Kardinaltugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit), vier Ströme des Paradieses (Euphrat, Tigris, Pison, Geon), als Männer mit Wasserkrügen z.B. am Taufbecken des Hildesheimer Doms abgebildet. In der Vierzahl kommen auch die großen Propheten und die Evangelisten vor. Drei und vier ergeben addiert sieben, multipliziert zwölf. In der Siebenzahl treten die Tugenden, die Todsünden und die freien Künste (artes liberales) auf, zu zwölfen die Monate, die Stämme Israels, die kleinen Propheten, die Jünger Jesu.
Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen.
Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass alle "Religiöse Sprache" im Wesentlichen symbolisch sei, weil ja die Religion sich ja meist auf die Transzendenz bezieht und damit alles Vordergründige ( als die Immanenz )übersteigt.
Beispiele
Religiöse Symbole sind u.a.:
- Baha'i: der neun-zackige Stern
- Buddhismus: das acht-speichige Rad der Lehre; Internationale Buddhistische Flagge
- Christentum: Alpha und Omega, Kreuz, Fisch, Christusmonogramm, Agnus Dei
- Christliche Symbole
- Hinduismus: Om
- Islam: Halbmond
- Judentum: Davidstern (magen David, das Schild Davids), Menora (siebenarmiger Leuchter)
Beispiele "Religiöser Handlungen"
sind die Sakramente wie Taufe und Abendmahl
In der Politik
sind Symbole häufig, (z. B. in Gestalt nationaler Fahnen).
Beispiele
Beispiele für politische Symbole:
- das Hakenkreuz als Symbol für den Nationalsozialismus
- Hammer und Sichel als Symbol des Kommunismus
- der Halbmond als Symbol für den Islam und islamische Einrichtungen (Roter Halbmond)
- das christliche Kreuz als Zeichen christlicher Bewegungen und Institutionen (Rotes Kreuz)
- der Turban und das Schwert des Sikh als öffentliches symbolisches Bekenntnis
- der Fez als Kennzeichen islamischer Männer (vgl. das laizistische Fez- und Kopftuchverbot in der modernen Türkei im Kampf gegen das Kalifat)
- das Kopftuch oder auch der Schleier als Kennzeichen islamischer Frauen, politisch vom Islamismus zum Zeichen der öffentlichen Bekenntnisses zur Recht- und Strenggläubigkeit aufgewertet
- das rote Kreuz auf weißem Grund als Abzeichen des Roten Kreuzes als einer NGO, in politischer Absetzung zu Nationalfahnen, bes. im Krieg als Zeichen politischer Neutralität
- die Farbe Grün steht für den Islam und islamische Einrichtungen und wird politisch vielfach verwandt (vgl. die Fahne des revolutionären Libyen)
- die Farbe Violett steht für die evangelische Kirche bzw. für die Frauenbewegung
- das Kreuz ist das zentrale religiöse Symbol des Christentums, wurde aber vielfach politisch gezeigt (von den Kreuzzügen bis zu politischen Freiheitsdemonstrationen 2004 in der Ukraine
In manchen Staaten (z. B. in Frankreich), ist das Tragen von politischen oder religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden verboten.
Siehe auch Nationale Symbole, Meinungsfreiheit, Kopftuchstreit, Staatsneutralität, weltanschauliche Neutralität
In der Wirtschaft
sind Symbole zumal am Erfolg von Marken beteiligt (z. B. der "Erdal"-Frosch). Doch auch allgemeine Symbole existieren, wie das Standbild zum Zeichen des Marktfriedens - der "Roland" - in deutschen Städten (heute noch in Bremen und Wedel).
In der Technik
sind eher als Symbole Allegorien von großer Bedeutung, vereinfachte Darstellungen real existierender Teile oder Systeme. (Aus ihnen geht hervor, um welches prinzipielle Teil es sich handelt, unabhängig davon, ob die reale Ausführung modernisiert ist, wie z.B. der Papierkorb in der Desktopeinstellung.) Doch haben einige davon auch symbolische Kraft gewonnen (die Silhouette einer Dampflokomotive, der Zirkel in der Fahne der DDR).
Im Sport
Im Wettkampf haben sich etliche Symbole durchgesetzt (z. B. die Goldmedaille bei Sieg, Silber für den zweiten, Bronze für den dritten, dem vierten bleibt nur die "blecherne" Medaille).
In der Pädagogik
Hier ist die Symboldidaktik zu nennen.
Siehe auch
- Liste von Symbolen
- Abzeichen
- Allegorie
- Begriff
- Dingbats
- Genealogische Zeichen
- Hieroglyphen
- Kennzeichen
- Maskottchen
- Piktogramm
- Siegel
- Signal
- Signographie
- Sinnbild
- Symbolischer Interaktionismus
- Symbolismus (Symbole in der Literatur)
- Todessymbolik
- Wappen
Literatur
- Udo Becker, Lexikon der Symbole, ISBN 3898362191
Weblinks
katholische Kirche im Internet: katholische Symbole und Riten
! Kategorie:Rhetorischer Begriff Kategorie:Literarischer Begriff Kategorie:Stoffe und Motive
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