Szenario-Technik
Die Szenario-Technik ist eine Methode in der Planung, die auf der Entwicklung und Analyse zukünftiger Szenarios beruht. Szenarios stellen dabei "mögliche Zukünfte" dar. Die Szenario-Technik fokussiert auf die Analyse von Extremszenarios (positives Extrem-Szenario, negatives Extrem-Szenario, Trendszenario) oder besonders relevante/typische Szenarios.
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Hintergrund und Anwendungsfälle
Die Szenario-Technik mit ursprünglich militärischen Wurzeln hat mittlerweile Anwendungsmöglichkeiten in ökonomischen und gesellschaftlichen Fragestellungen gefunden. Die bevorzugten Anwendungsbereiche sind:
- Vorbereitung von Entscheidungen
- Orientierung hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen
- Strategieentwicklung und -überprüfung
Beispiele:
- volkswirtschaftliche Szenarios: Dennis Meadows Studie für den Club of Rome: Die Grenzen des Wachstums ISBN 3499168251
- strategische Unternehmensplanung: Bei Shell wurde die Szenario-Technik in den 70er Jahren erfolgreich bei der Bewältigung der Ölkrise eingesetzt.
Weitere Anwendungsfelder finden sich im Projektmanagement und im Risikomanagement.
Szenario-Trichter
Szenarios werden häufig in Form eines Szenario-Trichters dargestellt. Den Ausgangspunkt der Betrachtung bildet das Trendszenario, welches auf einer Zeitachse aufgespannt wird. Dieses Trendszenario stellt die zukünftige Entwicklung unter der Annahme stabiler Umweltentwicklungen dar. Da im Regelfall allerdings von instabilen Umweltbedingungen ausgegangen werden muss, werden sowohl positive als auch negative Entwicklungsmöglichkeiten berücksichtigt.
Durch die immer weitere Entfernung von der Gegenwart und den damit verbundenen möglichen Abweichungen vom Trendszenario erhöht sich die Spannweite mit Fortdauer der Zeit. Jenes Extremszenario, das die bestmögliche Entwicklung ("best case") aufzeigt, stellt das obere Ende des Trichters dar, wohingegen der sogenannte "worst case", also die schlechteste Entwicklungsmöglichkeit, das untere Ende bildet.
Szenario-Trichter
Phasen
Die Anwendung der Szenario-Technik wird in der Literatur in Phasen eingeteilt. Es finden sich unterschiedliche Phasenmodelle, die sich in der Regel nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Im folgenden wird das Vorgehen der Szenario-Technik an einem einfachen Phasenmodell erläutert.
Schritt 1: Aufgaben- und Problemanalyse
Im Rahmen der Aufgaben- und Problemanalyse wird der Untersuchungsgegenstand zunächst festgelegt und beschrieben. Anschließend werden die Faktoren/Deskriptoren ermittelt, die den Untersuchungsgegenstand bzw. die künftigen Szenarios dieses Feldes beschreiben und möglicherweise beeinflussen.
Output dieser Phase sind eine detaillierte Aufgaben- und Problembeschreibung, sowie eine Faktorenliste.
Schritt 2: Einflussanalyse
In der Einflussanalyse wird untersucht, wie sich die einzelnen Faktoren wechselseitig beeinflussen. Dies kann mit einer Vernetzungstabelle ermittelt werden. Hierbei werden die Deskriptoren einander gegenübergestellt. Im direkten Vergleich wird ermittelt welchen Einfluss (keinen, mittlere Wirkung, hohe Wirkung) ein Faktor auf einen anderen Faktor besitzt. Anschließend können jeweils die Aktiv- und die Passivwirkungen kumuliert werden und die Faktoren in einer Einflussmatrix miteinander verglichen werden. (Dieser Schritt findet sich auch in Frederic Vesters Sensitivitätsmodell.)
Output dieser Phase sind die Vernetzungstabelle und eine Einflussmatrix.
Schritt 3: Trendprojektion und Ermittlung von Szenarios
Zunächst gilt es die unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen Faktoren zu ermitteln. Welche Ausprägungen sind für die einzelnen Faktoren möglich? Die unterschiedlichen Ausprägungen können generisch in einem morphologischen Kasten ermittelt werden. Durch die mathematische Kombination der verschiedenen Faktorausprägungen entstehen mögliche Szenarios. Da aber unter Umständen nicht alle Kombinationen sinnvoll sind oder sich sogar ausschließen, oder mehrere Kombinationen aufgrund ihrer Ähnlichkeit oder Bedeutung zusammengefasst werden können, ist eine Bündelung der Alternativen und eine Beschränkung der weiteren Untersuchung auf ausgesuchte Szenarios oder Alternativenbündel sinnvoll. Üblicherweise wird man wenigstens die beiden Extremszenarios, das Trendszenario und eventuell wenige, ausgewählte Szenarios weiter betrachten.
Output dieser Phase sind die möglichen Ausprägungen der einzelnen Faktoren/Deskriptoren, sowie eine Beschreibung der Alternativenbündel/Szenarios mit ihren jeweiligen Faktorausprägungen.
Schritt 4: Bewertung und Interpretation
Die ausgewählten Szenarios werden in dieser Phase weiter untersucht. Die Szenarios werden mit ihren geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeiten und den mit den jeweiligen Szenarios verbundenen Chancen und Risiken gegenübergestellt. Nach dieser Betrachtung können Maßnahmen für die einzelnen Szenarios definiert werden, um sich für diese zu rüsten.
Output dieser Phase ist Bewertung und Gegenüberstellung der ausgewählten Alternativen.
Literatur
- Ute von Reibnitz: Szenario-Technik., Wiesbaden 1992, ISBN 3409234314
- Olaf Albers: Gekonnt moderieren: Zukunftswerstatt und Szenariotechnik. Regensburg 2001, ISBN 3802945867
- Uwe Götz: Szenario-Technik in der strategischen Unternehmensplanung, o.O. 1999, ISBN 3824400782
- Johann Frank: Szenario-Technik in der Praxis: acht Industrie- und Handelsunternehmen entwickeln ein "Szenario 2000". Wien 1985, aus der Schriftreihe Rationalisieren
Links
- Retzmann, Thomas (1996): Die Szenario-Technik. Eine Methode für ganzheitliches Lernen im Lernfeld Arbeitslehre. In: awt-info, 15. Jg. 1996, Heft 2, S. 13-19., http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/retzmszen.htm
- Weinbrenner, Peter (1997): Szenariotechnik. Bielefeld., http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/szenariotechnik.htm
