Tabula Peutingeriana

thumb|300px|Tabula Peutingeriana (Ausschnitt) - von oben nach unten: Balkanküste, Adria, Spitze des italienischen Stiefels und Sizilien sowie die Mittelmeerküste Afrikas

Die Tabula Peutingeriana, auch Peutingersche Tafel, ist eine Karte, die das Straßennetz (Römerstraße) im spätrömischen Weltreich von den britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den nahen Osten bis nach Indien mit dem Ganges, der Insel Sri Lanka (Insula Trapobane) im Indischen Ozean und China wiedergibt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine Vorlage für die Tabula Peutingeriana könnte die Weltkarte von Marcus Vipsanius Agrippa (64 v. Chr. - 12 n. Chr.), einem engen Freund des römischen Kaisers Augustus, gewesen sein. Nach seinem Tod war diese Karte in den Grabstein eingemeißelt worden, welcher sich im Porticus Vipsaniae, nicht weit von Friedensaltar, an der Via Flaminia befindet.

Das einzige heute erhaltene Exemplar dieser ursprünglich römischen Weltkarte aus dem 4. Jhdt. n. Chr. ist eine mittelalterliche Kopie aus dem 13. Jahrhundert. Es ist das Werk eines anonymen Kopisten aus Colmar, der damit um 1265 eine ältere Vorlage reproduzierte. Die Originalkarte muss nach 328 angefertigt worden sein, da sie die Stadt Konstantinopel zeigt, welche in diesem Jahr gegründet worden war. Jedoch war sie nicht auf dem damals aktuellen Stand, da auch die Stadt Pompeji zu sehen ist, die nach dem Ausbruch des Vesuv 79 nicht wieder aufgebaut worden war. Andererseits sind einige Orte in der Provinz Germania Inferior eingezeichnet, welche im 5. Jahrhundert zerstört worden waren.

Der Wiener Humanist Conrad Celtis (andere Schreibweise: Konrad Bickel) (1459-1508) fand sie und übergab sie seinem Freund dem Augsburger Ratsherren Konrad Peutinger (1465-1547). Peutinger hatte vor, diese Karte zu veröffentlichen, doch er verstarb bevor er diese Aufgabe zu Ende führen konnte. Da sie erstmals nach seinem Tode publiziert wurde, benannte man sie nach ihm. 1591 wurde die Karte im belgischen Anvers im bekannten Verlagshaus von Johannes Moretus unter dem Namen "fragmenta tabulae antiquae" gedruckt.

Im weiteren Verlauf wechselte die Karte mehrmals den Besitzer, bis sie im Auftrag von Prinz Eugen von Savoyen 1717 von einem Leipziger Antiquariat gekauft wurde. Nach seinem Tode 1736 ging sie in den Besitz der kaiserlichen Hofbibliothek über und liegt deshalb heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Kartenaufbau

Ursprünglich wurde diese Kopie aufgerollt und hatte eine Breite von 34 cm und eine Länge von 6,75 m. Sie bestand wahrscheinlich aus zwölf zusammengesetzten Pergamentstücken. 1863 wurde die noch erhaltenen elf Teile zerlegt, damit die Karte nicht durch das Aufrollen weiter strapaziert wird.

Das erste Blatt zeigt die Britischen Inseln, die Niederlande, Belgien, einen Teil Frankreichs und den Westen Marokkos. Die Tatsache, dass die Iberische Halbinsel auf keinem der Blätter vorhanden ist, lässt vermuten, dass es ein zwölftes, heute verlorenes Blatt gegeben hat, welches die Gebiete Spaniens und Portugals sowie einen Teil Westenglands gezeigt hat.

Karteninhalt

Die Karte ist von großer Bedeutung, da auf ihr zahlreiche Ortschaften eingezeichnet sind und sie so die Besiedlung und die Verkehrsachsen zu dieser Zeit sehr gut wiedergibt. Sie zeigt über 200.000 Kilometer Straßen, aber auch Ortschaften, Meere, Flüsse, Waldgebiete und Gebirge. Aufgrund ihres Formats können Entfernungen und Landschaften nicht realistisch wiedergegeben werden, was allerdings auch nicht die Absicht des Erstellers. Die Tabula muss vielmehr als stillisierte Karte gesehen werden, ähnlich den heutigen Nahverkehrsplänen wie zum Beispiel bei der Münchener S-Bahn. Sie dient einzig der Übersicht über das vorhandene Straßennetz und dazu, Entfernungen zwischen zwei Orten zu kennen.

Etwa 555 Städte und Dörfer sowie 3500 weitere geografische Objekte wie zum Beispiel Leuchttürme und wichtige Heiligtümer sind eingezeichnet und häufig auch mit kleinen Abbildungen versehen. Städte sind durch zwei Häuser gekennzeichnet, große Metropolen wie Rom, Konstantinopel und Antiochia sind mit einem Medaillon versehen. Die Entfernungsangaben sind mehr oder weniger genau in unterschiedlichen Einheiten angegeben.

Weblinks

See also: Tabula Peutingeriana, 1863, 328, 4. Jahrhundert, 79, Antiochia, Anvers, Ara Pacis, Augustus, Colmar