Tanz

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Definition und dem Begriff Tanz. Für einen umfassenderen Überblick über das Gebiet Tanzen siehe Portal Tanz


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"Der Tanz" von Henri Matisse

Tanz, englisch dance, italienisch ballo, spanisch baile, ist ein Sammelbegriff für jede Art spielerisch-rhythmischer Körperbewegung, die Musik- oder Geräuschbegleitung interpretiert, begleitet oder auch Teil davon ist. Oft stellen Tänzer eine Handlung dar, was im Ballett seine künstlerische Überhöhung findet.

Des Weiteren beschreibt das Wort Tanz in der klassischen Musik auch Musikstücke, die explizit komponiert wurden, damit nach Ihnen getanzt werden kann, oder aber reine Vortragsstücke, die auf Tänzen aufgebaut sind wie z. B. die barocke Suite.

Inhaltsverzeichnis

Motivation - Warum tanzen Menschen?

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Ägypten um 1400 v. Chr.

Tanzen ist oftmals ritualisiert und von hoher religiöser und/oder kultureller Bedeutung. So wird getanzt um Götter zu verehren, Naturmächte mittels Regen- und Fruchtbarkeitstänzen milde zu stimmen oder um Initiationsriten zu bestätigen; stets soll dabei auch die Zusammengehörigkeit einer Gruppe signalisiert werden. Moderne Beispiele für diese Tanzformen sind der Orientalischer Tanz, der vermutlich auf Fruchtbarkeitstänze zurückgeht, das gesellige Tanzen zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten, wie es seit der Antike verbreitet ist oder Tanzbälle, die Initiationsrituale widerspiegeln (Abschlussball einer Tanzschule) oder als ritualisierte gesellschaftliche Begegnungsform dienen (Wiener Opernball).

Als eher gegenteilige Motivation des Tanzens werden der Fortpflanzungstrieb und der Kampf um Rangfolgen angesehen, da hier nicht die Zusammengehörigkeit einer Gruppe sondern die Stellung verschiedener Individuen zueinander innerhalb derselben im Vordergrund stehen. Beispiele für Tanzformen, die auf diese Beweggründe zurückgehen, sind der samstagabendliche Besuch einer Disco um potentielle (Sexual)Partner kennenzulernen und durch den eigenen Tanzstil zu beeindrucken, der sportliche Turniertanz als Wettkampf im Allgemeinen wie auch speziellere Konkurrenzformen wie z.B. das B-Boying.

Nicht zu vernachlässigen sind biologische Motivationsgründe, denn durch das Tanzen - wie i.A. durch alle Formen des Sports- wird nicht nur der Körper des Tanzenden trainiert und die Motorik gefördert, durch das Zusammenwirken von Bewegung und der emotionsauslösenden Wirkung von Musik werden auch Endorphine ("Glückshormone") ausgeschüttet: Tanzen macht Spaß.

Intellektuelle und künstlerische Motivationsgründe liegen Tanzformen wie dem Ballett oder dem Ausdruckstanz zugrunde. Hier ist das Ziel nicht Spaß oder Wettkampf sondern die Darstellung einer Handlung oder eines Gefühlsausdrucks nicht nur mit Mimik und Gestik sondern mit dem gesamten Körper.

Erscheinungsformen des Tanzens

Es gibt sehr viele verschiedene Erscheinungsformen des Tanzens, im folgenden soll erläutert werden, wie diese klassifiziert werden können und die wichtigsten Formen sollen kurz dargestellt werden:

Systematik - Wie lassen sich Tänze ordnen?

Neben der Klassifizierung nach Anzahl der Tanzenden in Einzel-, Paar- und Gruppentanz kann auch der Anlass oder Rahmen des Tanzens zur Unterscheidung von Volkstanz, Gesellschaftstanz und Tanzsport verwendet werden. Die folgende Tabelle stellt das zweidimensionale Kategorienschema beispielhaft dar, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Systematik
Volkstanz Gesellschaftstanz Tanzsport
Einzeltanz Samba Stepptanz Orientalischer Tanz
Paartanz Polka Wiener Walzer Cha Cha Cha
Gruppentanz Sirtaki Squaredance Salsa Rueda

Zur genaueren Untergliederung kann die Kategorie Gruppentanz zusätzlich nach Anordnung der Tanzenden in Kreis-, Ketten-, Reihen- und Formationstanz untergliedert werden, während der Bereich Gesellschaftstanz in zahlreiche Unterbereiche wie Mode- und Partytänze, historische Gesellschaftstänze oder die Tänze des Welttanzprogramms zerfällt.

Einige Tänze lassen sich mehreren Kategorien zuordnen, während andere Sonderformen darstellen, die sich nicht vollständig in dieses System einfügen lassen, z.B. Ballett und Ausdruckstanz als rein künstlerische Formen, meditatives Tanzen als Selbsterfahrung, Striptease als erotische Selbstdarstellung oder Bandaloop als Fusion aus Tanz und der Sportart Klettern. Gelegentlich werden Tänze aufgrund spezieller Merkmale nicht als Teil des Systems empfunden obwohl sie gut einordenbar sind, so z.B. der Stepptanz, der durch den perkussiven Einsatz der Fußtechnik das Tanzen mit dem Spielen eines Rhythmusinstrumentes verbindet.

Trotz des Namens nicht zu den Tänzen zu rechnen ist das als Seiltanz bezeichnete Balancieren auf einem gespannten Seil, da dieses i.A. nicht im Rhythmus begleitender Musik erfolgt; Seiltanz wird stattdessen als Disziplin der Akrobatik gewertet.

Historischer Tanz

Historische Tänze sind oft nur noch dem Namen nach oder von Gemälden, Zeichnungen, aus Buchillustrationen oder dekorativen Reliefs bekannt. Während des Mittelalters wurden Tänze vorwiegend durch praktische Weitergabe von Tänzer zu Tänzer überliefert, eine Tanznotation war noch unbekannt. Im ausgehenden Mittelalter und der Frührenaissance wurden Tänze dann zunehmend von Tanzmeistern in selbst entwickelten Notationen festgehalten. Es handelte sich aber noch nicht um eine einheitliche Tanznotation oder um feststehende Schritte, so dass man sich heute für eine Rekonstruktion der Tänze zunächst die jeweilige Tanznotation erschließen muss. Eine allgemeingültigere Notation wurde erst zur Zeit Ludwigs des XIV. an der Academie Royale du Danse entwickelt. Gundzüge der dort festgelegten Schritte finden sich heute noch im Repertoire des klassischen Balletts.

Moderner Gesellschafts- und Turniertanz

Der moderne Gesellschaftstanz wird hauptsächlich über die verschiedenen Arten von Tanzschulen und Tanzsportvereinen verbreitet.

Welttanzprogramm

In europäischen Tanzschulen werden vorwiegend die Standardtänze, Lateinamerikanischen Tänze sowie Discofox und Foxtrott gelehrt, die zusammen das Welttanzprogramm bilden.

Standardtänze und Lateinamerikanische Tänze

Die fünf Standardtänze und die fünf Lateinamerikanischen Tänze sind die klassischen Turniertänze des Tanzsports. Zusammengenommen werden sie als die "zehn Tänze" (analog zu Zehnkampf) bezeichnet.

Salsa und Tango Argentino

Neben diesen Gesellschaftstänzen gibt es seit Beginn der 1980er Jahre eine stetig wachsende Szene sowohl um den Tango Argentino als auch um die Salsa. Nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa, Nordamerika und vor allem auch Japan sind in allen größeren Städten Szenetreffs und auf diese Tänze spezialisierte Tanzschulen zu finden. Diese Tanzformen haben sich relativ unabhängig von den etablierten Tanzschulen oder Tanzsportvereinen entwickelt. Entgegen verbreiteter Meinung werden beide Tänze daher nicht zu den Mode- und Partytänzen gerechnet.

Mode- und Partytänze

Modetänze sind Paartänze, die wie eine Modeerscheinung in kurzer Zeit sehr große Beliebtheit entwickeln und ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Meist sind sie wie z.B. Lambada mit einem festen Musikstück verknüpft. Partytänze sind Gruppentänze, bei denen die Tänzer auf ein meist dem Partytanz eindeutig zugeordnetes Musikstück eine feste Choreografie tanzen. Beide Formen werden in Tanzschulen aller Art unterrichtet und haben auch in die Salsaszene ihren Eingang gefunden.

Weitere Tanzformen

Paartänze:

- Charleston, Swing, Lindy Hop, Jitterbug, Boogie-Woogie, Rock 'n' Roll

- Discofox, Flamenco, Merengue, Bachata, Shimmy

Einzeln oder in Gruppen:

- Cancan

- Breakdance, Hip Hop, Capoeira

- Eiskunstlauf

- Modern Dance, Jazz Dance, Contemporary Dance (Contact Improvisation), Experimentaltanz

- Gogotanz, Stepptanz, Improvisationstanz, Polonaise, Pogo, Round Dance, Spitzentanz, Square Dance, Technotanz

- Meditatives Tanzen, sakraler Tanz, Kirchentanz

- Sitztanz

Siehe auch

Ballett - Ball (Tanz) - Tanzsport - Liste berühmter Tänzer - Liste der Tänze - Tanzfigur - Wiener Opernball - Tanzmusik

Zitat

„Tanz ist ein Telegramm an die Erde mit der Bitte um Aufhebung der Schwerkraft.“ Fred Astaire

Als spöttischen Ausdruck für die Dekadenz dieser diplomatischen "Praxis" prägte C. J. Fürst von Ligne im Hinblick auf den Wiener Kongress die Redewendung „Der Kongress tanzt viel, aber er geht nicht weiter“ („Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas“).

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Weblinks

See also: Tanz, 1980er, Abschlussball, Akrobatik, Antike, Ausdruckstanz, Bachata, Ball (Tanz), Ballett