Tarock
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Herkunft
thumb|Tarockkarten in der Hand eines Spielers Tarock ist ein traditionsreiches Kartenspiel, das in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts in Italien entstanden ist. Danach hat sich das Spiel nach Frankreich und in die deutschsprachigen Länder ausgebreitet. In der Habsburgermonarchie haben sich zahlreiche regionale Varianten entwickelt (Königrufen, Zwanzigerrufen, Neunzehnerrufen, Strohmandeln usw.), die bis heute in Österreich, Ungarn, Slowenien, Tschechien, in der Slowakei, in Rumänien und in der Ukraine gespielt werden. Bei Fritz von Herzmanovsky-Orlando wurde die österreichisch-ungarische Monarchie sogar Tarockanien genannt. In Deutschland war Tarock einst weit verbreitet, heute wird es nur noch unter der Bezeichnung "Cego" im Schwarzwald gespielt. In Frankreich und Österreich ist Tarock nach wie vor populär, in seinem Herkunftsland Italien ist es nur noch selten anzutreffen, vereinzelt wird auch in der Schweiz noch Tarock gespielt.
In Bayern wird unter der Bezeichnung Tarock ein Kartenspiel praktiziert, das mit dem klassischen Tarock wenig gemein hat. Das "Bayerische Tarock" wird mit deutschem Blatt gespielt, die nur die gewohnten vier Farben enthalten, keine Tarock als fünfte Farbe. Verwendet werden die Karten runter bis zum Sechser (36 Karten). Jeder Spieler erhält elf Karten und drei gehen in den Stock (= Talon). Einer spielt gegen zwei. Gereizt wird die zu erreichende Augenzahl von maximal 120, wie im Schafkopf oder Skat gezählt (die Sechser zählen dabei keine Augen). Der Alleinspieler erhält den Stock und bestimmt die Trumpffarbe.
Die Karten
Tarock wird mit einem charakteristischen Blatt gespielt, das neben den klassischen Farben Herz, Karo, Pik und Treff noch über die sogenannten Tarock verfügt, die mit römischen oder arabischen Ziffern nummeriert sind. Sie dienen als ständige Trümpfe. Außerdem gibt es eine zusätzliche Figurenkarte, den Cavall oder "Reiter", er rangiert zwischen Bube und Dame.
Insgesamt gibt es 78 Karten in einem vollständigen Tarock-Blatt. Mit diesem kompletten Blatt wird heute vor allem in Frankreich gespielt, in geringerem Umfang auch in Dänemark. In jenen Gebieten, die früher zur Habsburgermonarchie gehört haben, wird heute mit einem reduzierten Blatt von 54, 42 oder 40 Karten gespielt.
Die höchste Karte in den klassischen Tarockspielen ist heute der Sküs, auch Skys oder Gstieß genannt. Tarock I (der "Pagat") und Tarock XXI (der "Mond") sowie der Sküs heißen zusammen Trull, die in den meisten Regelvarianten eine besondere Rolle spielen.
Die Farbkarten der Tarock-Blätter sehen aus wie französische Spielkarten und haben nicht die esoterischen Symbole der Tarot-Karten, wie sie von manchen New Agern benutzt werden. Die Tarockkarten tragen römische Ziffern und sind meist mit je zwei Genreszenen dekoriert, wie zum Beispiel die vor allem in Österreich, Ungarn, Tschechien, in der Slowakei und in Slowenien verwendeten "Industrie-und-Glück" Karten (der Name stammt von dem auf der Karte II ("Uhu") abgebildeten Felsen mit der Aufschrift "Industrie und Glück", auf dem der Reichsadler sitzt).
Als eine der schönsten Varianten gilt das ungarische "Illustrierte Tarock" oder Paskiewitsch
Weitere verbreitete Varianten mit 54 Karten sind:
- Strohmann (2 Spieler)
- Tapp-Tarock (3 Spieler)
- Königrufen (4 Spieler)
- Neunzehnerrufen (4 Spieler)
- Cego
sowie mit 40 Karten:
- Zwanziger-Rufen (4 Spieler)
Historie
Tarock stammt nicht von Tarot ab, die Karten sind jahrhundertelang nur zum Kartenspielen verwendet worden, nicht zum Wahrsagen. Dies hat der berühmte Philosoph und Tarockliebhaber Michael Dummett in einer eindrucksvollen wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel "The Game of Tarot" nachgewiesen. Im deutschen Sprachraum wird das Kartenspiel als "Tarock" bezeichnet, die Wahrsagekunst als "Tarot", in England und in Frankreich ist in beiden Fällen der Ausdruck "tarot" in Verwendung.
Literatur
- Michael Dummett: "The Game of Tarot", London 1980
- Wolfgang Mayr, Robert Sedlaczek: "Das Große Tarockbuch", Wien 2001 ([1])
- Michael Dummett, John McLeod: "A History of Games Played with the Tarot Pack. The Game of Triumphs", New York 2004
- Regeln und Lizitationsliste sind unter Tarockspiel in Österreich zu finden
Das Spiel
Tarock hebt sich nicht nur durch die fünfte Farbe (den Tarock) von vielen anderen Kartenspielen (wie z.B. Bridge, Canasta) ab, sondern auch durch Spielelemente wie dem Rufen, der Lizitation und natürlich seiner unüberschaubar großen Anzahl an Varianten (v.a. in Österreich).
Einige Elemente sind bei so gut wie allen Varianten gleich (vielleicht mit leicht unteschiedlichem Namen)
Die Spielrichtung
Das Klassische Tarock wird gegen den Uhrzeigersinn gespielt, wobei es auch einige Varianten gibt, die mit dem Uhrzeigersinn gespielt werden.
Die Spieler
Die Vorhand
Die Vorhand sitzt neben dem Geber. Sie darf/muss mit dem Lizitieren beginnen und beginnt im Normalfall auch auszuspielen (außer bei Negativspielen oder evtl. bei Farbenspielen). Zusätzlich hat die Vorhand das Recht eine spezielle Spiele zu spielen, die nur ihr vorbehalten werden (Vorhandspiele).
Der Geber
Der Geber war im letzten Spiel die Vorhand und hat die Aufgabe die Karten zu mischen und zu geben.
Der Abheber
Der Abheber sitzt gegenüber des Gebers und teilt den gemischen Kartenstapel in zwei Teile, die dann vom Geber in umgekehrter Reihenfolge wieder Zusammengestzt werden. Zusätzlich hat der Abheber das recht drauf zu klopfen (eine spezielle Art zu geben)
Der Spielersteigerer
Derjenige der bei der Lizitation das höchste Spiel ansagt, ersteigert dieses und ist somit der Spielersteigerer. Je nachdem ob es ein Partnerspiel (Rufer) oder ein Solospiel (er spielt alleine) hat der Spielersteigerer die Aufgabe einen Partner zu rufen. Danach wählt er sich eine hälfte des Talons aus (wieder abhängig vom Spiel), und wählt seine Prämien.
Der/die Partner
Wer mit wem spielt hängt start vom Spiel ab (bei Negativ- oder Dreierspielen spielt einer gegen alle anderen, bei Rufern spielen zwei gegen zwei).
Das Rufen
Im Gegensatz zu vielen anderen Kartenspielen gibt es beim klassischen vier-Spieler Tarock (ganz speziell beim Königsrufen) keine festgelegten Partner. Die Karten und das gerufene Spiel entscheiden wer mit wem spielt.
So ruft sich der Rufer beim Königsrufer seinen König - Was nichts anderes bedeutet, als dass der Spielmacher einen beliebigen König (Herz, Karo, Pik, Treff/Kreuz) ruft. Derjenige der den König der gerufenen Farbe in seinem Spielblatt hat, ist der Mitspieler des Spielmachers, die anderen zwei Spieler spielen als zweites Team.
Nachdem die Karten immer neu gemischt werden, ändert sich ununterbrochen die Teamzusammensetzung.
Das Lizitieren
Eine weitere Besonderheit beim Tarock sind die Lizitierregeln (die Bestimmung, welcher Spieler welches Spiel wählt). Es gibt viele Varianten wie die Lizitation vor sich geht, im Grunde sind sie jedoch sehr ähnlich.
Es beginnt bei der Vorhand und derjenige, der das Höchste Spiel ersteigert, gewinnt, wobei grundsätzlich Negativspiele weniger Zählen als Positivspiele. Die Unterschiede bestehen dann daraus, ob man in das Lizitieren wieder einsteigen kann, ob man sich selbst überbieten darf oder ob es ein 2-Runden System gibt (wobei bei erst in der zweiten Runde Lizitiert wird, in der ersten Runde wird nur bestimmt, wer grundsätzlich Lizitieren kann/darf).
Die Spiele
Auch wenn es extrem viele verschiedene Spiele (oder Spielmodi) gibt, so sind sie relativ leicht anhand von Vor- und Nachsilben zu unterscheiden. Durch die Silben (Spielzusammensetzungen) wird auch über die Anzahl der Punkte entschieden. Die angeschrieben Anzahl an Punkten beziet sich auf die Königsruferregeln von [2].
Positivspiele vs. Nagativspiele
Positivspiele sind alle Spiele, wo es darum geht, neben anderen Bedingungen, mehr als die hälfte aller Punkte zu machen (stechen). Bei Negativspielen geht es darum möglichst keinen einzigen Stich zu machen.
Die Vögel
Als Vögel werden die untersten Tarock bezeichnet. Dazu gehören:
- I/1 - Pagat
- II/2 - Uhu
- III/3 - Kanari/Pelikan/Kakadu
- IIII/4 - Quapil/Gatter
Speziell unter den Vögeln ist der Pagat, der auch zur Trull gehört. Die Vögel zählen dann Punkte in der Endabrechnung wenn sie in der richtigen Zeit gespielt werden und mit ihnen gestochen wird. Der Pagat muss in der letzten Runde (=als letzte Karte) gespielt werden, der Uhu in der Vorletzten, der Kanari in der Drittvorletzen und der Quapil 4 Runden vor Schluss.
Ein angesagter Vogel muss in seiner entsprechenden Runde ausgespielt werden (selbst wenn man eine andere Tarock spielen könnte) und zählt nur dann als Pluspunkte, wenn mit ihm gestochen wird. Wird er vom Gegner abgefangen (=überstochen) oder in der falschen Runde gespielt (=gezogen), so zählt der entsprechende Vogel als Minuspunkte. Diese ganzen 'Zwangregeln' gelten übrigens nur, wenn der Vogel auch angesagt(lizitiert) wurde.
Rufer
Bei einem Rufer wird ein Partner gerufen (s.o.). Spielt man mit einem Partner so ist das 2 Punkte wert.
Zu Rufern gehören:
- Solorufer
- Besser/Vogelrufer
Dreier
Ein Dreier ist ein Spiel, wo man alleine gegen alle drei anderen Spieler spielt. Ein Dreier ist 8 Punkte wert.
Dreier sind:
- Dreier
- Solodreier
- Farbendreier
- Dreier mit Vogel
Solo
Solo ist eine Vorsilbe, die anzeigt, dass man das Spiel ohne den Talon schafft. Alle Boni zählen bei einem Solorufer doppelt, genauso wie das Spiel.
- Solorufer
- Solodreier
- Solofarbendreier
Negativspiele
Negativspiele unterscheiden sich von Positivspielen indem es nicht darum geht mehr als die Hälfte der Punkte (=Stiche) zubekommen um zu gewinnen, sondern es geht darum möglichst keine (bzw. genau einen/zwei) Stiche zu haben. 'Wer verliert, gewinnt'
Zusätzlich ist zu sagen, das Negativspiele keine Partnerspiele sind, dass zusätzlich zum Farbzwang auch noch Stichzwang (wenn man Stechen kann muss man stechen, wobei Farbzwang vor Stichzwang herrscht) und es keine Prämien gibt (Ausser der Jungfrau beim Trischaken) und dass der Spielersteigerer immer als erstes ausspielt (Nicht wie sonst die Vorhand).
Negativspiele werden auch selten zu Ende gspielt, da sich meist schon sehr früh herrausstellt, ob das Spiel zu schaffen ist oder nicht (ob es durchgeht).
Ouvert/Offen
Einige Negativspiele können Ouvert gespielt werden. Meist sieht die Runde so aus, dass der Spielersteigerer die erste Karte ausspielt, wobei jeder nur seine eigenen Karten kennt. Danach werden alle Karten (inkl. dem Talon) offen auf den Tisch gelegt. Ab jetzt herrscht striktes Sprechverbot (wobei sich klassiker wie 'I seh schon' oder 'das geht NIE' oft nicht vermeiden lassen). Jeder weiss also wie die Karten der anderen Mitspieler aussehen und muss so versuchen, das Spiel zu zerstören.
Das Ouvert spielen ist nicht nur ein sehr seltenes Spiel, sondern auch unglaublich Spannend und extrem Strategisch. Es gibt kaum ein Spiel, das den Adrenalinspiegel mehr in die Höhe schnellen lässt.
- Bettler Ouvert
- Piccolo Ouvert
Bei/Drei
Diese Spezielle Nachsilbe erlaubt es, dass zwei oder sogar drei Leute dasselbe Negativspiel spielen. Bei-Spiele erlauben dass mehrere Spieler mit schlechten Karten (=gut für Negativspiele) beim Lizitieren gewinnen, da die Punkte für jedes Spiel zusammengezählt werden. Dadurch ist es Möglich z.B. einen Dreier durch einen Bettler-Bei zu übertrumpfen.
- Bettler-Bei
- Piccolo-Drei
Bettler
Beim Bettler geht es analog zum Bettler beim Talon- oder Königsschnapsen darum, keinen einzigen Stich zu bekommen.
Piccolo
Bei diesem Spiel muss der Spielersteigerer genau einen Stich machen. Auch wenn es vielleicht leichter klingt als ein Bettler, ist der Piccolo oft deutlich schwerer als der Bettler. Genauso oft wird er auch unterschätzt und die Spieler sitzen am Ende mit keinem einzigen Stichen oder glaich mehreren da.
Zwickolo
Analog zum Piccolo, jedoch mit genau zwei Stichen.
Trischaker
Das Trischaken spielt eine Spezialrolle unter allen Spielen. Erstens darf es nur von der Vorhand gerufen werden, zweitens ist es ein Negativspiel und drittens beginnt je nach Spielvariante danach ein Radl.
Das Trischaken ist ein relativ schnelles Spiel mit meist relativ wenig Taktik. Es geht nur darum Möglichst wenig Punkte in seinen Stichen zu bekommen. Am Ende zahlen die mit den meisten Punkten an die mit den wenigsten.
Das Radl
Das Radl beginnt (wenn es überhaupt gespielt wird) immer nach einem Trischaker. Für eine ganze Runde (=vier Spiele) zählen alle Spiele doppelt soviele Punkte. Dadurch wird das Spiel noch spannender.
Prämien
Neben den Spielen gibt es auch noch eine ganze Reihe von Prämien, die nach Ende der Lizitation einem Spiel hinzugefügt werden und die Endpunkte erheblich beeinflussen können (=den Wert des Spiels)
Das Zählen
Eine ganz wichtige Besonderheit des Tarock ist die Art, wie die Werte der Karten gezählt werden. Relativ einfach ist der Wert der einzelnen Karte:
- 5 Punkte: Die Trull (Tarock 1, 21 und Gstieß), die 4 Könige
- 4 Punkte: Die 4 Damen
- 3 Punkte: Die 4 Reiter/Kavalle
- 2 Punkte: Die 4 Bauern
- 1 Punkt: alle anderen Karten (die Skatindeln oder Glatzen)
Jetzt ist es wichtig zu wissen, dass jemand dann ein Spiel gewonnen hat, wenn er mindestens "35 2 Blatt" hat. Da alle Karten zusammen insgesamt 70 Punkte zählen, muss ein Spieler mehr als die Hälfte der Punkte haben, um zu gewinnen.
Allerdings werden die Punkte der Karten nicht einfach zusammengezählt, da sich sonst (siehe Tabelle) ein viel höherer Punktewert ergeben würde:
| Kartentyp | Anzahl der Karten | Kartenwert | Summe (Anzahl der Karten*Kartenwert) | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|
| 5er Zähler | 7 | 5 | 35 | 35 |
| Damen | 4 | 4 | 16 | 51 |
| Kavall | 4 | 3 | 12 | 63 |
| Buben | 4 | 2 | 8 | 71 |
| Rest | 19+16 | 1 | 35 | 86 |
Des Rätsels Lösung liegt in der Art des Zählens. Um die Punktekarten (die Bildkarten und die Tarock) noch weiter aufzuwerten, wurde der tatsächliche Zählwert verändert, sodass die Skatindeln (die nicht-Punktekarten) in Wirklichkeit nicht einen Punkt, sondern nur "ein Blatt" zählen, was einem drittel Punkt entspricht, während ein Trullstück nicht 5 Punkte, sonder "4 ein Blatt" zählt. Somit ist ein Trullstück nicht das 5-fache einer nicht-Punktekarte, sondern das 13-fache wert.
| Kartentyp | Anzahl der Karten | Kartenwert | Summe (Anzahl der Karten*Kartenwert) | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|
| 5er Zähler | 7 | 4 1/3 | 30 1/3 | 30 1/3 |
| Damen | 4 | 3 1/3 | 13 1/3 | 43 2/3 |
| Kavall | 4 | 2 1/3 | 9 1/3 | 53 |
| Buben | 4 | 1 1/3 | 5 1/3 | 58 1/3 |
| Rest | 19+16 | 1/3 | 11 2/3 | 70 |
Da es umständlich ist mit Drittelwerten zu zählen, wird ein Trick angewandt. Man nimmt drei Karten, zählt deren Punktewerte zusammen (z.B. ein König, eine Dame und ein Tarock = 10 Punkte) und subtrahiert 2 Punkte von jedem Trio (ergibt in unserem Beispiel 8). So zählt man bis zu Ende und kommt genau auf 70 Punkte insgesamt. Das einzige worauf aufzupassen ist, dass man zwei nicht-Punktekarten ganz ans Ende des eigenen Kartenstoßes gibt, um am Ende richtig zählen zu können (hat man z.B. 14 Karten bleiben am Schluss zwei Karten übrig = 2 Blatt, daher auch der Name).
