Telefonnetz

Unter einem Telefonnetz (Fernsprechnetz) versteht man ein Telekommunikationsnetz, das für die Abwicklung von Telefongesprächen (Telefonie) konstruiert ist. Synonyme internationale Bezeichnungen sind Plain Old Telephone Service (POTS) für den Fernsprechdienst und Public Switched Telephone Network (PSTN) für das vermittelte Telefonnetz. Mittlerweile ist dieser Ausdruck jedoch veraltet, da über das in Europa vorherrschende ISDN-Netz neben der Telefonie auch noch andere Dienste (zum Beispiel Fax, Datenfernübertragung) abgewickelt werden können und es deshalb kein reines Telefonnetz mehr gibt.

Das Telefonnetz stellt sowohl festgeschaltete Verbindungen zur Verfügung (Standleitung), als auch vermittelte Verbindungen (Wählverbindungen).

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Ablauf

Am Beginn der Entwicklung des Telefonnetzes im Jahr 1877 standen Leitungen, durch die jeweils zwei Telefonapparate direkt miteinander verbunden waren. Es gab keine Möglichkeit, andere Teilnehmer zu erreichen.

Ab 1881 entstanden Telefonzentralen, in denen verschiedene Teilnehmer durch manuelles Umstecken miteinander verbunden werden konnten. Die Vermittlung lief über Personen ("dem Fräulein vom Amt"), denen der Anrufer den gewünschten Teilnehmer nannte.

1892 wurde eine selbstständige Vermittlungsstelle erfunden, die ab 1908 in den Ortsnetzen und ab 1923 in den Fernvermittlungsstellen eingesetzt wurde.

Das bis etwa 1990 vorherrschende Telefonnetz bestand aus einzelnen Leitungen, die analoge Tonsignale übertragen konnten. Die Bandbreite war dabei auf den Frequenzbereich von 300 bis 3400 Hertz begrenzt. Außer den Sprachsignalen werden noch Signale wie das Rufsignal (Klingeln), Hörtöne (Freiton, Besetzt, siehe auch: akustische Telefonsignale) und Tarifeinheiten (für die Gebührenanzeige) zum Teilnehmerapparat übertragen. Die Ortsvermittlungsstellen versorgen die angeschlossenen Geräte mit einer Gleichspannung von etwa 60 Volt, allerdings nur, wenn der Hörer ausgehängt ist. Diese Versorgung wird als Speisung bezeichnet.

Seit etwa 1980 wurde das analoge Fernsprechnetz (AFeN) für analoge Schmalbandanschlüsse (analoge Fernsprechanschlüsse) (siehe auch Schmalbandkommunikation) zu einem digitalen diensteintegrierenden Universalnetz (ISDN) ausgebaut, über das nicht nur der Telefondienst abgewickelt wird, sondern eine Vielzahl von weiteren digitalen Diensten. Seitdem ist der Ausdruck "Telefonnetz" veraltet. Auch Mobilfunk und Internet nutzen das ISDN.

Siehe auch: Geschichte des Telefonnetzes

Aktueller Stand

Dieses diensteintegrierende Universalnetz stellt nicht nur Teilnehmeranschlüsse für Schmalbanddienste wie Fernsprechen mit 64 kbit/s zur Verfügung, sondern auch Anschlüsse bis 154 Mbit/s. Anschlüsse über 2 Mbit/s werden allerdings nur als Direktverbindungen und nicht mehr über Kupferkabel bereitgestellt, sondern über Glasfaser oder Funk. Vermittelte Anschlüsse haben im europäischen Bereich in der Regel eine Bitrate von 64 Kbit/s oder ein ganzzahliges Vielfaches davon (Videokonferenz).

Mit den vermittlungstechnischen Leistungsmerkmalen stellt ein modernes Telefonnetz zahlreiche Dienste für den Endkunden zur Verfügung.

Im Teilnehmeranschlussbereich des ISDN wird seit der Einführung der DSL-Dienste auf der Kupferdoppelader eine wesentlich höhere Bandbreite als 3,1 KHz benutzt: Während in Deutschland bisher mit ADSL und SDSL der Frequenzbereich bis etwa 1 MHz benutzt wird, wird in einigen anderen Ländern mit VDSL bereits der Frequenzbereich bis 30 MHz benutzt.

Hier zeichnet sich damit der nächste Entwicklungsschritt des Telefonnetzes ab: Während im ISDN noch vorwiegend Dialogdienste abgewickelt werden, die beiden Teilnehmern dieselbe Bitrate zur Verfügung stellen, können mit den asymmetrischen Bitraten der DSL-Techniken künftig auch Verteildienste (Broadcasting) wie Rundfunk, Fernsehen oder Video on Demand integriert werden.

Struktur

thumb|Struktur des Telefonnetzes (Beispiel Festnetz)

Vermittlungsstellen

Den Kern des Telefonfestnetzes stellen Vermittlungsanlagen dar. Je nach Aufgabe gibt es unterschiedliche Typen von Vermittlungsanlagen:

Netze

Ein Telefonnetz ist in der Regel in verschiedene Unternetze unterteilt, die jeweils unterschiedliche Funktion haben.

Siehe auch

Weblinks

See also: Telefonnetz, 1877, 1881, 1892, 1908, 1923, 1990, Asymmetric Digital Subscriber Line, Auslandsvermittlungsstelle, B-Teilnehmer