Tempel

Tempel (v. lat. templum) ist die deutsche Bezeichnung von Gebäuden, die in vielen Religionen als Heiligtum dienen.

Inhaltsverzeichnis

Die israelitischen Tempel

thumb|Das Tabernakel Rekonstruktion Die Hebräer besaßen jeweils nur einen einzigen Tempel, zuerst den Zelt-Tempel, Tabernakel oder Stiftshütte. Davon wird in der hebräischen Bibel erzählt. Es folgten der salomonische und der herodianische Tempel, später der berühmte Tempel zu Jerusalem. Diese Tempel unterschieden sich von den Tempeln des klassischen Altertums, siehe unten.

Siehe Detailartikel Israelitischer Tempel

Ursprung der Tempel der klassischen Antike

Bei den Völkern des klassischen Altertums ein der Gottheit geweihter Bezirk, dann das auf demselben stehende Gebäude, zur Aufnahme der Götterbilder, des Altars und der Priester, aber nur selten des Volkes bestimmt.
Im Innern des eigentlichen Tempelhauses oder der Zelle (cella) stand die Bildsäule oder das Bild der Gottheit, welcher der Tempel gewidmet war, auf einem Postament an der dem Eingang gegenüberliegenden Mauer, vor ihm ein entweder runder oder viereckiger Opfer- und Betaltar.
Die Decke bestand aus Holz, selten aus Stein und war gewöhnlich eben, später bisweilen auch gewölbt. Der Fußboden war anfangs aus Steinplatten, später aus Mosaik hergestellt. Die Säulen des Portikus schmückte man oft mit erbeuteten feindlichen Schilden.

Stufen hatten die griechischen Tempel in der Regel, und zwar liefen sie stets ringsherum. Der dadurch geschaffene Stufenunterbau hieß Krepidoma.
Der Platz um den Tempel, soweit er der Gottheit geweiht war, hieß Peribolus. Mit einer Mauer umgeben, enthielt er Altäre, Statuen, Monumente aller Art.

Der Tempelbau der Griechen

thumb|Der Parthenon auf der Akropolis in Athen, Griechenland Die höchste künstlerische Ausbildung erfuhr der Tempelbau durch die Griechen, welche, von der einfachsten Form ausgehend, allmählich zu einer Anzahl von Typen gelangten, die nicht nur für die Römer maßgebend gewesen sind, sondern auch auf die Baukunst der neuern Zeit Einfluss geübt haben.

Siehe Detailartikel Griechischer Tempel

Der Tempelbau der Römer

thumb|Maison Carrée in Nîmes Im römischen Sakralbau vermischen sich etruskische und griechische Einflüsse.

Die etruskischen Tempel haben einen Sockel und heben sich somit deutlich von der Umgebung ab. Sie sind richtungsbezogen, haben also einen rechteckigen Grundriss. Eine Freitreppe an der Schmalseite führt in die Vorhalle, eine offene Säulenhalle, die vor der oft dreiteiligen Cella, dem Innenraum liegt. Der römische Architekt Vitruv untersuchte die Tempel und überlieferte die Proportionen Länge zu Breite: 6 zu 5; Länge von Vorhalle und Cella: je 1/2. Das ganze wird von einem flachen Satteldach mit Tonziegeln abgedeckt.

Die römischen Tempel übernehmen die etruskischen Vorbilder, griechische Einflüsse werden aber im Laufe der Zeit - vor allem nach der römischen Eroberung Griechenlands im 2. Jahrhundert v. Chr. - immer stärker: der Grundriss wird in Längsrichtung gestreckt, die Cella wird im Verhältnis zur Vorhalle größer, ihre Dreiteilung wird zugunsten eines Großrams aufgegeben. Ein gut erhaltenes Beispiel aus der augusteischen Zeit ist die Maison Carrée in Nîmes.

Tempel im Christentum

Im Judenchristentum spielte in der ersten Zeit der Jerusalemer Tempel noch eine Rolle. Da sich jedoch Jesus sehr kritisch gegenüber dem Tempel verhalten hatte und da der getaufte Mensch selbst als Tempel Gottes verstanden wurde, endete der Tempelkult im Christentum mit der Zerstörung des zweiten Israelitischen Tempels. Noch heute jedoch wird in den Lesungen zum Kirchweihfest der Text gelesen: "Der Tempel Gottes seid IHR", siehe Tabernakel.

Ab Konstantin I. (Rom) entstand jedoch eine neue Form in den Kirchenbauten. Die Bauform der Basilika ist einerseits eine neutrale, da auch Gerichts- und Marktgebäude ähnlich aussahen, hatte andererseits zuletzt aber auch dem Kult der vergöttlichten Kaiser gedient und machte insofern die Ablösung des Kaiserkultes durch die neue Religion sichtbar.

In schlecht übersetzten italienischen Reiseführern begegnet zuweilen das Wort Tempel als Synonym für Kirche, da im Italienischen das Wort templo als Synonym für chiesa (Kirche) gebraucht wird.

Auch in der Orthodoxen Kirche werden die Gotteshäuser als Tempel (griechisch naos) bezeichnet, während das Wort Kirche (griechisch ekklesia) nur für die Gemeinschaft selbst verwendet wird.

Unter den neueren Gemeinschaften auf christlicher Basis ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") für ihre weltweit errichteten Tempel bekannt. Eine weitere Gemeinschaft, die sich auf die gleiche Gründerfigur Joseph Smith beruft, die Gemeinschaft Christi, besitzt zwei Tempel. Ebenso nennen die Lorenzianer ihr zentrales Heiligtum, die Eliasburg, Tempel.

Baha'i Religion

thumb|Baha'i Haus der Andacht in Neu Delhi, Indien In der Baha'i Religion gibt es Häuser der Andacht, die für Anhänger aller Religionen offen sind und in ihrer Architektur unterschiedlich sind, jedoch eine zentrale Kuppel und neun Eingänge gemein haben. Der bekannteste Baha'i Tempel ist in Indien.

Asien

Einige der großen Weltreligionen, die Tempel als Heiligtümer haben, sind der

Tempel als touristische Anziehungspunkte

Die Tempel und Tempelruinen vergangener Kulturen wie die von Babylon, Assyrien, Griechenland, Rom, der Azteken und Inka sind wichtige archäologische Denkmäler, die häufig auch touristische Anziehungspunkte sind.

Siehe auch

20px WikiCommons: Weitere Bilder, Videos oder Audiodateien zum Thema Tempel

See also: Tempel, 2. Jahrhundert v. Chr., Altar, Altertum, Assyrien, Azteken, Babylon, Baha'i Haus der Andacht, Baha'i Religion