Tempo (Musik)
Das Tempo (ital. Zeit, von lat. tempus) gibt in der Musik an, wie schnell ein Stück ungefähr zu spielen ist.
Es werden seit dem 17.Jhd. italienische Bezeichnungen für die Tempi verwendet. Zur genaueren Fixierung der Tempi erfand Johann Nepomuk Mälzel 1816 das so genannte Metronom, mit dem der Grundschlag (Puls resp. Metrum) hör- und sichtbar gemacht werden konnte. Die Zahl in Klammern gibt an, welchen Metrumsbereich dieses Tempo hat, d.h. wieviel Schläge in der Minute zu spielen sind (MM = Mälzels Metronom oder BPM = beats per minute). Die wesentlichen Tempi sind:
| Name | Bedeutung |
|---|---|
| Langsam | |
| Largo | Breit (40 - 60) |
| Larghetto | ein wenig schneller als Largo (60 - 66) |
| Lento | Langsam |
| Adagio | Langsam (66 - 76) |
| Mittel | |
| Andante | Gehend (76 - 108) |
| Andantino | ein wenig schneller als Andante |
| Moderato | Gemäßigt (108 - 120) |
| Maestoso | Majestätisch |
| Allegretto | Ein wenig munter |
| Schnell | |
| Allegro | Munter, hurtig, lustig (120 - 168) |
| Vivace | Lebhaft |
| Vivacissimo | Sehr lebhaft |
| Presto | Schnell (168 - 208) |
| Prestissimo | Sehr schnell |
Im Notentext der kompositorischen Arbeit ist die Tempoangabe ein Unterbegriff der Vortragsbezeichnung. Oft werden die Tempovorschriften durch weitere Zusätze ergänzt, zum Beispiel
- (Allegro) con brio = Munter und mit Feuer
- (Allegro) ma non troppo = munter, aber nicht zu sehr
- (Adagio) cantabile = Langsam und gesanglich
Siehe auch Agogik.
Bei Tracker-Software gibt die Tempo-Einstellung die Notendauer einer Tabellenzeile in n/96 Noten an. Entgegen der üblichen Erwartung spielt somit, je höher dieses „Tempo“ eingestellt ist, die Musik um so langsamer! Bei der Standardeinstellung (Tempo 6) entspricht eine Tabellenzeile einer 1/16-Note.
Literatur
- Brockhaus Riemann Musiklexikon, 1995, Serie Musik - Atlantis/Schott.
Tempo-Bezeichnungen
Vom Komponisten selbst mit Bezug auf einen bestimmten Notenwert wie „Halbe“, „Viertel“ oder „Achtel“ angegebene Metronomzahlen sind wertvoll als Richtschnur für die Interpretation. Metronomangaben anonymer Herkunft können keinen Anspruch auf Richtigkeit erheben.
Die Tempowörter auf der Skala des Mälzel-Metronoms - wie „Andante - gehend 76-106“ - sind insofern keine Hilfe, als sie nicht sagen, auf welchen Notenwert, welche „Zählzeit“, sie sich beziehen: „gehen“ die Achtel, die Viertel oder die Halben in diesem Tempo? und: in welcher Taktart steht das Stück? Ein „Andante 3/8“ ist in der Musik der Klassik z.B. schneller als ein „Andante 3/4“ - und dieses ist schneller als ein „Andante 4/4“. Ebenso ist es mit den Taktarten 2/2, 2/4 und 2/8.
Die Musik der Klassik vor Beethoven kannte und brauchte noch kein Metronom. Sie benutzte ein Tempo-System aus den „natürlichen Tempi der Taktarten“ (s.o.), den kleinsten Notenwerten (ein Stück war z.B. langsamer, wenn es Zweiunddreißigstel enthielt als wenn es überwiegend nur aus Sechzehnteln oder gar Achteln bestand) und als drittem Faktor den italienischen Tempowörtern, die die ersten beiden Angaben modifizierten.
Musikwissenschaftlich fundierte Texte zum Tempo bei Mozart und Haydn findet man unter [1]. Helmut Breidenstein 02.05.05
