Teufelsanbetung
Teufelsanbetung ist ein Schlagwort, welches von traditionellen Kirchen und Massenmedien häufig mit Satanismus gleichgesetzt wird. In der Regel wird Teufelsanbetung als eine Inversion des Christentums definiert, was jedoch bei näherer Betrachtung zu einer Reihe von Paradoxa führt:
- In erster Linie wird postuliert, es gäbe Kulte, welche den Teufel (hier als Synonym für „Satan“ zu verstehen) zum Objekt ihrer religiösen Verehrung machen. Innerhalb des moralischen Dualismus, welcher dem Christentum innewohnt, würde dies bedeuten, Gott durch seine eigene Negation zu ersetzen. Wenn aber Gott nach Anbetung verlangt, dann macht es keinen Sinn anzunehmen, der Teufel verlange das Selbe.
- Die rituelle Teufelsanbetung wird oftmals mit der sog. „Schwarzen Messe“ gleichgesetzt. Gemäß der katholischen Kirche kann eine solche Inversion der römisch-katholischen Messe jedoch nur von einem katholischen Priester abgehalten werden, was wiederum keinen Sinn ergibt, wenn man davon ausgeht, dass sich „Satanisten“ nicht der Willkür katholischer Priester aussetzen wollen.
- Soll die Teufelsanbetung als geschlossenes Religionssystem verstanden werden, dann müsste sie theoretisch eine absolute Inversion des Christentums sein. Wesentliche Elemente des Christentums (z.B. moralische Unterscheidung von Gut und Böse, metaphysische Entitäten wie Gott, Satan und Dämonen, sowie die Ausrichtung auf ein Jenseits) werden aber in der Regel auch der Teufelsanbetung zugesprochen.
- Soll die Teufelsanbetung hingegen als offenes System verstanden werden, dann gibt es keinen zwingenden Grund, weshalb sich „Satanisten“ an den moralischen Konventionen des Christentums orientieren sollten.
Teufelsanbetung kann daher, so sie wirklich praktiziert wird, höchstens als komplementärer Aspekt des Christentums eingestuft werden. Es existieren jedoch keine historisch nachweisbaren Formen von kontinuierlich organisierter Teufelsanbetung, und auch in der Gegenwart sind Kirchen und Medien den Nachweis für die Existenz solcher Kulte schuldig geblieben (vgl. etwa Joachim Schmidt).
Invertchristliche Motive lassen sich faktisch primär innerhalb der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts (etwa Là bas von Joris-Karl Huysmans) sowie der Subkulturen des Death - und Black Metal nachweisen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um organisierte Kulte, sondern um Strömungen der literarischen bzw. künstlerischen Avantgarde.
Verschwörungstheorie
Insbesondere in amerikanisch-christlichen Kreisen wird heufig die Verschwörungstheorie verbreitet, das Teufelsanbeter, welche mit Satanisten gleichgesetzt werden, den Staat unterwandert hätten.
Einige Argumente der Verschwörungstheoretiker sind:
- Das Siegel der USA zeigt auf der Rückseite den Turm zu Babel.
- Berichte von satanistisch-rituellen Vergewaltigungen und Morden die durch die Recovery-Paradigma-Methode gewonnen wurden, werden als False Memory Syndrom dargestellt.
- Die Mitgliedschaft Regierender in vermeintlich „unchristlichen“ Vereinigungen (z.B. Freimaurerei) wäre keine Seltenheit.
Einige sehen auch die Illuminaten als Ursprung satanischer Philosophie an.
Die Theorien stellen sich als nicht falsifizierbar dar, weil sie die Gegenargumentatoren meist in den Kreis der Verschwörer rückt.
Literatur
- Elaine Pagels: Satans Ursprung, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-39368-5,
- Ulrich Dreikandt (Hg.): Schwarze Messen, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-38817-7,
- Joachim Schmidt: Satanismus - Mythos und Wirklichkeit, Marburg 2002, ISBN 3-927165-66-2
- Charles Baudelaire / Joris-Karl Huysmans / Octave Mirbeau: Die Blumen des Bösen/ Tief unten/ Der Garten der Qualen, Erftstadt 2004, ISBN 3-89996-071-8
