Teufelsmoor
Das Teufelsmoor ist eine Landschaft im niedersächsischen Landkreis Osterholz, nordöstlich von Bremen. Die Niederung wird entwässert von der Hamme, Wümme und der Wörpe. Es erstreckt sich über eine Fläche von rund 500 qkm. Das namensgebende Teufelsmoor ist ein ombrogenes Hochmoor, das in der Nähe der Flussläufe in Niedermoor übergeht. Es gehörte zu den größten zusammenhängenden Moore Nordwestdeutschlands. Seine größte Ausdehnung beträgt ca. 20 mal 20 km. Die ältesten Stellen der Gegend in Grasberg weisen Torfkörper von 11 m Tiefe und mehr auf. Im Zentrum des Moores liegt auf einem Sandhügel das durch viele Landschaftsmaler bekannt gewordene Dorf Worpswede.
Das umgebende Teufelsmoor und wurde erst im 17. und 18. Jahrhundert zunehmend besiedelt. Um 1750 begann unter der Leitung von Moorkommissar Jürgen Christian Findorff die Kolonisation der gesamten Teufelsmoorniederung. Die Siedler waren einfache Knechte und Mägde, die sich mit der Aussicht auf eigenes Eigentum und Befreiung von Steuern und Militärdienst aus der Umgebung bewarben. Die Lebensbedingungen in den Moorkolonien waren noch weit bis in das 20. Jahrhundert alles andere als malerisch, "der ersten Generation den Tod, der zweiten die Not und der dritten das Brot". Die Lebenserwartung in den feuchten Moorkaten war niedrig und der Moorboden eignete sich nicht für die Landwirtschaft.
Ein umfangreiches Entwässerungsnetz wurde angelegt, wobei die Hauptentwässerungsgräben gleichzeitig als Schifffahrtskanäle ausgebaut wurde. Zu dieser Zeit wurde massiv in die Natur eingegriffen und Millionen von Kubikmetern Torf gestochen. Der Torf wurde zum Verkauf als Heizmaterial mit Torfkähnen nach Bremen verschifft. Die neben den Kanälen aufgetragenen Dämme dienten dem Treideln und der Erschließung der einreihig angelegten Straßendörfer, nach Vorbild der Fehngebiete. Vom Damm aus wurden die schmalen und sehr langen Landstücke (Hufen) ins Moor hinein bearbeitet. Noch heute sind diese Siedlungsstrukturen (Reihendörfer) in weiten Teilen der Gemeinden Grasberg und Worpswede gut zu erkennen.
Durch den Abbau des Torfkörpers und der Entwässerung haben sich auch die klimatischen Bedingungen des gesamten Landstriches wesentlich verändert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Milchviehhaltung ausgeweitet. In Bremen wurde das Heizen mit Torf verboten, weil an manchen Wintertagen die Luftbelastung unerträglich wurde. Die Kohle mit ihrer höheren Energiedichte verdrängte den Torf. Bis in die 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde aber eine nachhaltige Zerstörung des Moores betrieben. Maßgeblich "Meliorationen" wie Drainierungen, Tiefumbruch und Flussregulierungen sollten den Ertrag der Landwirtschaft steigern und ermöglichten sogar Ackerbau, der von der intensiven Landwirtschaft meist zum Anbau von Silomais (Futter) genutzt wird. Diese Maßnahmen wurden seit Mitte des 20 Jahrhunderts durch verschiedene nationale und europäische Subventionsprogramme unterstützt. Das ging so weit, dass die Gräben im Sommer trocken fallen, Moorbrände entstehen und bei anhaltender Trockenheit z.T. künstliche Bewässerungen eingesetzt werden.
Erst seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts begann ein Umdenken. Mit Flächenstillegungen und Wiedervernässungen wird versucht, die Landschaft zu erhalten. Das Moor in seiner ursprünglichen Form ist heute nicht mehr vorhanden. Selbst noch intakte wie das Günnemoor werden durch den industriellen Torfabbau weiter beeinträchtigt. Es sind aber noch Reste (Torfrücken nicht abgetorfter Flächen) in der Landschaft sichtbar, deren Renaturierung wegen der Höhenlage aber schwierig ist. Die Trockenheit fördert die Mineralisation des Torfkörpers und ermöglicht das Aufkommen von Gehölzen. Inzwischen sind auf diesen Flächen viele kleinere Ersatzstrukturen entstanden.
Inzwischen liegt das Teufelsmoor im "Speckgürtel" Bremens, und seine Siedlungen wachsen durch die Ausweisungen von Bauland und den Zuzug vieler "Neubürger". Die Geschichte des Teufelsmoores ist daher ein besonderes Beispiel der Kulturtätigkeit des Menschen und seines Überlebenswillen, aber auch des Einflusses und der Folgen dieser Kulturtätigkeit. Die Geschichte der Landschaft und seiner Bewohner wurde in der 1982 von Radio Bremen produzierten Fernsehserie "Teufelsmoor" verfilmt. Darin wird das Leben von mehreren Generationen der fiktiven Bauernfamilie Kehrding von den Anfängen der Landgewinnung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts geschildert.
Siehe auch
- Ortschaft Teufelsmoor, ein Ortsteil von Osterholz-Scharmbeck
- Moorexpress
