Thelema
Thelema (griechisch: Θελημα) bedeutet Wille oder Intention.
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Der Begriff Thelema
Als Vorläufer unseres heutigen Willensbegriffs wird von der Altphilologie (Wissenschaft der alten Sprachen) das griechische "boule" angesehen, nicht etwa "thelo" oder "thelema".
Es gibt im Griechischen vor allem 2 Worte für Willen, die im Neuen Testament(NT) z.T. austauschbar verwendet werden, thelema und boule.
Bei der Übersetzung des griechischen Alten Testaments(AT), der Septuaginta(LXX), ins Lateinische wurden "boule" und "thelema" mit "voluntas" (Wille) übersetzt. Dadurch ging die andere und unterschiedliche Bedeutung beider Begriffe verloren.
- Boule heißt Wille, Absicht, Ratschluss, Vorhaben (also ein Wille mit Zweck).
- Thelema ist im klassischen Griechisch anscheinend sehr selten gebraucht worden, es gibt nur eine Handvoll Belege, frühester bei Antiphon (5.Jh.). In der griechischen Übersetzung des AT, der Septuaginta (LXX), in Alexandria im 3./2. Jh. gemacht, taucht thelema 51mal auf. Im NT wird thelema 62 mal gebraucht, davon zweimal im Plural (Thelemata).
Zu thelema im klassischen Griechisch: Im Theologischen Wörterbuch zum NT von 1938 war nun am genauesten die Wortgeschichte nachgezeichnet. Aristoteles sagt in der Schrift "de plantis", dass anders als bei den Pflanzen, die keine epithymia (Begierde) haben, das Ziel unseres (menschlichen) Willen die Wahrnehmung ist (Übersetzung des Autors). Der Lexikar erklärt, Aristoteles habe hier epithymia und thelema ausgewechselt, und "das Letzte (also thelema) solle ganz neutral, nicht irgendwie sittlich bestimmt, die begehrende Triebkraft beim Menschen bezeichnen".
Das Verb thelo taucht schon sehr früh auf (Homer, frühe attische Inschriften) und hat dort die Bedeutung von bereit sein, belieben, geneigt sein, wünschen, wollen, entscheiden und begehren (Homer Od 3, 272 auch im geschlechtlichen Sinn).
Thelema als religiöses System
Thelema ist ein philosophisch/ religiöses System, das 1904 durch Aleister Crowley mit der Schrift Liber AL vel Legis, auch Buch des Gesetzes, geschaffen wurde. Dieses Buch wurde ihm, nach eigener Aussage, am 8., 9. und 10. April in Kairo durch das Wesen Aiwaz diktiert.
Die zentrale Lehre dieses Systems ist, dass Wissen und die Ausübung des eigenen „wahren Willens“ der ultimative Grund und die Pflicht jedes Seins sind. Dies ist durch folgende Sätze aus Liber Legis zusammengefasst:
- „Do what thou wilt shall be the whole of the Law“ („Tu' was du willst, soll das ganze Gesetz sein“) (AL I:40)
- „Love is the law, love under will“ („Liebe ist das Gesetz, Liebe unter dem Willen“) (AL I:57)
- „The word of the law is Thelema“ („Das Wort des Gesetzes ist Thelema“) (AL I:39)
- „There is no law beyond Do what thou wilt“ („Es gibt kein Gesetz jenseits Tu' was du willst“) (AL III:60)
Der wahre Wille ist ein mystisches Konzept, das sich als der Pfad der möglichen Aktionen und Begegnungen beschreiben lässt, bei dem man selbst den geringsten Widerstand spürt, ihn zu gehen. Es wird angenommen, dass man bei der Ausführung des wahren Willens vom ganzen Universum unterstützt wird und dass zwei wahre Willen nie gegensätzlich sein können. Daraus folgt, dass man, um dem eigenen wahren Willen zu folgen, jeden anderen wahren Willen respektieren muss. Dies wird mit „Liebe ist das Gesetz“ beschrieben. Die Meinungen der Anhänger weichen voneinander ab, ob man den eigenen wahren Willen kennen oder lediglich durch den Erfolg im Leben beurteilen kann.
Thelema betont persönliche Freiheit (ausgewogen durch disziplinierte Verantwortung), die angeborene Göttlichkeit eines jeden Menschen („Every man and every woman is a star“, zu dt. „Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern“, AL I:3), und den Kampf gegen Aberglauben, Tyrannei und Unterdrückung.
Das griechische Thelema ist der Ursprung des Begriffes Thelemit. Dieser Begriff wurde geprägt durch François Rabelais, ein französischer Mönch, Philosoph und Humorist des 16. Jahrhunderts. In seinem klassischen Werk Gargantua wird das Wort Thelemit benutzt um die Bewohner eines Art „Anti“-Klosters zu beschreiben, die Abtei von Thélème. Das Wort Thelemit erscheint im Buch des Gesetzes und wird, auf sich selbst bezogen, von den Anhängern Thelemas benutzt.
Das Ausleben von Thelema ist üblicherweise, jedoch nicht notwendigerweise, mit der Aussübung von „Magie“ verbunden. Das gilt besonders für die Konzepte und Techniken, die von Crowley erforscht und entwickelt wurden.
Eine Anzahl von Organisationen folgen den Lehren Thelemas. Hauptsächlich sind dies die Orden Ordo Templi Orientis und Astrum Argenteum, A∴A∴ und Fraternitas Catena Aurea. Es existieren andere Gruppen, die von den Methoden des Thelema inspiriert wurden, jedoch nicht die kompletten Lehren Crowleys akzeptieren, wie die Illuminaten von Thanateros und der Temple of Set. Der Orden Fraternitas Saturni und ähnliche Gruppen akzeptieren Thelema, ergänzen es jedoch um den Satz „Mitleidlose Liebe!“. Die Thelema Society stützt sich nur auf das Liber AL vel Legis - unter dem ursprünglichen Titel "Liber L vel Legis" - und lehnt alle sonstigen Lehren und Schriften Aleister Crowleys ab.
Des Weiteren gibt es eine (noch) recht kleine Gemeinschaft von Thelemiten, deren Gründungsmitglieder Gitta Peyn und Ralf Löffler sind. Diese Gemeinschaft ist in Thelemitenkreisen stark umstritten wegen des jungen Durchschittsalters der Peripherie, die Gitta Peyn um sich errichtet hat. Der Personenkult dieser Gruppe um ihre Führerin nimmt z.T. Sektencharakter an. Der Versuch, sich von der damaligen EGT um Eschner zu distanzieren, mißlingt hier.
Durch Fehlinterpretation der Lehre vom Thelema wurde Aleister Crowley zum Grund für die Entstehung bzw. Verbreitung von Satanismus und auf ihm selbst lastet das Vorurteil ein Satanist zu sein.
Literatur
- Aleister Crowley: The Book Of The Law / Liber Al vel Legis (englisch), ISBN 0-87728-334-6
- Aleister Crowley, Edward A. Crowley: Das Buch des Gesetzes, Liber Al vel Legis, Kersken-Canbaz Verlag 1992, ISBN 3-89423-000-2
Siehe auch
Weblinks
- Bericht über die Praktiken des Thelema-Ordens in Norddeutschland
- Homepage der Thelema Society, des ehemaligen 'Thelema-Ordens'
- Homepage des 'Orden von Thelema', gegründet durch Ralf Löffler und Gitta Peyn
- Liber Al vel Legis online
- FRATERNITAS CATENA AUREA - Das Gesetz ist für alle!
- Die größte deutschsprachige Internetplattform für Thelemiten
