Thidrekssaga

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Die Thidrekssaga ist eine Sagenkompilation des 13. Jahrhunderts in altnordischer Sprache. Sie erzählt das Leben des Helden Thidrek, der im deutschen Sprachraum als Dietrich von Bern bekannt war. Als Vorlage der Saga werden gewöhnlich Quellen aus dem niederdeutschen Raum angenommen. Seit dem Hochmittelalter, mit dem Eindringen einer niederdeutsch geprägten Adels- und Kaufmannskultur in den Norden (vgl. Hanse), vergrößert sich das skandinavische Interesse an Dietrich zunächst in Dänemark, Schweden und Norwegen.

Die Thidrekssaga stellt eine in zwei Überlieferungssträngen (einem schwedischen und einem norwegischen) vorhandene mittelalterliche Sammlung alter deutscher Sagen dar, die hauptsächlich die Taten Thidreks behandeln, in der aber auch aus anderen Sagen bekannte Personen vorkommen, wie Siegfried und die Burgunder. Einen wichtigen Teil nehmen wiederholte Kriegszüge gegen die Wilzen ein - daher wurde die Sammlung früher auch "Wilzensage" genannt.

Inhaltsverzeichnis

1 Weblinks

Zum Zusammenhang mit dem Nibelungenlied

Die Thidrekssaga ist in letzter Zeit besonders durch die Arbeiten des Privatgelehrten Heinz Ritter-Schaumburg bekannt geworden, der die Thidrekssaga seinen Forschungen über das Nibelungenlied zugrunde legte. Dabei geht es vor allem um die folgenden Fragenkomplexe:

Hat die Thidrekssaga einen historischen Hintergrund?

Dass mit Thidrek nicht der historische Gotenkönig Theoderich gemeint sein kann, gilt inzwischen als gesichert. Von einem anderen Thidrek, der etwa im Frühmittelalter an den Kämpfen zwischen germanischen und slawischen (Wilzen) Stämmen zwischen Rhein und Elbe beteiligt war, weiß die offizielle Geschichtsschreibung allerdings nichts.

Diente die Thidrekssaga als Vorlage für das Nibelungenlied?

Die uns bekannten Exemplare beider Überlieferungen der Thidrekssaga sind wohl jünger als das Nibelungenlied (herkömmlicherweise datiert man sie auf ca. 1260, neuerdings auch auf ca. 1250), können diesem also schwerlich als Vorlage gedient haben.

Ritter-Schaumburg nahm eine verloren gegangene Frühfassung ("Svava") der schwedischen Überlieferung an, die vor der Umgestaltung der Stadt Soest (1170-1180) geschrieben sein soll.

"Svava" ist allerdings ein Geisterwort. Ritter-Schaumburg hat die gängige Abkürzung für die altschwedische Version der Thidrekssaga (Didrikskrønike aus dem 15. Jahrhundert), nämlich "Sv", wie sie von Bertelsen in seiner Ausgabe von 1905-11 zusammenfassend für die Skoklosterhandschrift Nr. 115-116, quarto, und die Handschrift K 45 in der Königlichen Bibliothek Stockholm verwendet wurde, offensichtlich mißverstanden und willkürlich zu "Svava" ergänzt. In Wirklichkeit steht "Sv" für "svensk" = "schwedisch".

Die Fachgermanistik - die sich zuvor mit der Thidrekssaga kaum beschäftigt hatte, da sie als spätere Kopie und Zusammenfügung anderer, älterer Einzelsagen betrachtet wurde - lehnt die Thesen Ritter-Schaumburgs überwiegend ab. Sie zweifelt vor allem die Gleichsetzung von "Verona" und "Bonn" an, auf der die Argumentation Ritter-Schaumburgs im wesentlichen basiert. Allerdings fehlt es bis heute an einer zusammenfassenden Widerlegung seiner Argumente, da der Nicht-Germanist in Fachkreisen als einer solchen ausführlichen Stellungnahme nicht würdig gilt. In Laienkreisen setzen sich die Thesen Ritter-Schaumburgs dagegen zunehmend durch.

Weblinks

See also: Thidrekssaga, Altnordisch, Bonn, Dietrich von Bern, Hanse, Heinz Ritter-Schaumburg, Nibelungenlied, Niederdeutsch, Siegfried der Drachentöter