Michael Thonet
Michael Thonet (* 2. Juli 1796 in Boppard; † 3. März 1871 in Wien) war ein deutscher Tischlermeister und Industrieller und gilt weltweit als Pionier des Möbeldesigns.
| Inhaltsverzeichnis |
Leben
Thonet war der Sohn des Gerbermeisters Franz Anton Thonet aus Boppard. Nach einer Tischlerlehre machte sich Thonet 1819 als Möbeltischler selbstständig. Bereits ein Jahr später heiratete er Anna Grahs. Mit ihr hatte er fünf Söhne.
Ab 1830 begann Thonet 1830 mit Versuchen, aus verleimten und gebogenen Holzleisten Möbel herzustellen. 1836 gab es mit dem Bopparder Schichtholzstuhl einen ersten Erfolg. Den für diese Arbeitsweise benötigten Leim lieferte die Michelsmühle aus Boppard. Thonet gewann ein gutes Stück Unabhängigkeit, als er diese Leimsiederei 1837 erwarb.
Versuche, sich sein Verfahren in Deutschland (1840), sowie in Großbritannien, Frankreich und Rußland (1841) patentieren zu lassen, scheiterten.
Auf der Koblenzer Gewerbeausstellung im Jahre 1841 machte Thonet die Bekanntschaft von Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich, der von Thonets Möbeln begeistert war. Er lud Thonet an den Hof nach Wien ein. Dieser nahm an und konnte schon im darauffolgenden Jahr seine Möbel, speziell seine Stühle, dem Kaiserhaus vorstellen.
Als der Betrieb in Boppard in eine finanzielle Krise geriet, verkaufte Thonet und wanderte samt seiner Familie nach Wien aus. In den Jahren 1843 bis 1846 arbeitete Thonet gemeinsam mit seinen Söhnen für den Betrieb Carl Leistler an der Innenausstattung des Palais Liechtenstein.
1849 wagte er wieder die Selbstständigkeit und gründete eine eigene Werkstätte, die Firma Gebrüder Thonet. Bereits 1850 entstand sein Stuhl Nr 1. Bei der Weltausstellung in London 1851 bekam Thonet für seine Vienna bentwood chairs die Bronzemedaille und schaffte damit auch seinen internationalen Durchbruch.
Bei der nächsten Weltausstellung, 1855 in Paris, erreichte er bereits die Silbermedaille. Er verbesserte ständig seine Produktionsmethoden und konnte bereits 1856 eine weitere Fabrik in Koritschan, Mähren eröffnen. Zu ihr gehörten ausgedehnte Buchenwälder, die große Bedeutung für die Fabrikation hatten.
Der 1859 entwickelte Stuhl Nr. 14 gilt bis heute als Stuhl aller Stühle; bis 1930 wurden von ihm ca. 50 Mio. Stück produziert und verkauft. 1867 erzielte die Nr. 14 bei der Weltausstellung in Paris erwartungsgemäß eine Goldmedaille.
Im Alter von 75 Jahren starb Michael Thonet am 3. März 1871 in Wien. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt die Fa. Gebrüder Thonet Verkaufsstellen in Barcelona, Brüssel, Bukarest, Chicago, Frankfurt/M., Graz, Hamburg, London, Madrid, Marseille, Moskau, New York, Neapel, Odessa, Paris, Prag, Rom, St. Petersburg.
Technik
Das Verfahren besteht darin, Rundstäbe durch Wasserdampf oder durch Kochen in dünnem Leim zu erweichen und anschließend in Metallformen zu pressen, deren Krümmungen sie so nach dem Trocknen behalten. Der Vorzug der gebogenen Möbel (Stühle, Fauteuils, Schaukelstühle, Sofas, Klaviersessel usw.) besteht in großer Stabilität. Im 20. Jahrhundert wurde das Verfahren von skandinavischen Designern wie Alvar Aalto oder Bruno Mathsson wieder aufgenommen.
Literatur
- Albrecht Bangert: Thonet Möbel : Bugholz-Klassiker von 1830-1930. - München : Heyne, 1997. - ISBN 3-453-13047-2
- Hans H. Buchwald: Form from Process : the Thonet chair. - Cambridge, Mass. : Carpenter Center for the Visual arts, 1967
- Andrea Gleininger: Der Kaffeehausstuhl Nr. 14 von Michael Thonet. - Frankfurt/M. : Birkhäuser, 1998. - ISBN 3-764-36832-3
- Brigitte Schmutzler: Eine unglaubliche Geschichte : Michael Thonet und seine Stühle. - Koblenz : Landesmuseum, 1996. - ISBN 3-925915-55-9
Weblink
- http://www.my-thonet.de/presse/THONET_PR_Wandzeitung_dt.pdf Thonet-Pressemitteilung zur Geschichte
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Thonet, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Möbeldesigner |
| GEBURTSDATUM | 2. Juli 1796 |
| GEBURTSORT | Boppard |
| STERBEDATUM | 3. März 1871 |
| STERBEORT | Wien |
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