Timothy Leary

Timothy Leary (* 22. Oktober 1920 in Springfield, Massachusetts; † 31. Mai 1996 in Beverly Hills) war ein US-amerikanischer Psychologe und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Schaffen

Leary wurde in den 1960er und 70er Jahren dafür berühmt, dass er den freien und allgemeinen Zugang zu bewusstseinsverändernden Drogen (z. B. von Meskalin, Psilocybin und LSD) propagierte. In diesem Zusammenhang erfand er den PR-Slogan Turn on, Tune in, Drop out (im Übertragenen Sinne: "Mach dich an (z. B. durch Drogen), stell dich um (richte dein Leben neu aus), spring ab (von den Fesseln der Gesellschaft)").

Damit hatte er einen anderen Ansatz als Aldous Huxley, der schon 1953 mit Meskalin experimentierte und seine Erfahrungen in dem einflussreichen Text Die Pforten der Wahrnehmung veröffentlichte. Huxley befürwortete den experimentellen Einsatz von Meskalin ausschließlich für einen kleinen Kreis Intellektueller, Künstler und religiöser Menschen, nicht für die Allgemeinheit. Eine weitere von Leary abweichende therapeutische Anwendung von LSD, in geschütztem Umfeld und mit medizinischer Begleitung, beschreibt Stanislav Grof (Psycholyse).

Timothy Leary sah psychedelische Drogen als Mittel zur Neu-Programmierung des Gehirns, d. h. (in seiner Terminologie) der Aufhebung vorhandener Prägungen und der gleichzeitigen Öffnung für neue Prägungen. Leary betonte den Einfluss von SET (innere Einstellung des Konsumenten zum Zeitpunkt des Rausches), SETTING (Umgebung und Umfeld bei der Sitzung) und DOSIS, auf den Wirkungsverlauf halluzinogener Drogen. Nach Leary kann durch günstiges Set und Setting das Entstehen von Psychosen durch Psychedelika verhindert werden. Leary hat also niemals einen unkontrollierten Drogenkonsum gutgeheißen (auch wenn er so missverstanden wurde), welcher schnell fatale Folgen zeigen kann (Psychosen, Selbstmorde). Vielmehr verlangte er einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen und befürwortete Experimente unter professioneller Führung. Ferner gab er angehenden Psychonauten folgenden Rat:

"Acid is not for every brain - only the healthy, happy, wholesome, handsome, hopeful, humorous, high-velocity should seek these experiences. This elitism is totally self-determined. Unless you are self-confident, self-directed, self-selected, please abstain."

(Deutsch: "LSD ist nicht für jedes Gehirn etwas - nur die Gesunden, Glücklichen, Schönen, Hoffnungsvollen, Humorvollen und Agilen sollten nach einer solchen Erfahrung suchen. Dieser Elitismus ist gänzlich selbstbestimmt. Wenn du nicht selbst-bewusst, selbst-gesteuert, selbst-bestimmt bist, lass es bitte.")

Leary formulierte in diesem Zusammenhang die Zwei Gebote für das Molekulare Zeitalter:

  1. Thou shalt not alter the consciousness of thy fellow men. (Deutsch: Du sollt das Bewusstsein deines Nächsten nicht verändern.)
  2. Thou shalt not prevent thy fellow man from altering his or her own consciousness. (Deutsch: Du sollst deinen Nächsten nicht daran hindern, sein oder ihr Bewusstsein zu verändern.)

Diese Sätze sind aber durchaus nicht nur in Bezug auf den Gebrauch von Drogen zu verstehen, sie beziehen sich auch auf die Manipulation durch Massenmedien, Politiker und Gruppenzwang. Die Sätze sind auch deshalb provokativ, weil sie eine obsolete Grammatik verwenden die dem Bibelenglisch entspricht und somit indirekt mit dem Anspruch der Unumstößlichkeit spielen.

Leary entwickelte eine Theorie der acht Bewusstseinsstufen, die das Bewusstsein in Stufen gliedert, die es während der (individuellen und philogenetischen) Evolution durchlaufen haben soll, siehe Neuronaler Schaltkreis nach Leary.

Leary war Mitentwickler der Zeitkammer, eines Vorläufers des Isolationstanks (Samadhi-Tanks).
Ausserdem ist Timothy Leary der Patenonkel von Winona Ryder, Uma Thurman (Tochter seiner Exfrau Nena) und Joi Ito.

Verfolgung

left|148px|thumb|Leary bei seiner Verhaftung 1972 1965 wurde bei einer Grenzüberquerung von Mexiko in die USA bei Timothy Learys Tochter Marihuana gefunden, für das Timothy Leary die Verantwortung übernahm. Seine Tochter Susan wird zu 5 Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, während Timothy Leary aufgrund des Marihuana-Tax-Acts wegen Steuerhinterziehung und illegaler Einfuhr zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Dieses Urteil wird zwar 1969 vom obersten Gerichtshof aufgehoben und der Marihuana-Tax-Act wird für verfassungswidrig erklärt. Jedoch wird Timothy Leary kurz darauf wegen eines weiteren Marihuana-Delikts - in seinem Auto wurden bei einer Durchsuchung 2 Jointkippen gefunden - zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Die verhältnismäßig harte Bestrafung könnte einen politischen Hintergrund gehabt haben, da Timothy Leary aufgrund seiner gesellschaftskritischen Positionen kurz zuvor von Präsident Richard Nixon zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärt wurde.

Mit Hilfe der Weathermen gelang ihm 1970 die Flucht aus dem Gefängnis. Seine Flucht führt ihn anschließend nach Algerien, wo er bei Exilanten der Black-Panther-Bewegung Unterschlupf fand. Nach Konflikten mit der Führung der Black Panther flieht er weiter in die Schweiz. Die Schweiz gewährt ihm 1971 politisches Asyl und lehnt einen Auslieferungsantrag der US-amerikanischen Regierung ab. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien flieht Leary weiter nach Afghanistan. 1973 wird er in Kabul von den afghanischen Behörden festgesetzt und an die USA ausgeliefert, wo er bis 1976 inhaftiert blieb.

Leary starb an Prostatakrebs, am 1. Juni 1996 im Alter von 75 Jahren. Seine letzten Worte zu seinem Sohn Zachary waren "Why not?" (deutsch: "Warum nicht?"). Nach seinem Tod wurden sieben Gramm von Leary's Asche und die Überreste von 24 anderen Personen einschließlich Gene Roddenberry (Dem Erfinder von Star Trek), Gerard O'Neill (Weltraumphysiker), Krafft Ehricke (Raketenentwickler) in den Weltraum geschossen.

Bekannte Namen seiner Zeit

Werke

Englische Werke

Weblinks

Siehe auch: Liste verbotener Bücher, Krieg gegen Drogen, Drogen, Rauschgift, Hippie

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Personendaten
Leary, Timothy
US-amerikanischer Psychologe und Autor
22. Oktober 1920
Springfield, Massachusetts
31. Mai 1996
Beverly Hills

See also: Timothy Leary, 1920, 1953, 1957, 1960er, 1963, 1964, 1965, 1967