Tischsitten

Unter Tischsitte versteht man das Benehmen bei Tisch, genauer beim Einnehmen von Speisen in Gesellschaft.

Die Regeln im westlichen Kulturkreis sind folgende:

Inhaltsverzeichnis

Verhalten als Gast

Einnehmen und Verlassen des Platzes

Ist eine Sitzordnung vorhanden, muß diese eingehalten werden (Tischkärtchen). Als Gast nimmt man erst Platz, wenn der Gastgeber sich setzt oder dazu bittet. Wenn man den Platz verläßt, entschuldigt man sich vorher. Beim Verlassen des Platzes zum Zwecke des Wasserlassens nennt man das Wort Toilette o.ä. nicht, sondern umschreibt es höchstens. Die Tafel ist erst aufgehoben, wenn der Gastgeber dies erklärt.

Geräusche

Trink- und Essgeräusche wie Schmatzen, Schlürfen, Gurgeln sind Tabu. Auch gehört es sich nicht, überlaut mit Besteck zu hantieren. Völlig inakzeptabel sind das Aufstoßen oder Winde. Bei Schluckauf verläßt man umgehend den Tisch.

Das Speisen

Es ist grundsätzlich Besteck oder Werkzeug zu benutzen. Mit der Hand darf nichts gegessen werden (Ausnahme: Austern und evtl. Hähnchenschenkel). Man steht nicht auf, um sich vom Tisch zu bedienen. Unschicklich ist es auch, wenn man seinen Arm über den Teller seines Tischnachbarn streckt. Eier werden nicht Durchgehackt sondern mit einem Löffel abgeklopft. Brot wird gebrochen und nicht im Ganzen bestrichen. Eintunken von Brot gilt oft als unfein. Bei der Benutzung des Bestecks ist die Menüfolge zu beachten: Es wird immer das Besteck benutzt, das sich am weitesten weg vom Teller befindet. Messer und Gabel werden nicht in die Höhe gehalten. Spaghetti wird nicht zerschnitten oder in den Mund gesaugt. Beim kurzfristigen Ablegen von Besteck ist darauf zu achten, daß die Unterseiten nach oben auf dem Teller liegen. Teller werden immer auf dem Tisch gelassen und nicht hochgehalten. Man beugt sich auch nicht über den Teller. Teller werden nicht weggestellt oder gestapelt. Es ist keinesfalls aus Flaschen, Karaffen, Kannen, Schüsseln oder Krügen zu trinken sondern aus Gläsern, Tassen und Bechern. Strohhalme werden, wenn überhaupt, nur für Getränke in Gläsern verwendet.

Kommunikation

Man redet nicht mit vollem Mund. Lautes Reden, z.B. mit einem entfernt sitzenden Tischnachbarn, ist nicht akzeptabel. Bedienungen werden nicht mit lautem Rufen oder gar Fingerschnipsen herbeigeholt, sondern angesprochen oder mittels dezenter Geste herbeigebeten.

Unfeine Worte oder Themen sind zu unterlassen. Bei Ansprachen ist es unschicklich, sich zu unterhalten. Wenn man einen Nachschlag haben möchte, kann man dies auch nonverbal kundtun, indem man das Besteck auf dem Teller parallel zueinander legt. Wenn man keinen Nachschlag mehr haben möchte, kreuzt man das Besteck mit den Oberseiten nach unten auf dem Teller.

Portionen

Man nimmt keine übergroße Portionen und beugt sich nicht herunter. Man bestellt (unaufgefordert) immer nur für sich selbst. Bei Buffets ist es verpönt, mehrere oder übervolle Teller zu nehmen. Von Buffets darf man sich erst bedienen, wenn es offiziell eröffnet ist. Drängeln, Vordrängeln oder Schubsen ist überaus unhöflich.

Kleidung

Die Art der Kleidung richtet sich nach der Vorgabe in der Einladung. Krawatten legt man nicht über die Schulter; sie wird nicht abgelegt. Das Sakko wird erst ausgezogen, wenn es auch der Gastgeber ablegt. Ärmel krempelt man nicht um. Schuhe zieht man nicht aus.

Serviettengebrauch

Die Serviette wird nicht in den Kragen gesteckt, sondern auf den Schoß gelegt (evtl. auch unter dem Teller fixiert). Sie dient nur zum Abwischen des Mundes (nicht zum Finger oder Besteck abwischen oder gar zum Schnäuzen). Nach Beendigung des Speisens wird sie nicht über den Teller gelegt, sondern links abgelegt.

Sonstiges

Absolut tabu ist es, sich am Tisch die Haare zu kämmen, zu Schminken, die Fingernägel zu säubern, laut zu Niesen oder zu Schnäuzen. Beim Husten oder beim Niesen ist unbedingt die Hand oder die Serviette vor das Gesicht zu halten. Wenn es nicht vermeidbar ist, kann man Zahnstocher auch am Tisch benutzen (mit vorgehaltener Hand). Dem Personal wird grundsätzlich nach jeder Tätigkeit gedankt (verbal oder nonverbal). Die Gabe von Trinkgeld ist bei geschlossenen Gesellschaften oder bei privaten Festivitäten durch einzelne Gäste unüblich. Geraucht werden sollte erst, nachdem alle das Essen beendet haben und die Tischnachbarn um Erlaubnis gebeten wurden. Verpönt ist es, in benutzte Speise- oder Trinkbehälter abzuaschen. Übermäßiger Alkoholkonsum wird meist nicht gern gesehen. Man sitzt normal und gerade, nicht lässig zurückgelehnt, mit überschlagenen Beinen oder gar mit einem Bein auf einem Stuhl oder auf dem Tisch. Die Hände sind immer über dem Tisch zu halten, dabei liegen die Handgelenke auf der Tischkante. Aufstützen mit den Ellenbogen gilt als ungehobelt. Haustiere werden normalerweise nicht unter dem Tisch gefüttert.

Verhalten als Gastgeber

Gäste werden schriftlich mind. einen Monat vorher eingeladen (R.S.V.P. bedeutet, daß der Gastgeber eine Nachricht erwartet, ob man gedenkt, sich die Ehre zu geben oder nicht). Es ist meistens üblich, daß der Gastgeber eine Ansprache hält. Sie wird i.d.R. durch mehrfaches Anklingen eines Trinkglases mit einem Löffel angekündigt.

Verhalten als Bedienungspersonal

Es ist immer rechts des Gastes zu bedienen. Besonders elegant ist es, wenn die Bedienung die ungenutzte Hand mit dem Handrücken auf den Rücken legt. Weine sind immer erst mit einem Schluck zu befüllen, damit der Gast diesen zunächst degustieren kann. Trinkgefäße werden zum Befüllen nicht in die Hand genommen. Das Essen oder Getränke abzuräumen, während der Gast diese konsumiert, kommt einer Beleidigung gleich.

Siehe auch:

See also: Tischsitten, Adolph Freiherr Knigge, Ansprache, Auster, Bedienung, Benimmunterricht, Besteck, Buffet, Ei, Einladung