Tokugawa Ieyasu

Tokugawa Ieyasu (jap. 徳川家康, 1543-1616) war der Begründer des Tokugawa-Shogunats in Japan, und gilt mit Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi als einer der „drei großen Einiger“ des feudalen Japan.

Geb. Tenbun 11/12/26 (westl. Datum 31. 1. 1543) in der Burg Okazaki, gest. Genna 2/4/17 (1. 6. 1616) in Sunpu; auch unter seinem Kindheitsnamen Takechiyo 竹千代, als Matsudaira Motonobu 松平元信 und als Matsudaira Motoyasu 松平元康 bekannt.

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Inhaltsverzeichnis

Kindheit als Geisel

Ieyasu wuchs in einer Zeit auf, die heute als Zeit der Streitenden Reiche (sengoku jidai) in der japanischen Geschichtsschreibung bekannt ist. Zentrale Autoritäten wie Tenno oder Shogun (Militärmachthaber) existierten nur noch dem Namen nach, während regionale Kriegsherren (Daimyō) in beständigen Kleinkriegen um die Macht in einzelnen Landstrichen wetteiferten. Ieyasus Stammland, die fruchtbare Provinz Mikawa (heute Teil der Präfektur Aichi) gehörte zwar seit mehreren Generationen seiner Familie, den Matsudaira, diese wurden jedoch von zwei expandierenden Häusern, den Oda im Westen und den Imagawa im Osten bedrängt. Beide Rivalen waren bestrebt, die Matsudaira entweder militärisch zu entmachten oder als Vasallen zu gewinnen.

Ieyasus Jugend spiegelt die Verhältnisse dieser rauen Zeit exemplarisch wider. 1548, im Alter von fünf Jahren verbrachte er ein Jahr als Kriegsgeisel in Gewalt der Oda, die ihn 1549 im Tausch gegen andere Geiseln an die Imagawa weitergaben. Während sein Stammhaus mehr und mehr unter den Einfluss der Imagawa geriet, wurde er selbst zu einem Vasallen der Imagawa herangezogen. Sichtbares Zeichen war die Verleihung des Namenszeichens "moto" (Motoyasu), das auch das Oberhaupt der Imagawa, Yoshimoto, im Namen trug.

Pakt mit Oda Nobunaga

1556, nach westlicher Zählung mit 13, wurde Ieyasu in sein Stammhaus zurückgeschickt, um es nach dem frühen Tod seines Vaters zu übernehmen und führte im Auftrag der Imagawa eine erste erfolgreiche Schlacht gegen Oda Nobunaga. 1560 beteiligte er sich am Versuch der Imagawa Kyoto einzunehmen. Dieser kühne Vorstoß misslang und kostete dem Anführer der Imagawa, Motoyasu, das Leben. Ieyasu nützte das entstandene Machtvakuum, um sich vom Imagawa Einfluss zu befreien und verbündete sich statt dessen mit Oda Nobunaga, dessen militärische Expansion er in der Folge unterstützte. Als Gegenleistung erhielt er freie Hand die eigenen Besitztümer zu erweitern. 1566 ließ er sich sein steigendes Prestige vom kaiserlichen Hof in Kyoto bestätigen. Als Zeichen seiner (historisch nicht verifizierbaren) Abstammung vom prestigereichen Haus der Minamoto erwirkte er eine Änderung seines Namens. Seit dieser Zeit nannte er sich Tokugawa Ieyasu – möglicherweise ein Hinweis, dass er mit vergangenen Familienloyalitäten nichts mehr zu tun haben wollte.

Nachdem es Ieyasu 1570 gelang, sich die Besitzungen der Imagawa einzuverleiben, stieß er auf einen weiteren Territorialfürsten, der zu dieser Zeit seine Besitzungen erfolgreich ausdehnte, Takeda Shingen. Ihre erste kriegerische Auseinandersetzung (1572) trug Ieyasu eine seiner wenigen kritischen Niederlagen ein, aus der er selbst gerade noch mit dem Leben davon kam. Durch den unvermuteten Tod Shingens (1573) gelang es Ieyasu aber schließlich, die Takeda mit Unterstützung Nobunagas zurückzudrängen. Offenbar war die Allianz Oda-Tokugawa jedoch nicht über jeden Zweifel erhaben. 1579 gerieten Ieyasus Hauptfrau Tsukiyama-dono sowie sein ältester Sohn und Erbfolger Nobuyasu (1559-1579) in den Verdacht, mit den Takeda zu konspirieren. Gedrängt von Nobunaga ließ Ieyasu seine Frau daraufhin hinrichten und zwang seinen Sohn zum Selbstmord.

Ieyasu und Hideyoshi

1582 wurde Oda Nobunaga von seinem Vasallen Akechi Mitsuhide ermordet. Ein weiterer Feldherr Nobunagas, Toyotomi Hideyoshi „rächte“ Nobunagas Tod und übernahm damit zugleich sein territoriales und militärisches Erbe. Ieyasu festigte in dieser Zeit seinen Einfluss auf die ehemaligen Territorien der Imagawa und der Takeda. 1584 kam es zu einem militärischen Schlagabtausch zwischen Hideyoshi und Ieyasu, der zugunsten des letzteren ausging. Ieyasu nützte seinen Sieg, um sich der unmittelbaren Befehlsgewalt Hideyoshis zu entziehen, etablierte sich in der Folge jedoch als gleichrangiger Verbündeter. 1590 marschierten Tokugawa und Toyotomi Truppen gemeinsam weiter nach Osten und brachten die Festung Odawara der mächtigen Hôjô nach 6monatiger Belagerung zu Fall. Dies sicherte ihnen den entscheidenden Einfluss auf die Kantô-Ebene, das traditionelle Kernland der Ostprovinzen Japans. Hideyoshi bot Ieyasu daraufhin an, die Kantô-Besitzungen der Hôjô allein zu übernehmen, dafür aber seinen bisherigen Besitz an Hideyoshi abzutreten. Territorial sah dieser Handel nach einem Gewinn für Ieyasu aus, tatsächlich trachtete Hideyoshi jedoch danach, Ieyasu von Kyoto, dem politischen und kulturellen Zentrum des Landes, so weit als möglich fernzuhalten. Ieyasu durchschaute dies sicher, willigte aber ein, um einen militärischen Konflikt mit Hideyoshi zu vermeiden.

Sein Hauptquartier errichtete Ieyasu in Edo, einem unbedeutenden Fischerdorf. In der Folge entwickelte es sich zu einer blühenden Großstadt und sollte schließlich 1868 unter dem Namen Tôkyô ("Ost-Hauptstadt") auch Sitz des Tenno werden.

Gründung des Tokugawa Shogunats

Als Hideyoshi im Jahr 1598 starb, zählte Ieyasu mit vier anderen Daimyo zu den fünf Großen Alten (tairô 大老), denen Hideyoshi die Obhut seines minderjährigen Erben testamentarisch anvertraut hatte. Statt sich für die Sache der Toyotomi wirklich einzusetzen handelte Ieyasu aber – zuerst verdeckt dann immer offener – in seinem persönlichen Interesse, ganz wie es Hideyoshi im Fall der Erben Nobunagas getan hatte. 1600 spalteten sich Hideyoshis Anhänger daher in ein Westliches Lager, angeführt von Ishida Mitsunari, und ein Östliches, angeführt von Ieyasu. Ieyasu konnte die entscheidende Schlacht von Sekigahara, die die bis dahin größte Schlacht auf japanischem Boden gewesen sein soll, für sich entscheiden und war damit unangefochten der militärische Alleinherrscher Japans. Dies markiert nach allgemeiner Darstellung den Beginn der Edo Zeit, die politisch von den Tokugawa in Edo dominiert wurde.

1603 besiegelte Ieyasu seine führende Stellung, indem er sich vom Tenno den Titel Shogun verleihen ließ. (Statt 1600 wird daher auch manchmal 1603 als Beginn der Edo Zeit angegeben). Im Gegensatz zu Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi dachte er rechtzeitig daran, seine Stellung für seine Nachkommen zu sichern. 1605 trat er den Titel Shogun daher an seinen Sohn Tokugawa Hidetada ab, behielt im Hintergrund aber die politischen Fäden des Landes weiter fest in der Hand. Von da an zielte seine Politik auf die Festigung der bestehenden Machtverhältnisse und die Auslöschung aller potentieller Konfliktherde ab. Dazu zählte einerseits die christliche Mission, die zusammen mit europäischen Händlern die Geschehnisse dieser Zeit nicht unwesentlich beeinflusst hatte, andererseits die Nachkommen Hideyoshis, die in der Festung von Osaka residierten.

Beide Probleme nahm Ieyasu im vorgerückten Alter von über 70 Jahren mit gnadenloser Härte in Angriff. 1613 kam es zu einem totalen Verbot der christlichen Mission (Bateren tsuihôrei), Missionare und sogar christliche Daimyo wurden ausgewiesen, später auch hingerichtet. 1614 fand Ieyasu einen fadenscheinigen Vorwand, um gegen Hideyoshis Erben, Toyotomi Hideyori vorzugehen. 1615 kam es zum entscheidenen Angriff auf die Burg von Osaka durch die Truppen des Shogunats. Nach ihrem Fall begingen Hideyori und seine Mutter Selbstmord. Sein Sohn Kunimatsu wurde hingerichtet, obwohl er einer Ehe mit einer Enkelin Ieyasus entstammte und folglich ein Blutsverwandter der Tokugawa war.

Nachleben und Nachwirkung

Ein Jahr später, am 1. 6. 1616 (westliches Datum) starb Ieyasu eines natürlichen Todes auf seinem Alterssitz in Sunpu, jener Burg der Imagawa, in der er als Geisel seine Kindheit verbracht hatte. Wie alles andere, scheint er auch seinen Tod gut vorbereitet zu haben. Geleitet von seinen religiösen Beratern Tenkai und Sûden ließ er sich einen Ritus zurechtschneidern, demzufolge er als die Gottheit Tôshô Daigongen weiter über das Schicksal seiner Familie und des Landes wachen sollte. Sein Enkel Iemitsu, der dritte Tokugawa-Shogun ließ Ieyasus Kult und sein Mausoleum in großem Stil ausbauen. Das Ergebnis ist noch heute im Tôshogû Schrein von Nikkô zu bewundern, wo Ieyasu und sein Enkel beigesetzt sind.

Das von Ieyasu gegründete Tokugawa-Shogunat sollte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestehen. Trotz oder vielleicht gerade wegen der strikten Abschottungspolitik (鎖国政策 Sakokuseisaku, wörtlich: politische Maßnahme zur Abschliessung des Landes) der Tokugawa nach außen und der polizeistaatähnlichen Überwachung der Bevölkerung war es eine lange Periode innerer Stabilität und kultureller Blüte.

Die Geschichte von Ieyasus Aufstieg ist eine der berühmtesten und beliebtesten in der japanischen Geschichtsschreibung. Zum Beispiel findet sie sich auch in dem Roman Shogun von James Clavell wieder, in der Ieyasu als fiktiver Shogun Toranaga porträtiert wird. Der von Ieyasu zum Samurai ernannte Engländer William Adams (japanischer Name Miura Anjin) ist dort als John Blackthorne verewigt. Ieyasus epischer Kampf mit den Takeda wurde in Kurosawa Akiras Kagemusha filmisch verarbeitet.

Literatur

Weblinks

Detaillierte Biographien (leider nur in englischer Sprache):

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See also: Tokugawa Ieyasu, 19. Jahrhundert, Aichi, Daimyō, Edo, James Clavell, Japan, Japanisches Schriftsystem, Kagemusha, Kyoto