Tonfilm

Unter Tonfilm versteht man im allgemeinen einen Film, der, im Unterschied zum Stummfilm, mit einer synchronen Tonspur versehen ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Entwicklung

Der Kinofilm war nie stumm; er wurde von Anfang an von Klavier- oder Orchestermusikern begleitet. Erste Versuche der Synchronisation von Phasenbildern mit dem Grammophon stammen von W. Donnisthorpe aus dem Jahr 1877. Um 1900 kombinierte dann Thomas Alva Edison den Kinematographen mit seinem Phonographen und konstruierte auch verschiedene andere Kombinationen wie Kameraphon und Kinemaphon.

Nadeltonverfahren

Während Edisons Phograph noch mit Walzen arbeitete, nutzte das Grammophon eine Nadel als Tonabnehmer; die Spielfilme der späten 20er Jahre wurden auf Rollen präsentiert, die eine Vorführungslänge von 11 Minuten hatten; danach musste die Rolle gewechselt werden. Zu diesem Zweck wurde die Langspielplatte entwickelt, die zunächst eine Spieldauer von elf Minuten hatte. Diesen Medienverbund bezeichnet man auch als Nadeltonverfahren; es wurde in den 30er Jahren vom Lichtton abgelöst.

Der von vielen Kritikern als erster vollwertiger Sprech-Spielfilm betrachtete "Der Jazz-Sänger" (USA, 1927) mit Al Jolson unter der Regie von Alan Crosland war bedingt durch seinen prominenten Darsteller auch mehr ein Musikfilm und noch im Vitaphone-Verfahren (Ton auf Platte) gefertigt. Die Monologe und Dialoge waren improvisiert. Warner Brothers hatten nur beabsichtigt, einen Film zu drehen, in dem Musik und Gesang synchronisiert wurde, wodurch kein Dialogmanuskript notwendig war. So erklärt sich auch der Inhalt des ersten Monolog Jolsons: "Warten Sie eine Minute. Warten Sie eine Minute. Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört. Wollen sie Toot-toot-tootsie hören. All right. Einen Moment." Dabei war "Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört." eine seiner berühmtesten Wendungen, die er auch bei seinen üblichen Bühnenauftritten präsentierte. Die einzige weitere Sprachsequenz war mit zumindest 354 Wörtern deutlich länger und spielt sich zwischen Jolson (340), Eugenie Besserer (13) und schließlich Walter Oland ab, der sogar nur ein einziges Wort sagen durfte - und zwar bezeichnenderweise "Stop".

Lichttonverfahren

Als Erfinder des Lichttonverfahrens kann man den deutschen Ingenieur Hans Vogt (* 25. September 1890 in Wurlitz (Oberfranken)) bezeichnen. Mit seinen Kollegen Joseph Massolle (1889–1957) und Jo Engl (1893–1942) verwirklichte er in der gemeinsamen Gesellschaft Tri-Ergon (griech.-lat., "Werk der drei") die Tonfilm-Idee.

Am 17. September 1922 wurde in Berlin im Alhambra-Kino auf dem Kurfürstendamm vor 1000 Zuschauern der erste Tonfilm, bei dem die Synchronlaufschwierigkeiten bisheriger Tonfilmsysteme überwunden waren, der Öffentlichkeit präsentiert. Vogt, mit seiner Idee einer integrierten Lichttonspur, hatte hieran maßgeblichen Anteil.

Einer der Filme war der erste dramatische Dialogfilm "Der Brandstifter". Alle übrigen waren reine Orchesterfilme mit Vokal-Begleitung, die von der Kritik gemischt aufgenommen wurden. Bemerkenswerter Weise richtete sich die Kritik der Presse nicht gegen das technische Niveau, sondern gegen das inhaltliche Niveau der Dialoge. Vorausschauend erkannten sie, dass dadurch die eigentliche Kunst des Stummfilms, die Pantomime, auf Dauer zerstört würde.

In den Anfängen des Tonfilms wurde die Tonspur als lichtdurchlässige, gezackte Spur auf dem Film aufgebracht. Mit einer Lampe wurde diese Spur hinterleuchtet und auf eine elektrische Fotozelle übertragen. Die unterschiedlichen elektrischen Spannungen welche die unterschiedliche Helligkeit verursachte, wurde mittels eines Verstärkers und einem Lautsprecher in hörbare Töne umgewandelt.

Ende der 1930er Jahre einigten sich die Filmproduzenten und Kinobesitzer auf einen Tonaufnahme- und Tonwiedergabe-Standard.

Magnettonverfahren

Mit dem Magnettonverfahren wurde seit den 30er Jahren versucht, den Lichtton abzulösen; diese Versuche waren jedoch nicht dauerhaft erfolgreich. Heute wird eine Kombination eingesetzt: Die Tonaufnahme wird auf Magnetband aufgezeichnet, davon wird ein Lichttonnegativ angefertigt, das wiederum auf die Positivkopie der Vorführung kopiert wird.

Neuere Tonverfahren

1976 kam ein bahnbrechendes Tonsystem in die Kinos: Dolby Stereo mit 4 Tonspuren.

1987 wurde durch Dolby SR (Spectral Recording) die Tonqualität erheblich verbessert, es blieb allerdings bei vier Tonspuren.

Digitalisierung

Seit 1992 gibt es mit Dolby Digital, DTS und SDDS qualitativ sehr hochwertige Tonsysteme, die sogar 5 bzw. 7 Tonkanäle und einen Subwoofer-Bass-Kanal unterstützen. (5.1 bzw. 7.1 Kanalschema)

See also: Tonfilm, 17. September, 1877, 1900, 1920er, 1922, 1930er, 1976, 1987, 1992