Toromiro
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Der Toromiro-Baum (Sophora toromiro), anderer Name: Schnurbaum, ist ein auf der Osterinsel endemischer Schmetterlingsblütler, der zeitweise als ausgestorben galt. Von der Gattung Sophora gibt es insgesamt etwa 40 Arten, die als Bäume, Sträucher oder Stauden in den wärmeren Regionen der Erde (Tropen und Subtropen) vorkommen.
Der Toromiro ist ein Busch oder kleiner Baum, der bis zu einer Höhe von 5 Metern wächst. Der Hauptstamm kann eine Dicke von bis zu 50 Zentimetern erreichen. Die Pflanze hat unpaarig gefiederte, an der Unterseite mit einer feinen Behaarung versehene Blätter und gelbe, einzeln stehende Blüten mit einer Länge von etwa 2 Zentimetern. Die Samen wachsen zu je 4 – 5 Stück in etwa 10 Zentimeter langen Schoten.
Archäobotanische Untersuchungen der University of Reading, England, lassen den Schluss zu, dass die Pflanze ursprünglich als Unterholz in den Randbereichen der einst ausgedehnten Wälder auf der Osterinsel wuchs.
Die erste schriftliche Erwähnung des Toromiro verdanken wir Georg Forster, der die Pflanze als Teilnehmer der zweiten Südseereise (1772 bis 1775) von Kapitän James Cook auf der Osterinsel entdeckte. Forster beschrieb die Pflanze - er hielt sie für eine Mimose - als einen Busch, der bis zu einer Höhe von drei Metern in verstreuten Dickichten auf der ganzen Insel wuchs. Er sammelte Pflanzenteile für das Herbarium des Britisch Museum of Natural History, die sich noch heute in der Sammlung befinden. Der Zahlmeister William Thomson, der 1886 an Bord des amerikanischen Schiffes Mohican die Osterinsel besuchte, berichtete von einer bereits weitgehend zerstörten Population als Folge des Verbisses von Haustieren. Der Archäologe Alfred Métraux fotografierte 1934/35 einen der letzten, zu diesem Zeitpunkt beinahe schon ausgestorbenen Toromiro im Krater des Rano Kau.
Der Legende nach wurde der Toromiro-Baum von Hotu Matua auf die Osterinsel gebracht. Archäobotanische Pollenanalysen belegen aber ein Vorkommen lange vor der Zeitenwende, also deutlich vor der ersten menschlichen Besiedlung. Ein naher Verwandter des Toromiro, Sophora microphylla, ist heute noch in Chile verbreitet. Die Samen vieler Sophora-Arten überstehen auch einen längeren Aufenthalt im Salzwasser, sodass die natürliche Verbreitung durch Meeresströmungen, ausgehend vom chilenischen Festland, anzunehmen ist.
Das harte, feinporige Holz wurde in der Osterinsel-Kultur vielfältig genutzt, als Baumaterial und zur Herstellung von häuslichen Gebrauchsartikeln, aber überwiegend als Grundmaterial für rituelle Schnitzereien (Moai-Kavakava, Rei-Miro, Zeremonialpaddel, Zeremonialstäbe und -keulen). Die intensive menschliche Nutzung trug vermutlich bereits zum Niedergang der Art bei. Als im 19. und 20. Jahrhundert die Osterinsel intensiv als Viehweide genutzt wurde, erlosch der Bestand vollends, da die von den Europäern eingebrachten Haustiere die Rinde der Bäume und Sträucher abweideten. Thor Heyerdahl brachte bei seiner Osterinsel-Expedition (1955 bis 1956) Samen des vermutlich letzten erhaltenen Toromiro-Baumes aus dem Krater des Rano Kau nach Europa (möglicherweise das gleiche Exemplar, das Métraux zwanzig Jahre zuvor fotografierte). Im Botanischen Garten von Göteborg wurden daraus Pflanzen gezogen, die wiederum an andere Botanische Gärten weiter gereicht wurden. Im Botanischen Garten der Universität Bonn ist ein inzwischen 1 Meter hoher Toromiro zu sehen, der ursprünglich aus dem Bestand von Göteborg stammt.
Der Kew Garden bei London koordiniert ein weltweites Projekt zur Wiederansiedlung des Toromiro auf der Osterinsel. Inzwischen konnten 200 Sämlinge, alles direkte und indirekte Abkömmlinge der Pflanzen von Göteborg, auf der Insel ausgewildert werden.
Weblinks
Fotos des Toromiro [1]
