Torpedo

thumb|Torpedo in einem U-Boot vor dem Einführen in den Abschussschacht Der moderne Torpedo ist eine zielsuchende Unterwasserwaffe mit eigenem Antrieb und einer Sprengladung. Er zündet auf Kontakt oder Annäherung an ein Ziel. Auch wenn Torpedos die Hauptbewaffnung von U-Booten sind, so können sie auch von Schiffen und Flugzeugen eingesetzt werden. Verwendung finden sie vor allem auf U-Booten, Torpedobooten sowie Torpedobombern. Aber auch Zerstörer und streckenweise sogar Kreuzer und Schlachtschiffe wurden mit ihnen ausgerüstet. Es gibt Seeminen, die Torpedos verschießen.

Torpedos können Teile anderer Waffensysteme sein. Der MK-46 Torpedo der NATO ist der Gefechtskopf der ASROC-Rakete, die gegen U-Boote eingesetzt wird und wird auch von der Seemine Typ MK-60 CAPTOR verschossen.

Wortherkunft

Das Wort Torpedo leitet sich vom englischen Wort Torpedo ab, das eine Fischgattung aus der Ordnung der Torpediformes und der Familie der Torpenidae (Zitterrochen) bezeichnet. Diese Fische beziehen ihren Namen wiederum vom lateinischen Wort "torpere", das mit lähmen übersetzt werden kann. Dieser Name hat nichts mit der Form der Waffe zu tun.

Im Sprachgebrauch der Marine wurde der Begriff zuerst von dem Ingenieur Robert Fulton benutzt, der ihn in Zusammenhang mit seinem U-Boot Nautilus um das Jahr 1800 anwandte.

Geschichte

Ursprünglich, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bezeichnete man mit dem Begriff Torpedo so ziemlich jede Sprengladung im Wasser, auch Seeminen.

Die erste Form des Torpedos war das Spierentorpedo. Während des amerikanischen Bürgerkriegs, als es schien, die Schiffspanzerung sei den Geschossen überlegen, sah man eine Möglichkeit die Panzerung zu überwinden, indem man eine große Sprengladung mittels einer Stange (Spiere) direkt an das feindliche Schiff brachte. Die Funktionsprinzip entsprach ungefähr dem der Petarde. Das erste Unterseeboot, das ein Spierentorpedo verwendete, war die H. L. Hunley, die damit die Housatonic der Unionstruppen versenkte. Es versank nach dem Angriff allerdings aus noch ungeklärten Ursachen selbst.

Der erste so genannte Whitehead-Torpedo (nach seinem Erbauer Robert Whitehead) hatte eine maximale Reichweite von 300 Metern und hatte einen mit Preßluft angetriebenen Antrieb, der ihm eine Geschwindigkeit von 6 Knoten verlieh. Er trug eine 9 kg schwere Sprengladung in der Spitze.

Der erste erfolgreiche Einsatz eines Torpedos, bei dem ein Schiff versenkt wurde, fand am 26. Januar 1878 statt. Ein russisches Boot unter dem Kommando von Stepan Ossipowitsch Makarow traf dabei ein türkisches 2.000-Tonnen Schiff aus 80 Metern Entfernung.

Die Entwicklung des Torpedos mit Eigenantrieb führte zu einer neuen Qualität im taktischen Denken. Ende des 19. Jahrhundert wurden schnelle Torpedoboote und Zerstörer entwickelt, die wiederum die Entwürfe und Taktiken der großen Kriegsschiffe stark beeinflussten.

Die erste Prototypen propellerbetriebener Torpedos wurden vom kroatischen Ingenieur Ivan Lupis-Vukic, der in der Österreich-Ungarnischen Marine diente, entwickelt und gebaut. Die Präsentation erfolgte 1860 in Rijeka.

Die ersten eingesetzten Torpedos hielten, einmal abgeschossen, einen geraden Kurs bei, bis sie ihr Ziel trafen oder ihr Treibstoff aufgebraucht war.

Funktionsprinzip

thumb|amerikanischer, deutscher und britischer Torpedo aus dem 2. Weltkrieg (v.o.n.u.) Das Funktionsprinzip des Torpedos ist bis heute weitgehend gleich geblieben, auch wenn moderne Torpedos einige Komponenten mehr besitzen als damals. So besitzt der Torpedo auch heute noch eine Zigarrenform und schwimmt im Regelfall knapp unter der Wasseroberfläche, also da, wo Oberflächenschiffe am verwundbarsten sind. Alternativ versucht man Torpedos unter der Kiellinie des Zieles zu zünden. Das Schiff wird zunächst durch die Druckwelle getroffen, bei weiterer Ausdehnung der Gasblase verliert das Schiff in diesem Teil den Auftrieb und bricht auseinander.

Eine Ausnahme besteht selbstverständlich beim Angriff auf ein getauchtes gegnerisches U-Boot. Moderne Torpedos sind in der Lage, bis in eine Tiefe von knapp 2.500 Metern zu tauchen. Um ein feindliches U-Boot, welches wesentlich agiler ist als Oberflächenschiffe und sich außerdem in allen drei Dimensionen bewegen kann, zu orten, besitzen heutige Torpedos aktive und passive Sonardetektoren an ihrer Spitze.

Die hier empfangenen Signale werden in die Mitte des Torpedos weitergeleitet und ausgewertet. Aufgrund des Analyseergebnisses erteilt ein Computer den Steuerflossen am Ende des Torpedos Befehle zur Richtungsänderung.

Die ersten selbststeuernden Torpedos kamen im Zweiten Weltkrieg auf. Der deutsche "Flächenabsuchtorpedo (kurz FAT)" war ein Torpedo, welcher fest vorgegebene Zick-Zack-Linien fuhr, um seine Trefferchancen bei Konvoiformationen zu erhöhen. Dazu kam der akustisch sein Ziel suchende „Zaunkönig“, das Gegenstück zu „Wandering Anne“ der Alliierten.

thumb|160px|Englische Torpedos, Zweiter Weltkrieg Diese Steuerflossen lassen sich heute auch aus dem abschießenden U-Boot beeinflussen. Zu diesem Zweck zieht der Torpedo einen dünnen Steuerdraht hinter sich her. Weiterhin lassen sich so Befehle wie Notabschaltung und vorzeitige Detonation an den Torpedo übermitteln. Ein extremer Vorteil, sollte der eigene Torpedo unerwartet drehen und das eigene Boot als Ziel auffassen.

Abgesehen von der Wasserbombe ist der Torpedo die einzige Waffe zur aktiven Bekämpfung von getauchten U-Booten - das macht ihn zu einer der wichtigsten Waffen im Seekrieg. Während sich Schiffsgeschütze über die Jahre kaum verändert haben, machte die Torpedotechnik vom Ersten Weltkrieg bis heute bemerkenswerte Fortschritte.

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Virginia-Klasse feuert einen Torpedo (Grafik)

Neben Torpedos mit konventionellem Sprengkopf werden seit dem Kalten Krieg auch Torpedos mit Atomsprengkopf gebaut. Diese wurden jedoch nie getestet.

Die neueste Entwicklung stellen Torpedos mit so genannter Superkavitationsblase und Raketenantrieb durch eine Feststoffrakete dar, die mindestens 200 Knoten schnell sind - die Russen sind auf diesem Gebiet der Forschung momentan führend (Modell Schkwal, übersetzt: Sturmböe). Diese Torpedos sollen eine abgeplattete Nase haben. Dahinter soll sich eine Kante befinden, hinter der sich die Kavitationsblase bildet. Mit Hilfe der Umleitung von Abgasen soll die Kavitationsblase zusätzlich erweitert werden. Die ersten Schkwal-Torpedos waren ungelenkt und für nukleare Sprengköpfe vorgesehen. Spätere Schkwal-Torpedos und das Exportmodell Schkwal E sind nicht zielsuchend, die Zieldaten müssen vor dem Abschuss in den Autopilot des Torpedos einprogrammiert werden. Sie besitzen konventionelle Sprengköpfe mit 210 kg TNT. Es wird von moderneren Schkwal-Torpedos berichtet, die sich zielsuchend bewegen.

Normale Torpedos erreichen mit Hilfe eines Elektro- oder Dampfantriebs eine Geschwindigkeit bis etwa 55 Knoten.

Durch ein Unglück mit einem defekten Torpedo versenkte sich das russische Atom U-Boot Kursk am 12. August 2000 selbst.

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Torpedotest

Siehe auch: Sea Lance


Kategorie:Waffe

See also: Torpedo, 12. August, 1860, 19. Jahrhundert, 2000, 26. Januar, ASROC, Alliierte, Angriff, Atomsprengkopf