Trabant (Pkw)
thumb|Warenzeichen des VEB SachsenringDer Trabant ist eine PKW-Baureihe des Automobilherstellers VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau.
Der Trabant, im Volksmund auch liebevoll Trabi genannt, war neben Wartburg, Škoda und Lada das dominierende Auto in der DDR und wurde vom VEB Sachsenring in Zwickau gefertigt. Der Vertrieb erfolgte über die IFA Berlin. Wegen der Zentralverwaltungswirtschaft und den eingeschränkten Kapazitäten, die aufgrund von Parteibeschlüssen kaum oder gar nicht vergrößert werden durften, waren extrem lange Lieferzeiten von mehreren, zeitweise über zehn Jahren (zum Ende der 80er Jahre) üblich. Da der Besitz eines Autos nicht dem Bild des uneigennützigen DDR-Bürgers entsprach, wurde es als Luxusgut eingestuft, dessen Preise im Vergleich zur gebotenen Qualität extrem hoch waren. Ein Trabant 601 kostete mit ordentlicher Ausstattung 1988-89 ca. 12.700 Mark der DDR, was etwa 10-17 Monatsnettolöhnen eines Arbeiters mit gutem Einkommen entsprach.
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Die Anfänge - vom Horch zum Volksauto
Bevor der Trabant in Zwickau gebaut wurde, rollte aus den Fabrikhallen des durch die Besatzungs-Truppen der Sowjetunion enteigneten Automobilwerks Horch ab 1955 ein Luxusautomobil mit dem Namen P240 Sachsenring. Aufgrund der vom Politbüro geforderten überstürzten Entwicklung und Überleitung in die Produktion (der P240 sollte als Statussymbol für die Intelligenz der DDR dienen und so das Abwandern dieser Kräfte in die BRD vereiteln helfen) konnten die vorgestellten und ausgelieferten Fahrzeuge die an sie gestellten Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Da von der Staatsführung zudem ein erschwingliches „Volksauto“ gefordert wurde, wurde die Produktion des „Sachsenring“ bereits nach etwa 1500 gebauten Exemplaren im Jahre 1959 auch zu Gunsten des Trabant eingestellt.
Vorläufer des Trabant war der P70, ein auf Basis des DKW F8 entwickelter Kleinwagen. Dabei kam erstmalig die Duroplastbeplankung zur Anwendung, die später ein Markenzeichen des Trabant werden sollte. 1957 wurde der Trabant P50 vorgestellt, der eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreichte. Zum Ende des Jahres 1959 lief die Produktion des P70 aus. Ingenieur Kurt Lang, der zusammen mit Wolfgang Barthel und anderen Entwicklern Anfang der 50er die Duroplastentwicklung vorantrieb, kann als einer der Urväter des Trabant bezeichnet werden.
1962 stellte Sachsenring den „neuen“ Trabant 600 (P60) vor. Hierbei handelte es sich um eine dezent überarbeitete Version des P50, die vor allem durch ihren neuen Motor, jetzt mit 600 ccm und 23 PS und die neue Zierleistenanordnung (Sonderwunschmodelle) auffiel.
1964 gab es zum neuen Motor auch die neue Karosserie, das Ergebnis war der Trabant 601 (P601). In dieser Form wurde das Fahrzeug mit zahlreichen größeren und kleineren Änderungen wie Antriebsstrang, Interieur und Sicherheitsmerkmale 26 Jahre lang bis zum Juli 1990 hergestellt.
Der 601 und der lange Tritt auf der Stelle
thumb|Trabant 601 S Limousine thumb|Trabant 601 S Universal thumb|Rallye-Version des Trabant 601 Der Trabant P601 war zur Zeit seiner Vorstellung ein fortschrittlicher Kleinwagen. Er war das erste und bisher einzige Auto mit Kunststoffkarosserie welches millionenfach produziert wurde. Die Außenhaut der Karosserie bestand aus einem Phenolharz-Baumwoll-Kunststoff (Duroplast), das sich durch geringes Gewicht, günstige Produktionskosten und gute Verarbeitbarkeit auszeichnete. Der Phenolharz-Anteil betrug 52 Prozent. Der unkomplizierte Aufbau des Trabant ermöglichte auch umfangreichere Reparaturen durch den Besitzer, sofern die knappen Ersatzteile verfügbar waren.
Der Trabant, der eine selbsttragende Stahlblech-Karosserie mit Duroplastbeplankung besaß, wurde als P601 erst von einem 23 PS, ab 1968 von einem 26 PS starken Zwei-Zylinder-Zweitaktmotor mit Gemischschmierung und einem synchronisierten Vierganggetriebe angetrieben, das auf Wunsch auch mit einer Halbautomatik (Hycomat) geliefert werden konnte. Den P601 gab es in verschiedenen Karosserievarianten als Limousine, als Kombi (Universal) und auch als Kübelwagen, der hauptsächlich von der NVA genutzt wurde. Der Kübelwagen geriet Ende der 70er Jahre zum Devisen bringenden Exportartikel namens Trabant Tramp. Bei dieser Variante handelte es sich um einen zivilen Kübel mit der aktuellen Bestausstattung, der vornehmlich nach Griechenland exportiert wurde, allerdings verblieben etliche Trabant Tramp als Zweitwagen für besser Betuchte mit den entsprechenden Beziehungen in der DDR. Zusätzlich gab es einen kurzzeitig auf Kombibasis gebauten Kleinlieferwagen.
Die anfängliche Fortschrittlichkeit des Trabant konnte jedoch nicht beibehalten werden, so dass das Auto hoffnungslos veraltete. Zwar gab es mehrere Anläufe, ein Nachfolgemodell in die Serienproduktion überzuleiten, jedoch wurden diese von der DDR-Regierung aus wirtschaftlichen Gründen zunächst zurück- und schließlich auch eingestellt. Zurück blieben meist nur Prototypen, die in ganz unglücklichen Fällen auf Weisung des Staates verschrottet werden mussten.
Stattdessen konzentrierten sich die Ingenieure auf eine möglichst preiswerte Verbesserung der Ausstattung und Fertigungsmöglichkeiten, was meist aber negative Auswirkungen auf die Qualität hatte. Ein Beispiel dafür war die Reduzierung der Blechstärke zur Materialeinsparung, wodurch die Fahrzeuge rostanfälliger wurden, was sich bei einem Kfz-Durchschnittsalter in der DDR von ca. 15-20 Jahren in einem stark erhöhten Ersatzteilbedarf niederschlug. Infolge dessen musste die Ersatzteilproduktion in Zwickau erhöht werden, was sich wiederum aus Kapazitätsgründen negativ auf die Neufahrzeugproduktion auswirkte. Um dies zu kompensieren, wurden neue Rationalisierungsmaßnahmen für die Serienproduktion fällig, die wiederum die Qualität der Neuwagen verschlechterten. Der Anteil der Ersatzteilproduktion betrug Ende der 80er Jahre im VEB Sachsenring ca. 35% der gesamten Fertigungskapazität.
Der 1.1, das Ende der Produktion und ein neuer Anfang
Die größte technische Neuerung geschah 1990 mit der Vorstellung des Trabant 1.1, dessen Kernstück ein nach Volkswagen-Lizenz gebauter Viertakt-Motor war. Mitte der 80er schloss die DDR-Regierung mit dem Wolfsburger VW-Konzern einen Vertrag, der eine Produktion der VW-Alphamotoren-Baureihe in der DDR zum Inhalt hatte. Der Kauf und Bau der nötigen Maschinen und Vorrichtungen und die Umstrukturierung der bisherigen Produktion verschlang Milliarden an Devisen (~ 7,96 Mrd. Mark). So blieb für eine Neugestaltung der PKW/LLKW (Trabant, Wartburg, Barkas) kaum noch Geld übrig. Stattdessen mussten die neuen Motoren samt der dazugehörigen Aggregate in die "alten" Karosserien verpflanzt werden (die Gestaltung des Trabant 601 stammte von 1963 und die des Wartburg 353 von 1965). Daher ist der optische Unterschied zwischen P601 und dem P1.1 nur geringfügig, jedoch zeigte sich der 1.1er unter seinem Kleid stark modernisiert, so besaß er z.B. einen 4-Zylinder-4-Taktmotor mit Wasserkühlung, der erstmals eine ausreichende Heizung ermöglichte, Scheibenbremsen an der Vorderachse, Schraubenfedern an beiden Achsen, ein neu entwickeltes Vierganggetriebe mit Knüppelschaltung und ein neues Lenkgetriebe mit automatischer Nachstellung, welches nicht mehr abgeschmiert werden musste.
Trotz alledem hatte der Trabant 1.1 im vereinigten Deutschland keine Chance mehr, was aber nicht nur am wenig geänderten Äußeren und dem horrenden Preis lag. Auch wenn der 1.1er ein moderner PKW im Format eines VW Golf geworden wäre, hätte ihn wohl kaum ein Ex-DDR-Bürger gekauft, da viele Bürger nach der Wende und 40 Jahren DDR einfach keine Lust mehr hatten, sich ein „schäbiges“ Auto aus ostdeutscher Produktion zu kaufen. So verwundert es auch nicht, dass nach 1990 tausende Trabis in Straßengräben östlich der Elbe ihren „traurigen Tod“ fanden. Heute hat sich allerdings das Blatt gewendet und es zählen wieder andere Qualitäten, doch es ist zu spät für den Trabant, dessen Produktion am 30. April 1991 mit einem pinkfarbenen 1.1 Universal endete, womit auch der aus eigener Kraft vollbrachte Automobilbau in Zwickau seinen Abschluss fand. Der Volkswagenkonzern übernahm dann das noch zu DDR-Zeiten gebaute neue Montagewerk für den Trabant in Mosel und begründete dadurch seinen Automobilbau in den neuen Bundesländern. Ein Großteil der Hallen und Gebäude des „VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau“ wurde abgerissen und alle Produktionsanlagen vernichtet.
Nach 1990 entwickelte sich der Trabant zum Sinnbild für die DDR. Kinofilme wie „Go Trabi go!“ mit Wolfgang Stumph waren die Folge und sind heute Kult. Mittlerweile sind aufgrund von Verschleiß und hohen steuerlichen Abgaben nur noch wenige dieser Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Im östlichen Europa, vor allen beim damaligen Hauptabnehmer Ungarn ist er jedoch noch häufiger im Straßenbild anzutreffen.
LLKW=Leichtlastkraftwagen
Modellreihen
| Typ | Bauzeit(Serie) | Stückzahl | Motor |
| P50 | 1958-62 1958-59= P50 1959-61= P50/1 1961-62= P50/2 | ca. 131.435 | P50= 18 PS P50/1 & P50/2= 20 PS 500 ccm 2-Zylinder-2-Taktmotor Luftkühlung |
| P60 | 1962-64 (Kombi bis 1965) | ca. 107.007 | 23 PS 600 ccm 2-Zylinder-2-Taktmotor Luftkühlung |
| P601 | 1964-90 Kombi (Universal) ab 1965 Kübel ab 1966 | ca. 2.848.434 | 1964-68 23PS 1968-90 26PS 600 ccm 2-Zylinder-2-Taktmotor Luftkühlung |
| P1.1 | 1988-90 (Vor- & Nullserie) 1990-1991 | ca. 38.994 | 40 PS 1050 ccm 4-Zylinder-4-Taktmotor Wasserkühlung |
Weblinks
- größtes deutsches Trabantforum
- zweitgrößtes deutsches Trabantforum
- Chat für Trabi-Liebhaber
- Online-Zeitschrift um das Thema Trabant
- Versandhandel für Ersatz- und Tuningteile
- Seite mit vielen Informationen zum Trabant 1.1
- Informationen zu den Kombimodellen der Trabantbaureihen
Kategorie:PKW-Modell
Kategorie:Markenname (DDR)
