Trebuchet
right|thumb|300px|Trebuchet mit beweglichem Gegengewicht im Château des Baux, Frankreich (Rekonstruktion) [[Bild:Blide.jpg|thumb|Schußfähiges Trebuchet mit starrem Gegengewicht (Runneburg, Rekonstruktion von 1997)]] Das Trebuchet, auch Tribock oder Blide genannt, war die größte und präziseste Wurfwaffe unter den mittelalterlichen Belagerungsmaschinen. Sie funktioniert nach dem Prinzip des Hebelwurfs. Die Maschine bestand fast vollständig aus Holz und war transportabel, meist wurde sie aber zerlegt und direkt vor Ort errichtet.
Der lange Hebelarm des Trebuchet wird durch ein Gewicht auf der kurzen Armseite bewegt. Durch die bewegliche Aufhängung des Gewichts erhöht man die Wucht des Wurfes. An der langen Armseite befindet sich eine Schlinge, in der sich das Geschoss befindet. Es gab auch Trebuchets mit fest angebrachtem Gegengewicht, teilweise mit beweglichem Gegengewicht oder Seilzug ergänzt. Die Wurfweite wurde durch Verändern der Schlingenlänge und / oder des Gegengewichtes justiert. Durch den sehr langen Wurfarm (vier- bis sechsmal so lang wie der kurze Arm) konnte man mehrere Zentner schwere Steine je nach Quelle 200-500 Meter weit schleudern. Für damalige Verhältnisse eine äußerst große Reichweite, (Langbogen erreichten gezielt etwa 200 m) bei besonders durchschlagskräftiger Munition, (andere Katapulte konnten nicht annähernd so viel Gewicht schleudern). Es wurden, wie mit anderen Wurfwaffen auch, oft zusätzlich Materialien wie z. B. Fäkalien oder Kadaver geschleudert (zumeist in der Absicht, Nahrungsvorräte belagerter Städte zu verunreinigen oder Krankheiten der als Wurfgeschoss verwendeten toten Tiere auf die belagerten Menschen zu übertragen).
Im Mittelmeer gab es diese Waffe (längs eingebaut) auch auf Schiffen, wobei das Gegengewicht durch eine Öffnung im Rumpf bis fast zum Kiel herunterschwang.
In Mitteleuropa tritt das Trebuchet ab etwa 1230 auf, wahrscheinlich handelt es sich um eine byzantinische Entwicklung, die von Kreuzfahrern (und auch Arabern) übernommen wurde. Vorgänger war die in Mitteleuropa bereits seit dem 10. Jahrhundert nachweisbare Zugblide. Bei dieser zogen bis zu 50 Mann mit Seilen den kurzen Hebelarm ruckartig nach unten. Aufgrund der geringeren Zugkraft von Menschen gegenüber einem (wahrscheinlich) bis über 15 Tonnen schweren Gewicht konnte die Zugblide nur Geschosse wesentlich geringeren Gewichts verschießen; außerdem war die Präzision deutlich geringer, da die Zugleistung der Mannschaft von Wurf zu Wurf variierte.
Bau und Bedienung eines Trebuchet oder Blide setzte ein hohes Fachwissen voraus. Der "Blidenmeister" war ein Fachmann; der spätgotische deutsche Maler "Pleydenwurff" führt seinen Namen sicherlich auf einen solchermaßen spezialisierten Vorfahren zurück.
Literatur
Feuerle, Mark: Blide - Mange - Trebuchet. Technik, Entwicklung und Wirkung des Wurfgeschützes im Mittelalter. Eine Studie zur mittelalterlichen Innovationsgeschichte, Berlin/Stuttgart 2005.
Feuerle, Mark: Das Hebelwurfgeschütz - Eine technische Innovation des Mittelalters; in: Technikgeschichte (TG), Bd. 69 (2002), p. 1-39.
Rathgen, Bernhard: Das Geschütz im Mittelalter, (VDI-Verlag) 1987, Ndr. der Ausgabe von 1928. Zum Trebuchet und anderen Fernwaffen vor Erfindung des Schießpulvers ab S. 578 (In den Schlußfolgerungen nicht unbedingt mehr aktuell, aber eine einzigartige Quellensammlung)
Weblinks
- http://www.pbs.org/wgbh/nova/lostempires/trebuchet/ (engl.) - Mit einer Shockwave Interaktion zum Trebuchet Einsatz! (Nur unter Windows!)
- http://mitglied.lycos.de/gwynned1/desoyetribok.php
- http://www.tfguild.org/workshops/treb/treb5.html (engl.)
- http://members.iinet.net.au/~rmine/gctrebs.html (engl.)
- http://www.ripcord.ws/ (engl.) - Schöne Bauanleitung und Bilder selbstgebauter Trebuchets
