Triade (Philosophie)

Die Triade ( lat. trias zu Genetiv: triados) - eigentlich : Dreiheit; im übertragenen Sinne auch Dreischritt - bezeichnet

  1. bei Proklos vollzieht sich in Triaden die dialektische Emanation des Seienden. Allgemein ausgedrückt: die Art und Weise, in der sich das Weltgeschehen als Ganzes vollziehen soll
  2. die Erkenntnismethode, die aus den Momenten Thesis, Antithesis und Synthesis besteht

Erklärungsmodelle, die auf einer Triade basieren, nennt man triadische Modelle.

Wird Materie mit Bewußtsein identifiziert und die triadische Form des Geschehens angenommen, gilt die Triade im identischen Sinne als Seins- und Denkvorgang. Sie wird erstmalig in systematischer Form innerhalb des Neuplatonismus von Proklos vorgetragen. Dieser geht aus vom Einen (ein idealistisch verstandenes, alles umfassendes und ausmachendes Prinzip), das zunächst in sich selbst ruhe, läßt sich dieses sodann auf dem Wege der Emanation in das Viele entfalten und es darauffolgend wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Jakob Böhme kennt auch triadische Prozesse, vor allem aber spielt dann in der klassischen deutschen Philosophie seit Fichte mit dem Höhepunkt bei Hegel, dann auch bei Franz Xaver von Baader, eine Rolle. Hegel, der das Denken mit der objektiven Realität identifiziert, geht aus von der absoluten Idee - der Weltgeist von der Entstehung der Natur und des "endlichen Geistes" (d.h. als Logik - Thesis). Diesem Zustande folgt die Entstehung der Natur als die Selbstentäußerung der absoluten Idee - das Anderessein derselben (d.h. als Naturphilosophie - Antithese). Schließlich nimmt die absolute Idee in der Geschichte, deren höchste Ausprägung die Geschichte der Philosophie sei, ihr eigenes Wesen wieder zu sich zurück, um schließlich in der Philosophie Hegels zum Bewußtsein ihrer selbst zu kommen (d.h. als Philosophie des Geistes - Synthesis).

Hegel läßt die triadische Form nicht nur für das Weltganze gelten, sondern wendet sie konsequent auch auf die Darstellung seiner einzelnen Erscheinungsformen und Entwicklungsphasen an, und zwar in dem Sinne, dass das Dritte immer die Wahrheit des Ersten und Zweiten ausmache. Er wirft Immanuel Kant vor, zwar die Form der Triplizität, wenn auch nur im Ansatz, gekannt und sie auf die Arten, nicht aber auf die Gattungen seiner Begriffe angewendet zu haben. Dies sei der Grund dafür, dass bei Kant das Maß als Drittes von Quantität und Qualität nicht zu finden sei (in: Wissenschaft der Logik, I, 337).

So ist bei Hegel beispielsweise in der Wissenschaft der Logik das Werden das Dritte von Sein und Nichts, das Maß Drittes von Qualität und Quantität, der Widerspruch Drittes von Identität und Unterschied.

Zweifellos ist damit ein gewisser Schematismus in Hegels Philosophie hineingekommen, da er den Weltprozess als ein System auseinander hervorgehender und ineinander übergehender Triaden auffaßt. Er selbst, dann aber insbesondere Karl Marx und Friedrich Engels haben wiederholt darauf hingewiesen, dass man sich beim Schema der äußeren Form nicht aufzuhalten habe. Hegel schreibt, dass sich "der Formalismus" "der Triplizität gleichfalls bemächtigt und sich an das leere Schema derselben gehalten" habe, dass sie deswegen aber nicht ihren "inneren Wert" verliere (in: Wissenschaft der Logik, II 48). Ihren "inneren Wert" besitzt die Triade in dem von Hegel entdeckten Gesetz der Negation, das in der materialistischen Dialektik seine grundlegende Bedeutung eingenommen hat.

Für das 20. Jahrhundert vgl. die Güntherlogik.

Siehe auch: Dyade, Dialektik

See also: Triade (Philosophie), Absolute Idee, Dialektik, Dyade, Emanation, Fichte, Franz Xaver von Baader, Friedrich Engels, Gotthard Günther, Hegel