Tristan-Akkord

Beim Tristan-Akkord handelt es sich um eine "leitmotivisch" genutzte Harmonie aus Richard Wagners Musikdrama Tristan und Isolde, nach der er auch benannt wurde. Er erklingt zu Beginn des Werkes im zweiten Takt des Vorspiels in den Holzbläsern und den Celli.

Der Tristan-Akkord gilt als wegweisend für die Harmonik der Romantik. Dies ist vor allem durch seine musikalische Mehrdeutigkeit begründet. Meist wird er als Doppeldominante H-dur in einer a-moll Kadenz mit tiefalterierter Quinte f (statt fis) im Bass und freiem Sextvorhalt gis zur Septime a im Sopran interpretiert. Aber auch andere (z. B. subdominantische) Deutungen sind möglich, man stelle sich z. B. vor, dass es sich um eine neapolitanische Subdominante handelt, d. h. F, Dis und das verspätete A bilden den Akkord, F7, und dann kommt die Dominante E, und Tonika ist A-moll.

Bei Liszt gab es schon viele Jahre früher diese Zweideutigkeit. Vergleiche mit der muskhistorischen Entwicklung der Halbtonzusammenhänge legen nahe, dass das, was Chopin, Liszt und Wagner angefangen haben, in den Tritonussubstitutionen des Jazz endete und somit als Dominanten behandelt werden sollten.

Ausgezeichnet wird der Tristanakkord durch seine extreme starke Strebewirkung. So wird selbst der (eigentlich spannungsgeladene dissonante) Dominantseptakkord in Takt 3 als Auflösung empfunden.

Besonders interessant sind die kreativen und wegweisenden unterschiedlichen Weiterführungen im Laufe des Werkes sowie die Einbettung in den hochgespannten chromatischen Alterationstil der Oper. Damit ist der Tristanakkord eine Art Inbegriff Romantischer Harmonik, die seit dem an Halt und Bindekraft zur Tonika mehr und mehr verliert bis es schließlich gegen 1910 zum vollkommenen Umschlag in die Atonalität kommt.

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Der Tristan-Akkord hat in der Musiktheorie eine solche Bekanntheit, dass ihn andere Musiker später zitierten oder gar parodierten (z. B. Claude Debussy in seinem "Golliwog’s Cakewalk").

See also: Tristan-Akkord, Alteration, Atonalität, Bass, Claude Debussy, Dominantseptakkord, Doppeldominante, Harmonie, Harmonik, Holzbläser